Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Cant. Dd. IV 16

Nachweis: Vereinigtes Königreich, Cambridge, University Library, Cant. Dd. IV 16 (191)
Datierung:

J. 1441

Beschreibstoff: Papier (außer ff. 1, 328: Pergament)
Format: 212 × 142 mm
Folienzahl: ff. 328

Inhalt

  • (ff. 27) Georgios Gemistos Plethon, De virtutibus (PG 160, Sp. 865 bis 882).
  • (ff. 79V) Virt.
  • (ff.9V11V) Ἀριστοτέλους ὅροι ἀρετᾶν καὶ κακιῶν, inc. ἀρετή ἐστιν ἕξις προαιρετικὴ, des. οὔτε πάθη οὔτε δυνάμεις.
  • (ff. 12 bis 17) Kurze Exzerpte aus EN und An. II, III (auf f. 17 unten: Euripides, Hecuba 306–308).
  • (f. 17V) Cael. I 1, 268 a 1–24, des. ἐστὶ πᾶν.
  • (ff. 1862V) Auszüge aus EN (I ab f. 18, II ab f. 24, III ab f. 27, IV ab f. 30V, V ab f. 33, VI ab f. 34, VII ab f. 40V, VIII ab f. 42V, IX ab f. 47V; Buch X ab f. 49V ist vollständig), mit einigen Lesarten und Scholien.
  • (ff. 6373) Auszüge aus Rhet. (I ff. 6364V, III ab f. 64V).
  • (ff. 7384) Brutus, Epistulae (Mithridatis collectio) (Hercher, S. 171–191 Nr. I bis XVI, XXIX–XXX, LI–LVIII, XVII–XX, XXXI–XXXII, LXIX–LXX, XXXV–L, XXI–XXVIII, LIX–LXVIII, XXXIII–XXXIV).
  • (ff. 8488) Euripides, Epistulae (Hercher, S. 275–279 Nr. I–V).
  • (f. 88RV) Mu. 7, 401 b 8 οἶμαι bis Schluß.
  • (f. 88V) Auszüge aus Vent. (973 a 21 Ἑλλησποντίας – 23 ἀπολλωνίαν) und Mir. (846 b 36–39 = Kap. 170; 833 b 21–24 und 28–30 = Kap. 48 z. T.; 838 a 5–10 = Kap. 95 z. T.).
  • (ff. 8999) Basileios, De legendis libris gentilium (ed. F. Botilenger, Paris 1952).
  • (ff. 99V100) Anonymus, Vita Homeri (ed. U. v. Wilamowitz, Berlin 1929, S. 28: Vita Scorialensis Nr. 4).
  • (ff. 100101V) Rhet. Al., 1445 b 29 χρή bis Schluß (der vorausgehende Teil des Traktats ff. 192226V).
  • (ff. 102111V) Rhet. II 4, 1381 b 14–19; b 22–1382 b 19; II 11, 1388 b 28–II 18, 1391 b 9; II 23, 1399 b 19–29; II 25, 1402 b 12–III 1, 1403 a 7. Ab f. 107 kurze Auszüge aus I–III, auf ff. 108V111: I 10–11, 1369 b 29–1372 a 3.
  • (f. 112RV) Epistulae: Aristoteles, Alexander (ed. R. Hercher, S. 466 Nr. VIII, S. 98 Nr. I, S. 174 Nr. VI).
  • (f. 112V) Rhet. I 10, 1368 b 32 πάντες – 1369 a 7 ἐπιθυμίαν.
  • (ff. 113129) Xenophon Agesilaos.
  • (f. 129RV) Rhet. I 1, 1354 a 1–26 στρεβλόν.
  • (ff. 129V131) Rhetorische und grammatische Exzerpte. Inc. Ὅτι κατὰ ἑπτὰ τρόπους ἐξηγεῖσθαι δεῖ τὰ τῶν ῥητόρων· κατὰ ἀλληγορίαν. Dann: (f. 130) Ὅτι ἡ ῥητορικὴ πρᾶγμά ἐστιν ἔμμεσον und ὅτι τρεῖς οἱ τρόποι ῥητορικῶν ἀναγνώσεών εἰσιν. Danach (f. 130V) Bemerkungen zum Gebrauch von Pronomina, Akzenten, Partikeln, Präpositionen etc. (ἐνταῦθα, ἐκεῖ, αὐτοῦ etc.).
  • (f. 131RV) Scholien zur Ilias: zu Δ 502 (inc. Ὅτι κόρση καὶ κρόταφος ταὐτόν, cf. J. A. Cramer, Anecd. Paris., III, Oxford 1841, S. 203–204), Δ 295 (cf. ebd. III 201), E 358 (cf. ebd. III 166), E 333 (cf. ebd. III 209), E 287 (cf. ebd. III 208), E 245 (cf. ebd. III 208), E 226 (cf. ebd. III 208), Δ 440, Δ 482 (αἴγειρος εἶδος δένδρου, des. ἀπὸ τῆς ἐγέρσεως αὐτοῦ καὶ ἀναδόσεως).
  • (ff. 132146V) Georgios Gemistos Plethon, De Platonicae et Aristotelicae philosophiae differentia (PG 160, Sp. 889–929).
  • (ff. 146V178) Georgios Gemistos Plethon, Contra Scholarii defensionem Aristotelis (PG 160, Sp. 979–1020).
  • (ff. 178180V) 〈Maximos Planudes〉, Übersetzung von [Cicero], Rhet. ad Her. III 16–20 (ed. Ph. C. Hess, Ciceronis Cato maior …, Halle 1833, S. 70–98), mit Nachbemerkung des Übersetzers, inc. Ὅτι ἡ μὲν περὶ τεχνικῆς μνήμης τοῦ κικέρωνος πραγματεία, des. ἐπὶ τοῖς οὐκ ἀξίοις σπουδῆς ἔκρινα δεῖν.
  • (ff. 180V181V) Auszüge aus Theodoros, De anima sowie Heliodoros, Aethiopica (cf. Katalog).
  • (ff. 181V191V) Scholien zu Sophokles und Homer, inc. ὁ ἀλλὰ σύνδεσμος (= Scholion zu Soph. El. 879, cf. G. Dindorf, Scholia in Soph., Oxford 1852, II, S. 265). Zu Homer ab f. 182V, inc. Ἰστέον ὅτι σεσημείωνται παρὰ τοῖς ἀρχαίοις καὶ μάλιστα παρ᾿ ὁμήρῳ συντάξεις καινοπρεπεῖς τινες. Einige Homerscholien wieder bei Cramer (cf. oben zu f. 131RV), z. B. f. 185V zu Δ 149 διαφέρει ὠτειλὴ οὐλῆς Cramer III, S. 199; f. 186 zu Δ 250, cf. ebd. III 201. Auf dem oberen Rand von f. 187 in Rot der Name des Exegeten Porphyrios. Letztes Scholion inc. Θησεὺς καὶ Πειρίθους ὡς ἱστορεῖ Ἑλλάνικος, des. ὁ δὲ αἱρεῖται τὸ δεύτερον.
  • (ff. 192226V) Rhet. Al. bis 1445 b 29 ἕξομεν (Resttext auf ff. 100101V).
  • (ff. 227231V) Auszüge aus Pol. III, II, VIII, VI, VII, I.
  • (ff. 232265) Xenophon, Oeconomicus.
  • (ff. 265V277) Xenophon, Hieron.
  • (ff. 277V286V) Rhet. I 5, 1360 b 14 ἔστω – I 9, 1367 b 26 προαιρέσεως.
  • (f. 286V) MM I 27, 1192 a 37–b 5 τούτῳ.
  • (ff. 287289V) Aristeides, Heracles (Or. V Dind., XL Keil), des. imperf. ἥκειν ἐκ τοῦ (ed. B. Keil, Berlin2 1958, S. 330, 8).
  • (ff. 290291) Aristeides, Dionysus (Or. IV Dind., XLI Keil).
  • (f. 291V) Platon, Auszüge aus dem Protagoras.
  • (ff. 292324) Platon, Epistulae XII.
  • (ff. 324327V) Kurze Texte (cf. Katalog), darunter zwei Briefe: (ff. 325V326) Gregor von Nazianz, Ep. 51: Ad Nicobulum (PG 37, Sp. 105–108) und (ff. 326V327V) Nikolaos Sagundinos, Ad filium (lat., Nr. 56 bei P. D. Mastrodimitri, Νικόλαος Σεκουνδῖνος [1402–1464], Βίος καὶ ἔργον, Athen 1970, S. 161).

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier (außer ff. 1, 328: Pergament)

Wasserzeichen

  • ff. 211: Basilisk, entfernt ähnlich Br. 2642 (Reggio Emilia 1439, mit Variante im Vind. Phil. 87 aus J. 1445).
  • ff. 12291: Griechisches Kreuz im Kreis, ähnlich Br. 5575 (Rom 1456, mit Varianten Italien 1457–77, Graz 1461).
  • ff. 292327: Blume, entfernt ähnlich Br. 6640 (Montpellier 1435, mit Varianten Italien 1435–63, Südfrankreich 1436–66).

Format

212 × 142 mm

Folienzahl

ff. 328

Foliierung

Für ff. 1123 zwei Foliierungen, vor f. 114 voneinander abweichend. Die neuere bezieht das Pergamentblatt am Beginn als f. 1 in die Zählung ein, gleicht sich aber ab f. 114 mit der älteren, nur die Papierfolien erfassenden Foliierung aus, da diese „113‟ ausläßt.

Lagen

29 × 10 (2291), 3 × 12 (327).

Lagensignierung

Lagensignierung mit westlichen Ziffern auf dem 1. Recto unten rechts von f. 12 (2) bis f. 316 (32). Nur am Beginn eine lateinische Buchstabenzählung auf dem letzten Verso und dem 1. Recto unten rechts von ff. 11V, 12 (a) bis ff. 31V, 32 (c), wobei also jeweils Schluß der alten und Einsatz der neuen Lage mit demselben Buchstaben bezeichnet sind.

Reklamanten

Reklamanten waagerecht auf dem letzten Verso unten rechts von f. 21V bis 281V.

Anzahl der Linien

Lin. 27 (ff. 211V), 23 (ff. 12291V, 25 (ff. 292324), 26–27 (ff. 324V327)

Kopist

f. 323V unter dem Platontext: ἐν τῇ πόλει φλωρεντίας μηνὶ ἰουνίου κη ἡμέρᾳ δη ἔτει τῷ ἀπὸ τῆς τοῦ κ(υρίο)υ γεννήσεως ͵αυμα (am Mittwoch, den 28. 6. 1441 in Florenz vollendet). Darunter: „N. Sagu(n)dinus s(an)ctissimi d(omi)ni p(a)p(a)e secretarius‟. Der lat. Brief des Sagundinos ff. 326V327V ist ein Autographon. Für den griech. Teil ergibt sich der gleiche Befund (Harlfinger) durch Vergleich mit Marc. lat. cl. XIII, 62, ff. 107, 108 (abgebildet bei: P. D. Mastrodimitri, op. cit., Taf. Z). Freilich stellt sich die Frage, ob die Hs. von verschiedenen ähnlichen Händen geschrieben ist (so Babington in: Mss. Cat. U. L., S. 217).

Das Ms. besteht offenbar aus drei Teilen entsprechend den verschiedenen Wasserzeichen (cf. oben). Stark vom Rest abweichend der 1. Quinio ff. 211, der ursprünglich größere Maße hatte (Beschneidung), enger beschrieben ist als das Folgende (cf. oben Lin.) und allein Illumination (in Karminrot) aufweist. Wenn man nicht mit Babington für ff. 211V an einen zum Rest ähnlichen, aber verschiedenen Schreiber denken will (cf. dagegen die hochgestellten Schlußbuchstaben in den beiden ersten Quinionen), gehört die kursive, nicht illuminierte Ausführung ab f. 12 jedenfalls nicht derselben Entstehungszeit an. Ab f. 292 Einsatz mit dunklerer Tinte, aber zweifellos dieselbe Hand (gegen M. R. James’ Notiz im handgeschriebenen Katalogentwurf: „a second and better hand begins at f. 292‟).

Niccolò Sagundino aus Euboea kam 1438 nach Italien. Wegen seiner guten Kenntnisse im Griechischen und Lateinischen Dolmetscher auf dem Konzil von Florenz (C. G. Jöcher, IV, Sp. 30–31; G. Voigt, Wiederbelebung, I, S. 429). Dieses Konzil dauerte bekanntlich von Februar 1439 bis 1442, wo es nach Rom verlegt wurde. Sagundino, z. Zt. des Entstehens des Kodex auf dem Konzil zu Florenz, ist sicher auch der erste Besitzer gewesen: sein Vermerk „papae secretarius‟ gilt nur bis 1442, da er später im Dienste der Republik Venedig stand (cf. Jöcher und Voigt ebd.). Zu Leben und Werk von Sagundino jetzt die ausführliche Monographie von P. D. Mastrodimitri (cf. oben), dem unsere Hs. freilich entgangen ist.

Einband

18. Jh. (Hinweis von H. L. Pink). Schafleder mit Blindprägung (Deckelrandfileten, in der Deckelmitte Rechteck mit Rankenornamentik an Innenseiten und Außenecken) wie Ms. Ii V 44. Erneuerter fester Rücken mit fünf erhabenen echten Bünden. Im Vorsatz je drei fliegende Blätter (numeriert I–III bzw. IV–VI).

Geschichte

Datierung

J. 1441

Provenienz

Erstbesitzer: Niccolò Sagundino (cf. die Angaben unter „Kopist‟). Vorbesitzer John Moore: die Hs. zwar weder im Verzeichnis seiner Kodizes in CMA noch in Tanners Supplementum (cf. oben S. 98) genannt, jedoch Vermerk f. 1 oben: „Late Bp (= Bishop) of Elys MSS./lent to Mr. Dechaire/for Mr. Pearse of/Edmund Hall‟. Im alten Katalog von Parris–Whisson (Oo VII 53, cf. oben S. 98) auf f. 20 aufgeführt. Von wem Moore die Hs. erwarb, ist unbekannt: Babington in Cat. Mss. U. L. (cf. Bibliographie) denkt an einen französ. Vorbesitzer wegen des Vermerks auf f. 1V: „Recueil. Gemisti et quaedam alia‟. M. R. James vermutet, daß die Hs. zu den 50 Hss. aus der Sammlung von J. B. Hautin gehörte, die nach dem Frieden von Ryswick am 20. 9. 1697 verkauft wurden und an Moore gelangten (cf. C. Plummer, ed. Bede, Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum, Oxford 1896, S. LXXXIX. Hinweis von H. L. Pink). Auf dem vorderen Spiegel außer dem üblichen Ex libris anläßlich der Schenkung 1715 ein aufgeklebtes Etikett vom alten Lederrücken (auf rotem Grund in Goldprägung: „Gemisti,/& C. Graec:/M. S.‟). Auf f. 328RV Teil einer Ratsurkunde vom 23. 4. 1364, inc. Pantaleo draco piscator S. Nicolai accepit … Auf dem Verso bezieht sich der Text auf Mag. Dalmaxius rector scholarum S. Pantaleonis. In der Mitte von f. 328RV jeweils: „capta in maiori consilio die XXIII Aprilis 1364‟.

Bibliographie

Kat.

  • H. R. Luard, Cat. Mss. U. L., I, 1856: Beschreibung von Ch. Babington, S. 217–225.

Kod.

  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 416.

Text.

  • P. Moraux, ed. Cael., 1965, S. CLXXXIII (nur erwähnt) .
  • R. Kassel, Textgeschichte Rhet., S. 2–3, 43–44 (Wie Rhet. Al. vom Pal. 160 abgeschrieben; mit Konjekturen des Schreibers) .
  • M. Fuhrmann, Textgeschichte Rhet. Al., S. 558–559, 612–613 (Vorlage ist der kurz vorher ebenfalls in Florenz geschriebene Pal. 160. Zahlreiche gute Konjekturen des Schreibers, cf. Fuhrmanns Liste) .
  • M. Fuhrmann, ed. Rhet. Al., 1966 (S. VIII, XXIII, XXIV–XXV: Sigel Cant. Wegen der Konjekturen gelegentlich herangezogen. Vielleicht die Hs., die der Kopist des Buc. 602 als Emendationsvorlage benutzte) .
  • Exzerpt aus Mu. von Lorimer nicht erwähnt; cf. Nachtrag bei L. Minio-Paluello, Aristoteles Latinus, XI, 1–2, 21965, S. XI Anm. 1 Ende.
  • C. Brockmann, Zur Überlieferung der Aristotelischen Magna Moralia, F. Berger, C. Brockmann, G. De Gregorio, M. I. Ghisu, S. Kotzabassi, B. Noack (Hgg.), Symbolae Berolinenses. Für Dieter Harlfinger, Amsterdam 1993, S. 43–80 (hier 46. 66 Anm. 77; Stemma nach S. 80: Das Exzerpt in Cant. ist aus Vat. gr. 1342 (13. Jh. E.) geflossen).
  • Gregor von Nazianz

    • G. Przychocki, De Gregorii Nazianzeni epistularum codicibus Britannicis, qui Londinii, Oxoniae, Cantabrigiae asservantur, Cracoviae 1912 (= Dissertations philologiques de l’Académie de Cracovie 50, S. 230–246).
    • P. Gallay, Liste des mss. des lettres de S. Grégoire de Nazianze, in: REG 57, 1944, S. 109.

    Platon

    • N. G. Wilson, Plato Mss., S. 386 Nr. 7.
    • Bei R. S. Brumbaugh–R. Wells, Plato Mss., nicht aufgeführt.

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 99–103 (Wiesner, Autopsie April 1967 und September 1975 (mit Ergänzungen)).