Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Cant. Ii. V 44

Nachweis: Vereinigtes Königreich, Cambridge, University Library, Cant. Ii. V 44 (1879)
Datierung:

J. 1279 (außer ff. 85 ad: 15. Jh. )

Beschreibstoff: Pergament
Format: 290 × 222 mm
Folienzahl: ff. 143 (+ 85 a–d)

Inhalt

  • (ff. 130V) MM.
  • (ff. 30V102V) EN. Spätere Ergänzung auf ff. 85 a–86, lin. 4: VIII 5, 1157 a 8] πευόμενος – 14, 1161 b 19 ὄντα.
  • (ff. 102V134V) EE. Nach Buch III die Anfänge der kontroversen Bücher (f. 121), denen VII 1–12 und VII 13–15 als Bücher ζ bzw. η folgen.
  • (ff. 134V143V) Oec.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Pergament

Format

290 × 222 mm

Folienzahl

ff. 143 (+ 85 a–d)

Foliierung

Ursprünglich von 1147 durchgehend; die geltende Zählung bezieht die jüngeren ff. (vorher 8689, jetzt 85 ad) nicht mehr ein.

Lagen

FHHF. 10 × 8 (80), 1 × 8 + 4 (88, nach Bl. 5 ein jüngerer Binio = ff. 85 ad eingefügt), 6 × 8 (136), 1 × 8 - 1 (143, Bl. 8 fehlt).

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden vom Kopisten auf dem 1. Recto oben rechts von f. 97 (ιγ) bis 137 (ιη). Vorher ebenfalls oben rechts erscheinende griechische Buchstaben (von der Korrekturhand in EN), zuerst f. 33 (α), gehören nicht zur Kustoden–, sondern zur Buchzählung.

Lagensignierung

Spätere Zählung mit lateinischen Buchstaben und westlichen Ziffern auf dem 1.–4. Recto unten rechts (a 1–4, b 1–4 etc.) von a bis s; die in Lage 11 eingefügten ff. 85 ad als ll 1–4 bezeichnet.

Anzahl der Linien

Lin. 26–27 (ff. 85 ad: 26)

Liniierung

Lake I, 2e (jedoch sind die die Schriftfläche begrenzenden Senkrechten nicht Doppel-, sondern Einzellinien).

ff. 85 a–d: Lake I, 1 a.

Kopist

A. ff. 185, 86 (lin. 5)–143V: Nikolaos. Subskription f. 143V in Rot: ἐγράφη τὸ παρὸν βιβλίον τῆς ἠθικῆς τοῦ ἀριστοτέλους διὰ χειρὸς Νικολάου εὐτελοῦς ἀναγνώστου τῶν ὡρῶν αἰτήσει τοῦ θεοτιμήτου μοναχοῦ κυρίου Ἰακὼβ σκευοφύλακος μάνδρας ἀκρωτηρίου μηνὶ Ἰουνίου ιϛ, ἰνδ. ζ, ἔτει ϛψπζ. οἱ ἀναγινώσκοντες εὔχεσθε ὑπὲρ αὐτῶν. Am 16. Juni 1279 von Nikolaos für den Skeuophylax Jakob (cf. unten) geschrieben. Unter der Subskription von späterer Hand: + ἀνὴρ (δὴ supra lineam) χρηστὸς χρηστὸν οὐ μισεῖ ποτε.

Ein Vergleich mit dem Zwillingskodex Vat. 1342 (ohne Subskription) zeigt, daß der Cant. viel regelmäßiger geschrieben ist und den Schriftrahmen stets wahrt. Titel und Initialen in Rot; auch im Text sind Initialen rot übermalt und öfters runde Buchstaben mit roter Tinte ausgefüllt. In beiden Hss. dieselben Schmuckleisten (Cant. f. 38 = Vat. f. 13 und 23 etc.).

B. ff. 85 ad V, 86 (lin. 1–4), Marginalien EN: Andronikos Kallistos? (Harlfinger).

C. Eine Hand des 16. Jh., mit Zusätzen zu EE, MM, Oec.

Ergänzungen zum Textbestand

Zu allen Traktaten Lesarten, Korrekturen und Ergänzungen von späteren Händen (cf. unter Kopisten).

Einband

18. Jh. (H. L. Pink), Schafleder mit Blindprägung wie Ms. Dd IV 16. Frühere Bindung auf sieben eingemeißelte Bünde, jetzt fester Rücken mit fünf erhabenen echten Bünden. Im Vorsatz vorn drei fliegende Blätter (Papier, numeriert 2, 3, 4), hinten eins.

Geschichte

Datierung

J. 1279 (außer ff. 85 ad: 15. Jh. )

Entstehung

Zur Textergänzung Notiz auf f. 86 oben: „Copied from a ms. wanting 4 leaves, probably the innermost two sheets of a quire‟ und am rechten Rand: „? a line and a half left blank by the scribe seeing a gap‟ (= Zitat aus J. Stewart, English Mss. EN, S. 48). Der Textausfall scheint auf den ersten Blick im Cant. und dessen vom gleichen Schreiber Nikolaos (cf. unten) stammenden Zwillingskodex Vat. 1342 unterschiedlich groß, denn im Cant. (f. 85V) bricht der alte Text 1157 a 8 θερα […, im Vat. (f. 76V) erst 1157 a 12 ἡδύ ab. Doch haben 1157 a 8–12 im Cant. auf den ersten Zeilen von f. 86 gestanden; der Supplementator hat sie getilgt und auf f. 85 a neu geschrieben, um daran den zu ergänzenden Text anzuschließen. In der obersten Zeile von f. 86 sind von Nikolaos’ Hand die supra lineam geschriebenen Endungen von τοῦ ἐραστοῦ (1157 a 8) und mehrere Buchstaben der Worte καὶ ἡ φιλία λήγει τῷ (1157 a 9) auch nach der Rasur noch zu entziffern.

Provenienz

Schreibort: das Kloster San Salvatore in Messina. Daß das in der Subskription (cf. oben) genannte Kloster auf dem Vorgebirge, in dem Jakob Skeuophylax war, mit San Salvatore in Messina identisch ist, worauf zuerst U. Victor (cf. Bibliographie) aufmerksam wurde, geht aus der Subskription des Ms. Messina, Bibl. Univ. 86 vom 4. 9. 1280 hervor: … ἀνῳκοδομήθη δὲ παρὰ τοῦ πανοσίου ανδρὸς καὶ ἐναρέτου κυρίου Ἰακώβου ἱερομοναχοῦ καὶ σκευοφύλακος τῆς μεγάλης καὶ περιβλέπτου μονῆς τοῦ Σωτῆρος ἀκρωτηρίου Μεσύνης (cf. G. Fraccaroli, Dei codici greci del monastero del SS. Salvatore, in: SIFC 5, 1897, S. 508–509. V.–G., S. 418 s. v. Φίλιππος). Zur Geschichte des Klosters, einer Gründung des Basilianerabtes Bartholomaeus von Simeri aus dem 1. Viertel des 12. Jh., cf. zuletzt M. Scaduto, Il monachismo basiliano nella Sicilia medievale, Rom 1947, S. 165 sqq.; zu seiner Bibliothek, die vor allem aus byzantinischen Bänden des ebenfalls von Bartholomaeus gegründeten Klosters St. Maria von Rossano und des bibliophilen Gelehrten Scholarios gebildet wurde, cf. V. Burr, in: Handbuch der Bibliothekswissenschaft, III 1, Wiesbaden 1955, S. 177 mit weiterer Literatur.

Vorbesitzer: John Moore, Bischof von Ely. Erwerb des Ms. zwischen 1697 und 1714 (Moores Tod), da es in CMA II 1 noch nicht genannt ist, sondern zur Sammlung Moores, wie sie im J. 1697 existierte, im Cambridger Exemplar von CMA nachträglich eingetragen wurde (MS. Oo VII 502: Thomas Tanner’s supplementary list No. 981). Der jetzt abgeschnittene obere Rand von f. 1 enthielt vermutlich einen Possessionsvermerk. Auf dem vorderen Spiegel neben dem üblichen Ex libris, das bei Georgs I. Schenkung der Moore-Sammlung an die Univ.-Bibl. Cambridge eingefügt wurde, die aufgeklebten Rückenetiketten (Goldbuchstaben auf rotem Leder) des früheren Einbandes: „Aristot. Eth | Graec | Mss‟ und „Aristoteles M. S.‟. In der Signaturenkonkordanz von Parris–Whisson (cf. oben S. 98) auf S. 10, in deren Katalog (Oo VII 55) auf f. 27 aufgeführt.

Bibliographie

Kat.

  • H. R. Luard, Cat. Mss. U. L., III, S. 495 bis 496.

Kod.

  • U. Victor, Rez. zu van Groningen-Wartelle, edd. Oec., 1968, in: L’Antiquité Classique 39, 1970, S. 588.
  • D. Harlfinger, Überlieferungsgeschichte EE, S. 6–7 und Textgeschichte Lin., S. 60 Anm. 1, 62, 413.
  • R. Weiss, The Private Collector and the Revival of Greek Learning, in: F. Wormald–C. E. Wright, The English Library before 1700, London 1958, S. 112–135, dort S. 125 (Ii V 44 gehört zu den Mss., die schon im späten Mittelalter in England waren) .

Text.

  • F. Susemihl, Recogn. MM et EE, S. IXsqq. (zahlreiche Lesarten) .
  • F. Susemihl, ed. MM, 1883 (Sigel Cc; Cc und Pb = Vat. 1342 aus demselben Archetyp, beide der Familie Π2 zugehörig) .
  • H. Jackson, On a Ms. of the Nicomachean Ethics, in: Journal of Philology 6, 1876, S. 208–211 (These, daß der Cant. vom Vat. 1342 abgeschrieben sei) .
  • J. Stewart, English Mss. EN, 1882 (Sigel A. Kollationen passim. A ist für EN eindeutig von der Rezension abhängig, die von Kb = Laur. 81, 11 ausgeht; die ergänzten ff. 85 ad bieten dagegen den Text der anderen, auf Lb = Par. 1854 zurückgehenden Rezension. S. 47–53 zum Verhältnis Cant. – Vat. 1342: aufgrund von Lesarten von EN, EE, MM Schluß, daß beide Hss. Kopien desselben Archetyps sind) .
  • R. A. Gauthier–J. Y. Jolif, L’Ethique à Nicomaque, 1958, I, S. 92* (Sigel Cc; Cc u. Vat. 1342 hängen eng von Kb ab) .
  • R. A. Gauthier–J. Y. Jolif, L’Ethique …, 21970, 1, S. 304, 306, 308, 311, 312 (Sigel Cc ) .
  • F. Susemihl, ed. EE, 1884 (Nachdruck 1967) (Sigel Cc. S. V: Cc und Pb = Vat. 1342 älteste und beste Hss. für EE, beide zu fast gleicher Zeit aus derselben Vorlage abgeschrieben; der Familie Π1 zugehörig) .
  • H. Jackson, EE Θ I, II, in: Journal of Philology 32, 1913, S. 170–221, dort S. 171 A. 1.
  • D. Harlfinger, Überlieferungsgeschichte EE, bes. S. 7–11, 28, 31 sqq. (Für EE ist C = Cant. die mehr mechanische Abschrift gegenüber dem an Konjekturen reichen P = Vat. 1342. Ihre Vorlage angesichts vieler gemeinsamer paläographischer Eigenheiten nicht wesentlich vor das 13. Jh. zurückreichend. C ist bis 1232 a 3 Quelle des Laur. 81, 20. Auf S. 31–37 Variantenapparat für die Bücher I und VIII) .
  • B. A. van Groningen–A. Wartelle, ed. Oec., 1968 (Sigel C. S. XII, XIII: Familie Π2 ) .
  • U. Victor, Rez. zu van Groningen-Wartelle (cf. oben) , S. 588 („Le Cantabr., lui, qui est frère jumeau du Vat. 1342 …, fait partie de la famille Π2‟) . [Nachtrag (J. W.): U. Victor teilt mir mit, daß sich bei der vollständigen Kollation von Oec. die folgende Präzisierung ergeben hat: Cant. und Vat. 1342 sind, obwohl vom selben Kopisten, nicht aus derselben Vorlage abgeschrieben: Sie haben keinen gemeinsamen Vater, sondern einen gemeinsamen Großvater. Cant. ist Stammvater einer „römischen Handschriftengruppe‟, die Par. 1857, Vat. 2370, Vat. 1343, Neap. III E 3 (325), Marc. IV 3, Lips. 24 und Par. 2025 umfaßt.]

Faks.

  • D. Harlfinger, Überlieferungsgeschichte EE, Taf. II.

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 104–107, 465 (Wiesner, Autopsie April 1967).