Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Dresd. Da 4

Nachweis: Deutschland, Dresden, Sächsische Landesbibliothek, Dresd. Da 4
Datierung:

15. Jh. 2. Viertel

Beschreibstoff: Papier
Format: 340 × 245 mm
Folienzahl: ff. 129 (1 Bl. zwischen ff. 4050)

Inhalt

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • ff. 1129:
  • Dreiberg mit Stange, ähnlich Br. 11684 (Fano 1400).

Format

340 × 245 mm

Folienzahl

ff. 129 (1 Bl. zwischen ff. 4050)

Foliierung

Oben rechts, vorhanden ff. 15, 10, 20 etc. (nur jeweils die Zehner sind erfaßt). Zwischen ff. 4050 ein Blatt übersprungen, so daß f. 51 falsch als 50 gezählt, f. 61 als 60 etc.

Lagen

13 × 10 (129).

Griechische Kustoden

Lagensignierung auf dem 1. Recto und letzten Verso jeweils unten rechts mit westlichen Ziffern (1 bis 13).

Anzahl der Linien

Lin. 29

Kopist

Theodoros Gazes〉 (Lobel). Die für ihn bezeugten Daten nennt Lobel, Mss. Poet., S. 11–12: aus der Zusammenarbeit mit Georgios Chrysokokkes (datierte Hss. von 1420–1436) und seinem Todesdatum (1475 oder 1476) läßt sich Gazes’ Hss.-Produktion dem 2. und 3. Viertel des 15. Jh. zuweisen. Über Lobel hinaus („we have no means of dating Dresd. more closely than within these wide limits‟, S. 12) wird man aufgrund des Wasserzeichens in die frühe Zeit von Gazes datieren. Marginalien von einer anonymen Hand (Anonymus 9 bei Harlfinger). Majuskeltitel (rot) nur am Beginn der Rhetorik; für die weiteren Traktate sind von späterer Hand lat. Titel am Rand ergänzt.

Illumination in lombardischem Stil (H. Deckert). Unter dem Titel f. 1 Wappen: Lorbeerkranz mit 2 Schleifen umrahmt Kreis, der durch eine Waagerechte in zwei ungleiche Felder (ein oberes, kleineres in Blau, ein unteres, größeres in Weiß) geteilt ist. Initiale Rho f. 1 aus Weinstock mit Trieben gebildet. Bei den folgenden Buchanfängen und Traktaten Initialmalerei in dem dafür freigelassenen Leerraum (ff. 30V, 60, 81, 100) nicht ausgeführt.

Einband

Alter italienischer Einband. Holzdeckel, größer als der Buchblock (stehen 1 cm über), mit rechtwinklig glatten Kanten. Fester Rücken aus braunem Leder, drei erhabene Doppelbünde, durch den Deckel durchgezogen und verpflockt (nicht mehr sichtbar, da mit dickem Papierstreifen über die ganze Länge überklebt). Zugleich mit der Heftung hergestelltes echtes Kapital, einfarbig wie der Heftfaden, nicht über den Buchblock hinausragend und nicht breiter als der Rücken. Reste von zwei Schließen am Längsschnitt, die vom Vorder- zum Hinterdeckel führten. Auf dem Vorderdeckel noch zwei quadratische, eingesenkte rote Lederreste, mit drei Nägeln befestigt; auf dem Hinterdeckel rhombische, 6 cm auf den Holzdeckel übergreifende, mit drei Nägeln befestigte Metallösen, die zum Einhängen der an den nicht mehr vorhandenen Lederschließen befindlichen Metallhaken dienten. Im Vorsatz vorn und hinten je 1 Pergamentblatt. (Für Auskünfte zum Einband bin ich H. Deckert, Dresden, verpflichtet.)

Geschichte

Datierung

15. Jh. 2. Viertel

Provenienz

Vorbesitzer: Auf dem Perg.-Vorsatzblatt recto τοῦ ἀλεξάνδρου ἀγαθημέρου ἡ παροῦσα θεία βίβλος. Von derselben Hand in der Mitte des Folium (unter einem nicht verifizierten späteren Namenszug): ῥητορικὴ καὶ περὶ ποιήσεως. Alexander Agathemerus (Alessandro Bondini) war Arzt in Venedig und Mitglied der Akademie des Aldus Manutius; er wirkte bei der Herausgabe des Organon in der Aldina mit (griech. Praefationes von ihm und Scipio Carteromachus). Zur Datierung nennt Lobel, Mss. Poet., S. 12 An m. 2 einige der Briefe und Hss. Bondinis aus den Jahren 1495–1500; cf. weiter M. Cosenza, Ital. Humanists, I, S. 652, der auf Ausgaben Bondinis aus den Jahren 1510 (Kebes) und 1512 (Dionysios Periegetes) hinweist. Wie Lobel feststellt, ist der Dresdensis in dieser Zeit in Venedig Quelle für Vergleiche und Abschriften des Poetiktextes gewesen: der Mut. a. T. 8. 3 (100) enthält Varianten aus dem Dresdensis von der Hand des Giorgio Valla und Ioannes Plusiadenos (op. cit. S. 33–34) aus der Zeit zwischen 1485 und 1498 (S. 8); der Kopist eines direkten Apographon des Dresdensis, Ambr. P 34 sup., ist Raphael Regius, der zwischen 1486 und 1503 und ab 1508 in Venedig wirkte (S. 12–13).

Die Hs. in Dresden: Der Grundstock der Dresdner Bibliothek geht auf den Kurfürsten August, Herzog von Sachsen, um 1550 zurück. Erwerb von Hss. jedoch erst in späterer Zeit: Da 4 gelangt nach Dresden, als unter Friedrich August II. (1733 bis 1763) für die Bibliothek starke Aktivität herrscht. Im Zuge dieser Bemühungen wird der Abbate Gabriel Balthasar Brunelli aus Bologna 1755 beauftragt, jährlich für 200 Taler Mss. und Bücher zu liefern (Ebert, cf. unten Bibliographie, S. 70). Die in den folgenden Jahren erfolgten Lieferungen umfassen meist Drucke, aber auch 31 Mss., darunter Da 4 (Ebert, op. cit., S. 217 Anm. 119, S. 241). Ebert teilt in der eben genannten Anm. mit, daß die meisten Objekte Brunellis aus der Bibliothek des Canonicus Amedeo zu Bologna stammten.

Frühere Signaturen in Dresden: Elect. 38 e (Perg.-Vorblatt verso oben); Regia D 62 (D und O waren die Bezeichnungen der beiden Schränke mit Hss., die im 19. Jh. im zweiten Zimmer des Japanischen Palais zu Dresden aufbewahrt wurden, cf. Ebert, op. cit., S. 155, S. 338). Die heutige laufende Nummer ist die Zählung des Hss.-Inventars von Ebert (S. 241 ff.)

Reproduktionen und Digitalisate

  • Dresd. Da. 4 (vollständiges Digitalisat der SLUB Dresden)

Bibliographie

Kat.

  • F. A. Ebert, Geschichte und Beschreibung der Kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden, Leipzig 1822, S. 241.
  • F. Schnorr von Carolsfeld, Katalog der Hss. der Kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden, I, Leipzig 1882, S. 283.

Kod.

  • E. Lobel, Mss. Poet. S. 5, 11–12.
  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 418.

Text.

  • I. Vahlen, ed. Poet., 1885/S. X.
  • D. S. Margoliouth, ed. Poet., 1911, S. XV (Sigel M) .
  • E. Lobel, Mss. Poet., S. 18–19, 40–43 (Dresd. steht mit Par. 2938 an der Spitze von Class III, einer der 3 Klassen, die auf A = Par. 1741 zurückgehen; vom Dresd. leiten sich die übrigen 7 Mss. derselben Klasse her) . A. Gudeman, ed. Poet., 1934, S. 29 (Sigel D)
  • D. Harlfinger–D. Reinsch, Aristotelica Par. 1741, S. 42, 43, 50 Anm. 54.
  • R. Kassel, Textgeschichte Rhet., S. 3–4, 21–25 (Dresd. geht über ein verlorenes Zwischenglied auf A = Par. 1741 zurück, wobei eine Reihe von meist trivialen Fehlern dieser Hs. berichtigt sind. Für I 2, 1357 a 17–b 6, wo in A einige Buchstaben am Rand abgeschnitten worden sind, ist der abhängige Dresd. wichtig. Auf ihn gehen Ambr. P 34 sup. und Urb. 47 zurück) .
  • J. Vahlen, Index lectionum der Berliner Universität, Sommer 1875, S. 4sq.
  • J. Tkatsch, Poet., I, 1928; II, 1932 (Sigel D) .
  • A. Gudeman, Textüberlieferung Poet., S. 28, 171sq., 451sqq. (Sigel D. Die Hs. ist kein Apographon von U [= Urb. 47], wie Margoliouth meinte; umgekehrt gehe U nicht auf D zurück, wie Lobel annimmt. Ebensowenig könne D – gegen Vahlen – aus A [= Par. 1741] stammen) .

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 125–126, 467 (Wiesner, Autopsie August 1966; Wiesner, Ergänzungen).