Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Durham Chapter C. 1. 15

Nachweis: Vereinigtes Königreich, Durham, Cathedral Library, Durham Chapter C. 1. 15
Datierung:

15. Jh. 2. H.

Beschreibstoff: Pergament und Papier
Format: 410 × 280 mm
Folienzahl: ff. 218 ( 30 a, 151 a)

Inhalt

  • Organon:
  • (ff. 110) Porphyrios, Isagoge.
  • (ff. 10V28) Cat.
  • (ff. 2837) Int.
  • (ff. 37V97) Anal. Pr. Lücke: I 5, 27 b 26 ὅροι τοῦ μή […] 6, 28 a 29 προτάσεως (freigelassener Raum ff. 41V42 Mitte, Textverlust in der Vorlage).
  • (ff. 97V132V) Anal. Post.
  • (ff. 132V199V) Top. Nach Buch VII ohne Spatium anschließend (f. 189) Alexander, In Top. VIII prooemium (CAG II 2, S. 518, 3–519, 5).
  • (ff. 199V200) Anal. Post. II 19,100 a 13 ἡ δὲ ψυχή – 100 b 17 (ohne Absatz im Anschluß an die Topik).
  • (ff. 200218V) Soph. El.
  • Leer

    f. 189V.

  • Textgeschichtliches

    Die Hs. enthält wie Dunelm. (N. C.) 30; Laur. 72, 18; Par. 2086; Vat. 2173 und Guelf. 24 neben dem vollständigen Text von Anal. Post, eine Wiederholung von deren Schluß nach der Topik. In der gemeinsamen Vorlage war also ein Schlußblatt von Anal. Post, irrtümlich hinter die Topik gelangt. Wie bei den anderen Hss. weichen auch im Dunelmensis der Text der vollständigen Analytik und der Appendix voneinander ab, sind hier jedoch enger verwandt als sonst (einige der für die Appendix charakteristischen Varianten tauchen auch im Haupttext auf: 100 b 3 δή fehlt, 100 b 4 ἡ μέν, 100 b 15 εἴη ἢ ἐπιστήμης).

    Die Vorlage unserer Hs. wies mechanische Beschädigungen auf, wie das wiederholte Auftreten von Lücken mit regelmäßigem Abstand erkennen läßt (Fenster im Bereich von ff. 69V71V, 129133V, 212218). Bei dem Abstand der Fenster (cf. ff. 129V sqq.) und dem Umfang des Textverlustes (Anal. Pr. 15, 27 b 26–6, 28 a 29) spielt jeweils die Textlänge von etwas mehr als einer Bekkerspalte eine Rolle, so daß dies wohl der Textumfang eines Blattes der Vorlage war und der Textverlust dem Verlust von 1 f. entspricht.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Pergament und Papier

Wasserzeichen

  • ff. 268, 74/75, 8188, 9297, 101108, 111113/116 bis 118, 124/125, 131133/136138, 143146, 151151 a/ 156157, 153/154, 160218: Greif, ähnlich Br. 7464 (Udine 1461, mit Varianten Venedig 1461, Rom 1464).
  • ff. 7173/7678, 91/98, 114/115, 121123/126128, 134/135, 141 bis 142/147148, 152/155: nicht identifiziert, ähnlich dem Wz. B aus dem vom gleichen Kopisten geschriebenen Leicester Codex, abgebildet bei Harris, Origin Leicester Codex (cf. Bibliographie), S. 60, wozu Harris, Researches Ferrar Group (cf. Bibliographie), S. 34 Anm. 2 mitteilt: „suspected by Sir E. M. Thompson to be a faintly impressed bull’s head‟.

Format

410 × 280 mm

Folienzahl

ff. 218 ( 30 a, 151 a)

Lagen

Die Lagen des Kodex bestehen jeweils aus einem äußeren Pergamentbifolium und (in der Regel) vier Papierbifolien (= Bl. 2–9): 18 × 10 (178), l × 12 – 1 (189, Bl. 12 fehlt ohne Textverlust), 2 × 10 (209), 1 × 10 1 (218, Bl. 10 fehlt ohne Textverlust).

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden auf dem 1. Recto unten rechts von f. 1 (α) bis 179 (ιθ) vom Kopisten

; ferner wird auf dem 2.–5. Bl. jeweils vermerkt: φύλλον β (γ, δ, ε) τοῦ αου etc. (zuletzt f. 180: φύλλον β τοῦ ιθ).

Reklamanten

Reklamanten waagerecht unten Mitte bis rechts auf dem letzten Verso und den ersten vier Versofolien der neuen Lage (ff. 1V4V, 10V14V etc., zuletzt ff. 209V213V).

Anzahl der Linien

Lin. 36–37

Kopist

〈Emmanuel aus Konstantinopel〉 (James). Der von James durch Vergleich mit dem subskribierten Voss. F 56 (cf. VV.–G., S. 118) identifizierten Hand hatte vorher bereits Harris, Origin Leicester Codex, S. 7–12 und Researches Ferrar Group, S. 25–30 den Dunelmensis neben mehreren Bibelhss., darunter dem berühmten Leicester Codex des Neuen Testaments, zugewiesen.

Titel und Initialen in Violettrot. Die Art der Lagensignierung (α, φύλλον β τοῦ α etc. bis zur Lagenhälfte) entspricht der Praxis in anderen Emmanuel-Hss. (außer in den von Harris, Origin Leicester Codex, S. 12–13,15 und Researches Ferrar Group, S. 27, 31 bereits genannten Mss. auch in den Aristoteles-Hss. Par. 2030 und 2056). Die Anlage des Ms. (Pergament und Papier nebeneinander verwendet) wie im Leicester Codex und im Dunelmensis C. 4. 2 (Platon), wo darüber hinaus jeweils nicht nur das äußerste, sondern auch das innerste Bifolium jeder Lage aus Pergament besteht (cf. Harris, Origin Leicester Codex, S. 13–15 und Researches Ferrar Group, S. 30–31).

Ergänzungen zum Textbestand

Lesarten und Korrekturen vom Kopisten. Mehrfach im Grundtext und am Rand das Korrekturzeichen (zwei Punkte), während die vorgesehene Angabe fehlt.

Einband

Braunes Leder auf Pappe. Fester Rücken mit fünf erhabenen echten Bünden. Deckel größer als Buchblock. Auf dem Vorder- und Hinterdeckel in Goldprägung das Wappen der Durham Cathedral (Schild mit Kreuz; in den von dessen Balken gebildeten vier Feldern steigende Löwen. Um den Schild Palmblatteinfassung), in Blindprägung das Wappen rahmende sowie parallel zu den Rändern verlaufende Fileten. Stirnschnitt: geschwärztes Gold. An den Längsschnittkanten zwei intakte Metallschließen, von vorn nach hinten einzuhängen. Im Vorsatz vorn drei, hinten zwei fliegende Blätter (I–II, I'–II' Papier, III Pergament), leer außer f. I: griech.lat. Pinax von späterer Hand.

Geschichte

Datierung

15. Jh. 2. H.

Provenienz

Sicher in England entstanden. Harris hatte zwar für die ihm bekannten Emmanuel-Hss. die Alternative „either brought from Italy or written by an Italian scribe in England‟ (Researches Ferrar Group, S. 28) eher zugunsten des ersteren entscheiden wollen, weil er die Wz. des Leicester Codex und des Dunelmensis C. 4. 2 nur für NO-Italien belegt fand (Origin Leicester Codex, S. 59–61 und Researches Ferrar Group, S. 32–34). Auf England als Entstehungsort weist nun aber das Faktum, daß Emmanuel für George Neville arbeitete: James vermutet, daß nicht nur der diesem gewidmete Leidensis Voss. F 56, sondern auch die Durham-Hss. C. 1.15 und C. 4. 2 in seinem Auftrag gefertigt wurden (The Scribe …, S. 446–447). Über Neville (1433–1476), der 1458 Bischof von Exeter, 1460 Kanzler von England und 1464 Erzbischof von York wurde, wegen Unterstützung des im Thronstreit unterlegenen Henry VI. 1472 in den Tower kam und im Jahr nach der von Papst Sixtus IV. (als dessen Gesandter kam der als Kopist und Übersetzer bekannte Georgios Hermonymos nach England) betriebenen Befreiung starb, cf. The Dictionary of National Biography, XIV, S. 252–257; P. S. Allen, Bishop Shirwood of Durham and his library, in: The English Historical Review 25, 1910, S. 445–456, dort S. 446; H. Omont, Notice sur Georges Hermonyme, in: Mémoires de la Société de l’Histoire de Paris 12, 1885, S. 65–68, dort S. 67. Seine Annahme, daß Neville die Durham-Hss. in Auftrag gab, begründet James a. a. O. mit dessen Interesse für die klassischen Studien und der Dauer der Tätigkeit des Emmanuel für ihn bis zu seiner Gefangenschaft, wo „som that ar greete klerkys and famous doctors of hys goo now ageyn to Cambrygge to scoolle‟ (Zitat aus einem Brief von John Paston vom 30. 4. 1472 bei James S. 446 und Allen a. a. O. S. 447). Daß Emmanuel unter diesen war, stützt James dadurch, daß eine der von seiner Hand in Cambridge existierenden Hss. den alten Einband des dortigen Franziskanerhauses (Convent of the Grey Friars) hat, also dort geschrieben sei (Psalter, heute Gonville and Caius College 348); diesen Konvent als Scriptorium der Emmanuel-Hss. hatte auch schon Harris, Researches Ferrar Group, S. 28 erwogen. Im ganzen ist eine Auftragsarbeit für Neville vor 1472 gut möglich (cf. die Wasserzeichen), ein späteres Entstehen an einer weiteren Wirkungsstätte Emmanuels, wie Cambridge, aber nicht ganz ausgeschlossen.

Über Emmanuel aus Konstantinopel vgl. H. L. Gray, Greek Visitors to England in 1455–6, in: Anniversary Essays by Students of Charles Homer Haskins, Boston 1929, S. 81–116, dort S. 107.

R. Weiss, Humanism in England, Oxford 1941 (21957), S. 137 Anm. 8, S. 142–145, 147, 151, 154–155, 158, 174, 181.

R. Weiss, The Private Collector and the Revival of Greek Learning, in: F. Wormald–C. E. Wright, The English Library before 1700, London 1958, S. 129 sq.

C. E. & R. Wright, Diary Humfrey Wanley, S. 227 Anm. 3.

Über George Neville vgl. R. Weiss, Humanism (wie oben), S. 91, 118, 141–146, 148–152, 161, 173.

R. Weiss, The Private Collector, S. 121, 128sq.

Zur Kathedralbibliothek Durham allgemein: F. Milkau–G. Leyh, Handbuch der Bibliothekswissenschaft, III 1, Wiesbaden 1955, S. 433 mit Anm. 4; III 2, 1957, S. 637 Anm. 3, 639sq.

Die Monographie von H. D. Hughes, History of Durham Cathedral Library, Durham 1925, ist mir hier bisher leider unzugänglich.

Terminus ante quem für den Eintritt des Ms. in die Kathedralbibliothek von Durham (Vermerk f. 1 oben: „Liber Ecclesiae Cathedralis Dunelm.‟) ist 1697, wo es in CMA Vol. II, Part I, S. 6 für diesen Standort erwähnt ist: „112. 47 Organon, Graece. Fol.‟.

Im 17. Jh. ist der Text der Hs. mit der Ausgabe des Casaubonus verglichen worden. Vermerk f. 189, wo nach Buch VII der Topik ohne Spatium Alexanders Prooemium zu Top. VIII anschließt: „Finis Lib: 7 Topicorum secundum Edit: Casauboni. Aureliae Allobrogum 1605‟. f. 199V, wo auf den Schluß der Topik die Appendix folgt: „Finis libri 8 Topicorum ut est in Edit: Casaboni‟ (sic). Von derselben Hand einige lat. Lemmata (ff. 4V, 6 etc.).

Bibliographie

Kat.

  • Codicum Manuscriptorum Ecclesiae Cathedralis Dunelmensis catalogus classicus, descriptus a Thoma Rud, Dunelmiae 1825, S. 261–262.
  • H. Schenkl, Bibliotheca patrum latinorum Britannica, in: Sitz.Ber. Akad. Wiss. Wien, Phil.hist. Kl., Vol. 139, 9, 1898, unter Nr. 4464 (falsche Signatur C. 1. 5. Nur summarisch erwähnt) .

Kod.

  • J. R. Harris, The Origin of the Leicester Codex, 1887, S. 60. J. R.
  • Harris, Further Researches into the History of the Ferrar Group, 1900, S. 29–32. M. R. James, The Scribe of the Leicester Codex, in: Journ. Theol. Stud. 5,1904, S. 445–447.
  • M. R. James, Greek Mss. in England before the Renaissance, in: Library IV, Ser. 7, 1927, S. 337–353, dort S. 351–352.
  • R. Weiss, Humanism (vgl. oben) , S. 145 Anm. 3. R. Weiss, The Private Collector, S. 129.

Faks.

  • J. R. Harris, Researches Ferrar Group (cf. oben) , Taf. 2.

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 130–132 (Wiesner, Autopsie Juni 1969 (mit Ergänzungen)).