Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Durham NC Gr. Ms. 30

Nachweis: USA, Durham, NC, Duke University, Perkins Library, Durham NC Gr. 30
Datierung:

15.–16. Jh.

Beschreibstoff: Papier
Format: 275 × 195 mm
Folienzahl: ff. II, 209, I'

Inhalt

  • Organon:
  • (ff. 19V) Porphyrios, Isagoge.
  • (ff. 9V25V) Cat.
  • (ff. 25V34V) Int.
  • (ff. 34V85) Anal. Pr.
  • (ff. 86119) Anal. Post.
  • (ff. 122187V) Top. Nach dem letzten Satz der Topik (f. 187 Mitte) hat der Kopist ohne Unterbrechung den Schlußteil von Anal. Post. II, ab 19, 100 a 13 ἡ δὲ ψυχή abgeschrieben. Vgl. unten Textgeschichtliches.
  • (ff. 187V208V) Soph. El.
  • Leer

    ff. 85V, 119V121V, 209 R V.

  • Textgeschichtliches

    Die Gruppe, zu der unser Ms. gehört, geht auf eine Hs. zurück, in der die letzte Seite der Anal. Post, versehentlich hinter die Topik geraten war. Dies geschah wahrscheinlich nachdem die Lagen dieses Exemplars, die die Anal. Post, enthielten, absichtlich herausgerissen worden oder irgendwie anders verlorengegangen waren, wobei nur das letzte Blatt gerettet wurde und an eine falsche Stelle geriet. Genau dieselbe Appendix zur Topik begegnet in Vat. 2173, Par. 2086, Dunelm. (Durham G. B.) C. 1. 15, Guelf. 24 und Laur. 72, 18. Als der erste Kopist unseres Ms., Damiano Guidotto, merkte, daß die Anal. Post, in seiner Vorlage des Organon fehlten, beauftragte er einen Mitarbeiter, diesen Text nach einer anderen Vorlage abzuschreiben; sicher ist auf jeden Fall, daß der vollständige Text der Anal. Post, in unserem Ms. auf eine andere Vorlage zurückgeht als die Appendix und auch von einem anderen Kopisten geschrieben wurde. Der im letzten Viertel des 15. Jh. geschriebene Vat. 2173 hat in der Appendix alle charakteristischen Lesarten der Appendix unseres Ms.; beide stammen wohl aus derselben Vorlage.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • Armbrust im Kreis, Typ Br. 739750 (Venedig und Norditalien 1469–1563).
  • ff. 179, 122129: Variante I (relativ stark divergierendes Formenpaar), entfernt ähnlich Br. 739 (Palermo 1470, Venedig 1476 bis 1496, Norditalien und Österreich bis 1500), fast identisch Ha., arbalète 37 (Udine 1497).
  • ff. 8085, 130209: Variante II.
  • ff. 86121: Variante III, sehr ähnlich Br. 746 (Italien und Wien 1469–1503), ähnlich Ha., arbalète 31 Paris 1484, Neapel 1484).

Format

275 × 195 mm

Folienzahl

ff. II, 209, I'

Foliierung

Von einer Hand des 16. Jh. jeweils oben links, f. 97V: 100. f. 198V: 200. f. 208V: folia 212. Moderne Foliierung mit Bleistift oben rechts.

Lagen

10 × 8 (II, 179), 1 × 6 (85), 4 × 8 (117), 1 × 4 (121), 11 × 8 (209).

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden von β (f. 8) – ια (f. 80) auf dem ersten Recto unten Mitte. In den folgenden Lagen hat eine moderne Hand die Kustoden ιβ–κϛ auf Rectoseiten unten Mitte mit Bleistift ergänzt, ohne jedoch den wirklichen Umfang der Lagen zu berücksichtigen.

Anzahl der Linien

Lin. 30 (außer ff. 86119: 31)

Kopist

A. ff. 185, 122208V: Damiano Guidotto aus Venedig (Subskription f. 208V τέλος· τοῦ δαμιάνου τοῦ γιδότου γεγραφότος· σὺν θεῶ). Liniierung Lake I, 1 a, außer daß die waagerechten Linien nicht bis zu den vertikalen durchgezogen wurden. Titel von Porphyrios’ Isagoge (f. 1) und Cat. (f. 9V) ausgespart. Weder Titel noch Zwischenräume dafür bei Int. (f. 25V) und Anal. Pr. (f. 34V). Paragrapheninitialen ausgespart, statt dessen Punkte. Besondere Überschriften für die Abschnitte von Anal. Pr. und die einzelnen Bücher der Topik. Über Damiano Guidotto, der um 1500 wirkte, vgl. V.–G., S. 438. S. A. Ives, Corrigenda et Addenda to the Description of the Plimpton Manuscripts as recorded in the De Ricci Census, in: Speculum 17, 1942, S. 33–49, dort S. 34, Nr. 3 und S. 36, Nr. 16. M. E. Cosenza, Ital. Humanists II, 1962, S. 1740 und V, 1962, S. 231. Alle von Guidotto geschriebenen Mss. stammen aus dem Kloster S. Francesco della Vigna in Venedig. Drei kaufte Robert Curzon i. J. 1834 (jetzt Brit. Mus. Add. 39614, 39615, 39616). Vier andere befanden sich in der Sammlung von Walter Sneyd (Versteigerung von Sotheby am16. 12. 1903, Nr. 48, 59, 379, 750. Nr. 379 = jetzt New York, Columbia Univ., Plimpton 3, Homer, Ilias und Odyssee). New York, Columbia Univ., Plimpton 16 (beschrieben unten Bd. II) weist nur einige Marginalien von der Hand Guidottos auf. Auch die Par. 2941 und 2942 sind von seiner Hand.

B. ff. 86119: Westliche Hand. Keine Liniierung sichtbar. Titel von Anal. Post. I (f. 86) und II (f. 107V) ausgespart. Außer den Anfangsbuchstaben von Anal. Post. I und II fehlen keine Initialen. Von diesem nicht namentlich identifizierten Kopisten, der offenbar für Guidotto arbeitete, stammt auch New York, Columbia Univ., Plimpton 16 (S. A. Ives, op. cit., S. 36 schreibt dieses Ms. zu Unrecht dem Guidotto zu).

Einband

Modern, vielleicht Nachahmung des älteren Einbandes. Dunkelbraunes Leder. Fester gerundeter Rücken mit (alternierend) 4 einfachen und 3 doppelten erhabenen Bünden. Rote Schnitte. Auf den Deckeln zwei konzentrische rechteckige Rahmen von blinden Fileten; im inneren Rechteck eine Raute von blinden Fileten; zwischen den beiden Fileten des inneren Rechtecks sowie denen der Raute blinde Stempel (Geflechtmotiv). Das Ms. wurde während der Bombenangriffe auf England im J. 1940 beschädigt; die ersten und letzten Folien des Buchblocks zeigen leichte Wasserschäden an der Rückseite; der heutige Einband, der unversehrt ist, wurde wahrscheinlich danach gemacht; er war schon vorhanden, als das Ms. im J. 1965 von der Duke University gekauft wurde (Hinweis von Mr. John L. Sharpe III, Curator of Rare Books in der Perkins Library).

Geschichte

Datierung

15.–16. Jh.

Provenienz

f. 208V Pinax von der Hand des Guidotto, führt auch die Anal. Post. auf. Das Ms. gehörte im 16. Jh. dem Kloster S. Francesco della Vigna in Venedig (f. 1 Organum Aristotelis: – Locj S. francisci a Vinea. f. 208V P(er)tinet ad locum s. francisci a Vinea Venetiae). Gelangte dann (vielleicht aus der 1834 bis 1835 in London verkauften Canonici-Sammlung) in den Besitz des Holland House in London, dessen Ex libris sich noch im Ms. befand, als dieses von Allan G. Thomas zum Kauf angeboten wurde (vgl. die Photokopie der Beschreibung aus seinem Katalog, die sich jetzt im Ms. befindet). Über Holland House vgl. Marie Liechtenstein, Holland House2, London 1874. O. v. Schleinitz, in: Zeitschr. f. Bücherfreunde 3, 1899, S. 24–35. G. A. E. Bogeng, Die großen Bibliophilen, Leipzig 1922, I, S. 462–463; III, S. 227. K. Löffler und J. Kirchner, Lexikon des gesamten Buchwesens, I, 1935, S. 18. Das Ms., das 1940 beschädigt worden war (vgl. oben Einband), wurde 1964/5 von Allan G. Thomas, 7 A Wimborne Rd., Bournemouth, G. B., an die Perkins Library für $ 1120 verkauft.

Reproduktionen und Digitalisate

Bibliographie

Kod.

  • M. Liechtenstein, Holland House2, London 1874, II, S. 197 (unter den Hss. der Holland House-Bibliothek befand sich „Aristotle’s Organum. A Manuscript in Greek, possibly of the fifteenth Century‟) .
  • O. v. Schleinitz, Aus dem Archiv und der Bibliothek von Holland House, in: Zeitschrift für Bücherfreunde 3, 1899, S. 24–35, dort S. 32 b („Von Manuskripten sind weiter hervorzuheben: Organum, Aristoteles, eine griechische Handschrift aus dem XIV. Jahrhundert‟) .

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 133–135 (Moraux, Autopsie April 1969).