Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Esc. Σ. III. 19

Nachweis: Spanien, Escorial, Real Biblioteca de El Escorial, Esc. Σ. III. 19
Datierung:

15. Jh. 4. Viertel

Beschreibstoff: Papier
Format: 264 × 194 mm
Folienzahl: ff. II, 237 (+ 89a), IV'

Inhalt

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • ff. I, II, III', I V ': Buchstabe F im Kreis, sehr ähnlich Br. 8154 (Brüssel 1559, mit Varianten u. a. Deutschland 1562–93, Posen 1567–84, Cateau–Cambrésis 1568).
  • ff. 165: Armbrust im Kreis, Typ Br. 746 (Lucca 1469–73, mit Varianten Italien 1469–1503, Memmingen 1491, Wien 1498–1503), = Ha., arbalète 31 (1484).
  • ff. 6694, 135237: Hand mit 6zackigem Stern, entfernt ähnlich Br. 10713 (Grasse 1485, mit Variante Genua 1488/89).
  • ff. 95134: Hand mit 6zackigem Stern und Zeichen in der Manchette, Br. ohne Beleg, sehr ähnlich Ha., main 11 (Kreta 〈± 1490〉, = Wz. im Esc. Φ. II. 9 (Georgios Pachymeres, Aristoteles-Paraphrase), ff. 33 sqq. (Kreta 1489), = Wz. im Berol. Phill. 1589, fast identisch S 10743, in: Scriptorium 7, 1953, S. 296 (Kreta 1489, aus dem Brux. 18170–73).
  • ff. I', II' und beide Spiegel: Hut mit Kreuz und Gegenzeichen H–B mit Blume, Typ Br. 3486 (Italien 1553–58) und Br. 3488 (Vicenza 1565).

Format

264 × 194 mm

Folienzahl

ff. II, 237 (+ 89a), IV'

Lagen

8 × 8 (64), 1 × 1 (65), 17 × 10 (234), 1 × 4 - 1 (237, Bl. 4 fehlt).

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden vom jeweiligen Kopisten (durch Randbeschneidung oft überhaupt nicht mehr oder nur in Resten erhalten): 1) α (f. 1)–θ (f. 65) auf dem ersten Recto unten rechts, 2) 〈α〉 (f. 66), β (f. 76)–ϛ (f. 124V) auf dem ersten Recto und letzten Verso meist unten rechts (nur f. 76 u. Mitte und f. 94V u. links); danach keine Signierung mehr vorhanden.

Anzahl der Linien

Lin. 30 (ff. 165), 34, 35 (ff. 66237)

Kopist

A. ff. 165V: 〈Demetrios Moschos〉.

B. ff. 66237: Die Hand hat gewisse Ähnlichkeit mit der des Kaisar Strategos. (K. schrieb denselben Text in Par. 1832 [Fragment auf ff. 37–46v]; vgl. Speranzi 2008, 228–229.)

Die Fremdmarginalien stammen von einem Griechen des 15. Jh. E.–16. Jh. A. (z. B. ff. 100V, 105V, 106, 110V, 114 etc.) und von einem Lateiner (?) des 16. Jh. (?) (spärlich und kurz z. B. ff. 66V, 67V, 68).

Titel, Initialen, Zierwerk (f. 1) u. a. m. in Rot.

Ergänzungen zum Textbestand

Der Philoponos-Text mit Marginalien vom Kopisten und 2 weiteren Händen.

Einband

Spezial-Einband, angefertigt für Philipp II. und die Escorial-Bibliothek. Schwarzes Leder auf Holz. Blindpressung: 1 Außenrahmen aus 5fachen, 1 Innenrahmen aus 3fachen Linien. An den 4 Außenecken des Innenfeldes wie auch in den Rückenfeldern je ein kleiner vergoldeter Ornamentstempel. In Goldpressung auf dem Vorderdeckel das Wappen Philipps II., auf dem hinteren Deckel in einem Medaillon S. Lorenzo, oval umschlungen von der Legende E Flammis Ad Sidera. Rücken fest mit 5 erhabenen Doppelbünden. Nachträglicher Roststempel des Escorial im Innenfeld des vorderen und des hinteren Deckels.

Als Herkunftsort des Einbände setzt Ch. Graux, Escurial, S. 150, Salamanca an, während A. Revilla, S. XXVII, XXXVI, 272, mit G. Antolín, Catàlogo de los códices latinos de la Real Biblioteca del Escorial,V, Madrid 1923, S. 39–40 für Flandern plädiert, wo Arias Montano zwischen 1568 und 1572 Handschriften für die Bibliothek des Escorial beschaffte und binden ließ.

Schnitt vergoldet, darauf: 19. H. ΑΡΙΣΤΟΤ. + L. 15.

Geschichte

Datierung

15. Jh. 4. Viertel

Provenienz

Die Hs. besteht aus 2 heterogenen Teilen (a: ff. 165, b: ff. 66237), und zwar nicht nur inhaltlich, sondern auch kodikologisch: verschiedene Schreiber, Papiersorten (vgl. Wasserzeichen), Tinte (a: pechschwarz, b: schwarzgrau), Liniierung (a: Lake ohne Beleg, b: ähnlich Lake I, 26 a), Schriftspiegel (a: mm 210 × 125, b: mm 200 × 133), Zeilenzahl und separate Lagensignierungen. Der Teil b könnte vielleicht, nach dem verwendeten Papier zu urteilen, um 1489 im kretischen Scriptorium des Michael Apostolios und seiner Mitarbeiter entstanden sein: Von den in der Rubrik Wasserzeichen genannten Hss. desselben Papiers wurde der Esc. Φ. II. 9 von Antonios Damilas 1489 auf Kreta subskribiert, im selben Jahr am selben Ort entstand der Brux. 18170–73 (vgl. M. Wittek, Pour une étude du scriptorium de Michel Apostolès et consorts, in: Scriptorium 7, 1953, S. 290–297, dort S. 296) des Kopisten Aristobulos Apostolides, dem auch der genannte Berol. Phill. 1589 zuzuweisen ist. Auch der Vat. 1311 (daraus main 11 bei Ha.) stammt aus Kreta, Kopisten: Aristobulos und 〈Antonios Damilas〉.

Der Band gehörte zu den frühesten Erwerbungen des Escorial (vgl. Rubrik Einband) und wurde wahrscheinlich von Arias Montano für die Bibliothek zwischen 1568 und 1572 in Flandern oder Paris aufgekauft (vgl. oben S. 140/1).

f. 1 unten eine auf 3 Zeilen verteilte, jetzt ausgekratzte Notiz, von der sich die Zahl 86(?) als erste Zeile (vielleicht von anderer Hand als die folgenden Zeilen) entziffern läßt.

Nach Speranzi 2008 stammt Esc. ursprünglich aus dem Kontingent der von Ianos Laskaris für Lorenzo di Medici besorgten griechischen Kodizes. Die Zahl „86“ auf f. 1 korrespondiert mit dem Topik-Teil der Handschrift im Inventar der Bibliothek des Kardinal Domenico Grimani, in welche das Ms. im Jahr 1498 mit der Bibliothek des Pico della Mirandola gelangte; der Philoponos-Teil entspricht Nr. 87 im Inventar – beide nachmals verbundenen Mss. waren in der Bibliothek Grimanis (und wahrscheinlich zuvor in der Picos) zusammen (Speranzi 2008, 222–224).

Alte Signaturen, Inhaltsverzeichnisse und Sonstiges: Spiegel oben links: Η. Αριστοτ. φιλοπο. L/19, f. I: H +./Arist/III. I. 21 (gestrichen)/143/lateinische Inhaltsangabe von 〈Antonio Graciàn〉 (A. Revilla), f. II: III. I. 21 (gestrichen), griechische Inhaltsangabe von 〈Nicolas de la Torre〉 (A. Revilla), f. 1 oben: III. I. 21 (gestrichen)/II. Δ. 15 (gestrichen).

Bibliographie

Kat.

  • E. Miller, S. 103.
  • A. Revilla, S. XXXVI Anm. 1, 387–389 Nr. 118.

Kod.

  • Ch. Graux, Escurial, S. 152, 500.
  • R. Beer, Hss. Schenkung Philipp II., S. XX, LXXXIII (143, 3).
  • R. Beer, Niederländische Büchererwerbungen des B. Arias Montano, S. X.
  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 415, 416.
  • Ha., Indizes.
  • D. Speranzi, Il filopono ritrovato. Un codice mediceo riscoperto a San Lorenzo dell’Escorial, Italia medioevale e umanistica 49, 2008, S. 199–231 (S. 213–217: ff. 66–237 Kopist Kaisar Strategos; 217–219: Korrekturen, Marginalien, Kustoden von Ianos Laskaris; 220–222: evtl. Marginalien von Pico della Miranodola).

Text.

    Ioannes Philoponos

    • ed. H. Rabe, Lipsiae 1899, S. VIII–IX.
    • W. Böhm, Johannes Philoponos Grammatikos von Alexandrien …, München etc. 1967, S. 462.

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 159-161 (Harlfinger, Autopsie April 1967).