Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Laur. 72,10

Nachweis: Italien, Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plutei, Laur. 72,10
Datierung:

13. Jh. (außer ff. 201V203V, 206210V, 217224V: um 1330 und ff. 17V, 36V, 197RV, 204205V, 211216V, 225237V: 16. Jh.)

Beschreibstoff: Bombyzin (außer ff. 17, 36, 197, 203238: Papier)
Format: 277 × 177 mm
Folienzahl: ff. I, 238 (197 a), I'

Inhalt

  • (ff. 133V) Cat. Kap. 7 (6a 36–8b 24) steht hinter 11a 38 zwischen Kap. 8 und 9.
    Mit Scholien, Interlinearien, Schemata und Diagrammen von Hand A und Hand B. Scholien zum Teil identisch mit Auszügen aus 〈Ammonios〉, In Cat. comm. (CAG IV 4), z. B. f. 12V von Hand A = CAG IV 4, S. 92, 6 sqq. oder f. 21 von Hand B = CAG IV 4, S. 92, 12 sqq.
  • (ff. 33V34) Über die Kategorien, inc. Τῶν ὄντων τὰ μὲν αὐτὰ καθ᾿ αὑτά εἰσι καὶ αὐθυπόστατα ὡς ἡ οὐσία, des. καὶ τὸ πάσχον οὐσία ἐστὶ μεταβαλλομενη εἴς τι.
  • (ff. 3435V) Schemata und Scholien von Hand A, hauptsächlich zu den Protaseis; zuletzt die Bemerkung (in Rot): ὁ φιλόσοφος ἐνταῦθα διαιρετικῇ μεθόδῳ ἐχρήσατο· εἰπὼν γὰρ πρῶτον δεῖ θέσθαι τὸ διαιρετικὸν ἐσήμανεν ἰδίωμα.
  • (ff. 36V237V) Anal. Pr. Mit Scholien, Interlinearien, Schemata und Diagrammen von Hand A (nur bis f. 154V) und Hand B, mit Diagrammen im Teil von Hand C. Scholien zum Teil identisch mit Auszügen aus 〈Ioannes Philoponos〉, In Anal. Pr. comm. (CAG XIII 2), z. B. f. 65RV von Hand A = CAG XIII 2, S. 126, 3 sqq., sowie mit Kommentarstücken des 〈Ioannes Pediasimos〉 im Par. Coisl. 323, z. B. f. 37 = Coisl. f. 59V oder f. 201V = Coisl. f. 118, von Hand B.
  • Leer

    ff. 36, 238RV.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Bombyzin (außer ff. 17, 36, 197, 203238: Papier)

Wasserzeichen

  • ff. I, I': Armbrust im Kreis, entfernt ähnlich Br. 745 (Villach 1535) und Br. 747 (Lucca 1487).
  • ff. 17, 211216, 225238: Krone mit Stern (verschiedene Schöpfsiebe), entfernt ähnlich Br. 4835 (Prag 1561, mit Varianten Italien 1565-1577), Pi. ohne Beleg.
  • f. 197: Wappen mit Einhorn (fast identisch Wz. im Laur. 72, 19, ff. 60 - 65), ähnlich Br. 1883 (Florenz 1529), ähnlich Zo. 1771 (Fabriano 1589).
  • ff. 206210, 217224: Horn, Br. ohne Beleg, sehr ähnlich M.–T. 4828 (Sion 1329, mit Variante Valais 1329).

Format

277 × 177 mm

Folienzahl

ff. I, 238 (197 a), I'

Lagen

1 × 8 – 1 (7, Bl. 1 fehlt), 1 × 10 – 2 (15, Bl. 1 und 2 fehlen), 2 × 10 (35), 1 × 1 (36), 9 × 10 (126), 1 × 10 – 1 (135, Bl. 9 fehlt ohne Textverlust), 6 × 10 (195), 1 × 10 – 2 (?) (202, Bl. 9 und 10 fehlen; Bl. 2 ist junge Ergänzung), 1 × 8 (?) (210, Bl. 2 und 3 sind junge Ergänzungen): die beiden letzteren Lagen sind jetzt im Ms. als 1 × 10 und 1 × 6 geheftet, 1 × 6 (216), 1 × 8 (224), 1 × 6 (230), 1 × 8 (238).

Lagensignierung

Keine Kustoden.

Reklamanten

Reklamanten unten rechts senkrecht von Hand C ff. 7V, 197V, 205V, 216V, 230V.

Anzahl der Linien

Lin. 30 (ff. 16V), 28 (f. 7RV), 18–21 (ff. 833), 12–15 und (bisweilen wesentlich) weniger (ff. 33V bis 201, außer f. 36V), 21–25 (ff. 201V203V, 206210V, 217224V), 25 (ff. 211216V, 225237)

Liniierung

Im alten Bestand der Hs. zum Teil einfacher, zum Teil doppelter Rahmen mit einer zusätzlichen Waagerechten oberhalb der unteren Begrenzung(en). Eine Senkrechte teilt das Gesamtfeld in 2 Kolumnen, von denen nur die jeweils linke den Grundtext trägt.

Kopist

A (13. Jh.): ff. 8 (ab Cat. 8, 9b 22 συστάσει) – 35, 37 (ab Anal. Pr. II, 24b 12 τοπικοῖς) – 196V (bis I 46, 52a 4 ὑπάρξει), 197a (ab I 46, 52a 18 ὧν τοῖς μὲν) – 201 (I Ende). Titel, Initialen, zum Teil auch Marginalien und Interlinearien in Rot-Braun.

B (um 1330): ff. 201V (Anal. Pr. II Anfang) – 203V (bis II 2, 53b 39 οὔτε ἄνθρωπος), 206 (ab II 2, 54b 27 ὁμοίως) – 210V (bis II 4, 56b 37 λευκῷ), 217 (ab II 9, 60a 30 ὥστε) – 224V (bis II 14, 63b 4 ὑπάρχειν), sowie Scholien im Teil des Kopisten A.

C. ff. 17V, 36V, 197RV, 204205V, 211216V, 225237V: 〈Camillus Venetus〉 für die Medici. Titel und Initialen in Rot (-Braun).

Ergänzungen zum Textbestand

f. 88 unten Tabellen von einer Fremdhand des 14. Jh.

Einband

Der übliche Einband der Medici-Bibliothek; Rücken restauriert (1968). Vor f. I und hinter f. I' moderne fliegende Blätter mit Buchstaben CM als Wasserzeichen.

Erhaltungszustand

Die Hs. ist im ausgehenden 15. Jh. durch Gegenkleben von Papierstücken, insbesondere im Falz und an den Außenrändern, restauriert worden; Wasserzeichenreste: f. 25: Teil eines Adlers, f. 108: Teil eines Ankers im Kreis, ff. 183, 190: Teile eines Hufeisens, sämtlich Br. ohne Beleg. Das Papierformat der von den Kopisten B und C geschriebenen Teile ist durch Ankleben eines Papierstreifens am unteren Rand an die Höhe des alten Bombyzinteils der Hs. angeglichen worden.

Geschichte

Datierung

13. Jh. (außer ff. 201V203V, 206210V, 217224V: um 1330 und ff. 17V, 36V, 197RV, 204205V, 211216V, 225237V: 16. Jh.)

Ursprünglicher Zustand

Die Hs. umfaßte in ihrem ältesten Bestand (Kopist A) mindestens Cat., Int. und Anal. Pr. I. Ob sich auch Anal. Pr. II von Anfang an anschloß, bleibt unsicher; die Tatsache, daß ff. 201V202V ursprünglich leer waren und daß f. 202V wesentlich stärker verschmutzt und abgegriffen ist als die unmittelbar vorangehenden und nachfolgenden Seiten, spricht eher dagegen. Jedenfalls wurde Anal. Pr. II einige Jahrzehnte später hinzugefügt (Kopist B).

Daß die Hs. neben dem Grundtext auch für die Aufnahme von vollständigen parallellaufenden Kommentaren bestimmt war, geht aus dem auffälligen Schriftspiegel (vgl. oben Liniierung) hervor. Die betreffenden Kommentare waren zusammen mit dem Grundtext bereits im Antigraphon des Kopisten A vorhanden. Denn die von Seite zu Seite vor allem bei Anal. Pr. I ständig veränderte äußere Anlage des Grundtextes sowohl hinsichtlich des Textumfangs (stark schwankende Zeilenzahlen) als auch hinsichtlich der Position des Textblocks auf Recto oder Verso (bald im oberen, bald im mittleren, bald im unteren Teil der Seite) läßt sich nur dadurch erklären, daß Kopist A sich genau am äußeren Bild des Verhältnisses von Grundtext zu Kommentar in seinem Modell orientierte. Zu dem geplanten Nachtragen der jeweiligen Kommentare kam es nicht; statt dessen finden sich auf dem Freiraum bisweilen Schemata und Einzelscholien sowohl von Kopist A (teilweise auch schräg und senkrecht angelegt) als auch von Kopist B.

Nach der Tätigkeit des Kopisten B erlitt die Hs. erhebliche Beschädigungen. Diesen fielen folgende Ms.-Teile zum Opfer – die Blattzahl läßt sich unter Berücksichtigung der sonstigen Schriftdichte (25 Bekkerzeilen und weniger pro Blatt für Kopist A, ca. 35 für B; Quinionen bei A, Quaternionen bei B) ziemlich genau errechnen: die beiden ersten Quinionen sowie wahrscheinlich die beiden ersten Folien des dritten Quinios mit Cat. bis 8, 9b 22, 3 Quinionen zwischen f. 35 und f. 37 mit Int. vollständig – auch die Notizen auf ff. 3435V weisen deutlich auf das ursprüngliche Vorhandensein von Int. – und mit den ersten 23 Bekkerzeilen von Anal. Pr. I bis 1, 24b 12, Blatt 2 der ab f. 196 beginnenden Lage mit Anal. Pr. II 46, 52a 4–52a 18, Blätter 2 und 3 des ab f. 203 beginnenden Quaternios mit Anal. Pr. II 2, 53b 39–54b 27, 1 Quaternio zwischen f. 210 und f. 217 mit Anal. Pr. II 4, 56b 37–9, 60a 30 und die restlichen 2 Quaternionen hinter f. 224 mit Anal. Pr. II 14, 63b 4 – Buchende.

Im 16. Jh. wurden die fehlenden Partien von Cat. und Anal. Pr. von Hand C ergänzt, nicht jedoch der vollständig ausgefallene Traktat Int. Hierbei ist textgeschichtlich bemerkenswert, daß Kap. 7 von Cat., welches vom Kopisten A geschrieben sich zwischen Kap. 8 und 9 befindet (ff. 1321), im ergänzten Teil zwischen Kap. 6 und 8 (f. 6V) fehlt. Man wird an Absicht oder an eine mit dem ursprünglichen Ms. (Kopist A) stemmatisch verwandte Vorlage für Kopist C denken.

Reproduktionen und Digitalisate

  • Laur. 72, 10 (Vollständiges Digitalisat der Biblioteca Laurenziana)

Bibliographie

Kat.

  • A. M. Bandini, III, Sp. 32.

Kod.

  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 410.

Text.

  • Th. Waitz, ed. Organon, I, 1844, S. 7.

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 241–244 (Harlfinger, Autopsie Juli 1970).