Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Laur. 72,14

Nachweis: Italien, Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plutei, Laur. 72,14
Datierung:

13. Jh. E.

Beschreibstoff: Pergament
Format: 154 × 132 mm
Folienzahl: ff. II, 75, II'

Inhalt

  • Obere Schrift eines Palimpsestes. Der Text der Hs. ist aus äußeren Gründen zum Teil sehr schwer zu entziffern.
  • (ff. 13V, 535, 5568V, 7071V) Ammonios, In Cat. comm. (CAG IV 4), des. τὸ τετράγωνον τοῦτο (vgl. Apparat zu S. 106, 1–7). Lücke: S. 5, 2 πρακτικὸν […] καὶ πανταχοῦ S. 13, 24 (= Verlust von 4 ff. nach f. 2V); f. 3V oben bricht der Text ab mit S. 15, 2 Apparat φιλοσοφίας; er wurde vermutlich auf dem Quaternio vor f. 5 fortgesetzt, der jetzt verloren ist; daher Lücke: S. 15, 2 Apparat φιλοσοφίας […] τοῦτο ἀντιστρέφει S. 27, 14. Mit dem Ende der Rectoseite von f. 35 bricht der Kommentar mitten im Text bei S. 70, 20 εἰ οὖν ἐστιν [… zunächst ab und wird f. 55 wiederaufgenommen (noch einmal mit Lemmabeginn S. 70, 15).
  • Mit dem Kommentartext alternierend (ff. 6V25V, 35V53V) Cat., inc. mut. 2, 1 b 3 …] τὰ δὲ (=Verlust des Quaternio vor f. 5). Das Alternieren von Grundtext und Kommentar nur ff. 525V und wohl auf der verlorenen Lage vor f. 5 in der üblichen Häufigkeit, sonst jeweils fortlaufender Text: für Cat. 6, 5 a 15 – Ende auf ff. 35V53 und für Ammonios S. 54, 2–70, 20 auf ff. 25V35 und S. 70, 15 – Ende auf ff. 5571V.
  • (ff. 3V4V) Gedicht in Zwölfsilbern (2 Verse jeweils nebeneinander), inc. οὐρανὲ συστέναζε συνδάκρυέ μοι/σύμπασχε συνοίμωζε κτλ., des. συγγνώθι μοι/λεγόντι καὶ γραψάντι δύναμ …
  • (f. 4V) Grammatikalische Notizen (Rektion der Verben), inc. τὰ κατ᾿ ἐπικράτειαν λεγόμενα γενικ(ῇ) συντάσσεται οἶον βασιλεύω σου.
  • (f. 53V) Erotapokriseis zu ἡδονή, φόβος, ὄκνος, μνήμη, περίφραση κτλ., inc. τί ἐστιν ἡδονή, des. τὸν δὲ νοῦν τὸν αὐτὸν φυλάττειν.
  • (ff. 54, 53V unten) Brief (?), inc. τὰ γένη χηνῶν τῷ στόματι λίθον προσφέρουσι (s. lin. ἐμβάλλουσι), des. καὶ ἡ χεὶρ περαιτέρω γράφειν οὐ προθυμεῖ. Unterhalb des desinit eine abgeriebene (Titel- [?])Zeile: τῷ λυπρ̣ιώτῃ (?) χαριτ (bzw. χριστ)ωνύμῳ θυτ ταῦτ(α) χ με̣ρ π αραταιώτ δροσ (Drosos ?, vgl. f. 73V).
  • (f. 54V) Ioannes Damaskenos, Expositio fidei, Exzerpt aus cap. 23 (Kotter, S. 65, 30–66, 48 = PG 94, Sp. 904 A 12–C 11, etwas gekürzt); darunter τοῦ αὐτοῦ: ἐγὼ ἐστερέωσα τοὺς στύλους αὐτῆς: στύλ(οι) τῆς γῆς, ἡ συνεκτικὴ αὐτῆς δύναμις (vgl. Expositio fidei, cap. 24, S. 67, 9–11 = PG 94, Sp. 908 B 4–5).
  • (ff. 71V, 69) 〈Elias〉, In Cat. 14, 15 b 1sqq. comm. (CAG XVIII 1, S. 254, 33–255, 37 πρᾶξις).
  • (f. 69) Unter dem desinit von Elias die 3 bekannten Zwölfsilber (vgl. V. Gardthausen, Griechische Palaeographie, II2, Leipzig 1913, S. 432) τὸν δακτύλος γράψαντα – ὦ τριὰς τρισολβία (herausgeschrieben von Bandini, III, Sp. 33 und W. J. W. Koster, S. 184).
  • (f. 69, unterer Rand) 5 Zwölfsilber, inc. πόνοι δάκνουσι, des. χαλεπῶν πόνων (herausgeschrieben von Bandini, III, Sp. 34 und W. J. W. Koster, S. 184, sowie bei E. Cougny, Anth. Pal. III, 1927, IV 96 nach Bandini).
  • (ff. 69V, 72 oben) Ioannes Damaskenos, Expositio fidei, cap. 5 bis προτέλειος (Kotter, S. 14, 28 = PG 94, Sp. 801 B 13); darunter τοῦ αὐτοῦ: διατί ἐν τῇ γενέσει πρῶτον τῷ ὕδατι προσέταξεν ὁ θεὸς – ἀνακαινίζειν τὸν ἄνθρωπον = Exzerpt aus Expositio fidei cap. 23 (Kotter, S. 66, 52–54 = PG 94, Sp. 905 A 2–6).
  • (f. 72) Persönliche Eintragungen über die Geburten von 7 Kindern (vgl. unten Provenienz).
  • (ff. 72V73V) Metrische Scholien zu Pindar, 01. II–V (im Ms.: περὶ μετρων τῶν εἰς τ(ὰ) πινδάρ(ου) ἔπη), inc. τῆς δευτέρας ᾠδῆς ἡ στροφὴ καὶ ἀντίστροφος κώλων ιδʹ, des. τὸ ιεʹ δίμοιρον ἔπος (sic) (ed. J. Irigoin, Paris 1958, S. 132, 8–135, 12).
    (f. 73V) στίχ(οι) εἰς ἀρχ … ἀπὸ φωνῆς δρόσου (vgl. f. 53V), τοῦ α̅: ἡ τὸν βότρυν τέξασα τὸν γλυκὺν κόρη (Zwölfsilber) κτλ.
    (f. 74) Schemata.
    (f. 74) Mindestens 9 oder 10 Zwölfsilber (die letzten mutiliert) (jeweils 2 Verse nebeneinander), inc. κεντῶ (oder κραζῶ) νικόλ(αν) καὶ νικόλας οὐ τρέχει (ed. W. J. W. Koster, S. 184).
  • (f. 74V) Einige stark abgeriebene bzw. verschmutzte Zeilen grammatikalischen Inhalts (… τὰ εἰς ι̅σ̅ ὀνόματα …).
  • (f. 75) Etwa 12 (schwer zu lesende) Distichen über die 10 ägyptischen Plagen (nicht wie Bandini: carmen iambicum … Herculis Labores complectens). Im Titel glaube ich αἰγυπτ zu erkennen; Vs. 10 lautet: ὄγδοον ἐξ ἀκρίδος ὤλετο χλωρὸν ἅπαν.
  • Leer

    f. 75V.

  • Textgeschichtliches

    Der Ammonios-Text folgt der Rezension von F (= Laur. 71, 3). Abweichungen im Laur. 72, 14 bestehen darin, daß hin und wieder (z. B. ff. 8V, 30V) zusätzliche, in CAG IV 4 nicht edierte Kommentarstücke vorliegen und daß Grundtext und Kommentar nur bis f. 25V regelmäßig alternieren (vgl. oben Inhalt).

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Pergament

Format

154 × 132 mm

Folienzahl

ff. II, 75, II'

Foliierung

ff. 70 und 71 tragen unten rechts noch die eigentlich richtigen Ziffern 69 und 70.

Lagen

FHHF.

1 × 8–4 (4, Bl. 3–6 fehlen mit Textverlust), 6 × 8 (52), 1 × 2 oder 2 × 1 (54), 1 × 6 (60), 1 × 8 (68), 1 × 1 (69), 1 × 6 (75; ursprünglich ein Quaternio, f. 69 gehört als 3. Bl. zwischen ff. 71 und 72, die dazugehörige Bifolienhälfte fehlt zwischen ff. 73 und 74).

Griechische Kustoden

f. 69 unten links eine Kustode ιϛ (gehört wahrscheinlich zum palimpsestierten Kodex).

Anzahl der Linien

Lin. meist 26–30

Liniierung

Wohl durchgängig nur äußerer Schriftrahmen.

Kopist

Ein typisch italo-griechischer, wahrscheinlich otrantinischer Duktus aus der Zeit um die Wende vom 13. zum 14. Jh. (Specimina ähnlicher Hände z. B. bei A. Turyn, Dated Greek Mss., II, Taf. 26, 27 [J. 1282] und D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., Taf. 2; vergleichbar auch die Hand im Aristoteles-Kodex Laur. 72, 22). Die eingeschobenen oder angefügten Texte auf ff. 53V54V, 69 unten, 72 (ab 4. Geburt und Zusatz zur 2. Geburt) und wohl auch 69 V, 72V74V sowie einige Scholien sind zwar in einem leicht veränderten Duktus und zum Teil mit dünnerer Feder geschrieben, könnten jedoch vom Kopisten selbst nachträglich eingetragen worden sein. Daß die Geburtenliste auf f. 72 nicht in einem Zug geschrieben wurde, ist ohnehin wahrscheinlich. Zierwerk (z. B. ff. 1, 3V, 59V, 69) nach italo-griechischer Art, wie z. B. auf den Tafeln I und II bei D. Harlfinger, Überlieferungsgeschichte EE.

Das Pergament ist ziemlich dick, von schlechter Qualität (mit Löchern).

Ergänzungen zum Textbestand

Mit zeitgenössischen, meist vom Kopisten stammenden Randscholien (auch lateinische Notizen, z. B. ff. 16 V, 18 V, 25 V, 3537V) und Schemata.

Einband

Der übliche Einband der Medici-Bibliothek; Rücken restauriert.

Erhaltungszustand

Der Kodex ist vor allem am Anfang und am Ende stärker verschmutzt; Restaurierung an den Außenkanten (insbesondere unten).

Geschichte

Datierung

13. Jh. E.

Die untere palimpsestierte Schrift, die parallel zur oberen verläuft, stammt, wie an einigen Resten erkennbar, aus dem 11.–12. Jh. (W. J. W. Koster: wohl 10. Jh.) und ist wahrscheinlich italo-griechischen Ursprungs. Inhaltlich handelt es sich um griechische liturgische Texte, zum Teil mit Neumen (f. 54V lese ich: … αὐτὸν ἱκέτευε σωθῆναι τὰς ψυχὰς ἡμῶν; folgt neuer Absatz mit Ἐ[ξεχύθη ἡ] χάρις ἐν χείλεσίν σου ὅσιε πάτερ καὶ γέγονας ποιμὴν … Nach Auskunft von J. Sonderkamp handelt es sich dabei um das Pentekostarion (Idiomeion zu Ps. 50 [51] des Orthros), das in den Offizien für Ioannes Chrysostomos und Basileios d. Gr. verwendet wird. ff. 23V, 39, 66V, 67 steht ἧχ(ος) πλ(άγιος) α bzw. β bzw. 5. Zwei weitere Textproben bei Koster, S. 181; der von Koster zu f. 68V zitierte Satz gehört zur oberen Schrift und ist unten (unter Provenienz) herausgeschrieben.

Provenienz

Die Hs. ist im italo-griechischen, wohl otrantinischen Raum entstanden (vgl. Kopist). Auf f. 72 hat der Besitzer (und Schreiber?) der Hs. die Geburten seiner 7 Kinder vermerkt (ed. Bandini und W. J. W. Koster, S. 182 Anm. 1): 1. 8. 1293 Anna, 9. 3. 1296 Iemme † 17. 3., 20. (nicht 17.) 6. 1297 Iemme, 15. 6. 1300 Helene, 21. 1. 1303 Annesia, 1. 4. 1306 Nikolaos, 22. 12. … der Rest fehlt wegen Mutilierung des Blattes; da als Wochentag zusätzlich der Montag genannt wird, ist 1309 als Jahr zu erschließen (allerdings stimmen bei den Geburten 4–6 die angegebenen Tage im Monat und die Wochentage nicht zusammen). Die Liste ist nicht in einem Zug geschrieben (Tinte und Feder variieren, vgl. oben Kopist und Koster, S. 182), obgleich auch nicht behauptet werden kann, daß die Angaben alle einzeln jeweils nach dem betreffenden Ereignis eingetragen wurden. Die Geburten der 4 jüngsten Kinder sind auf jeden Fall nachgetragen worden, so daß man auf eine Fertigstellung der Hs. zumindest vor dem 20.6.1297 schließen darf. Bei dem in der Geburtenliste genannten Sohn und dem in den Versen auf f. 74 apostrophierten Nikolaos mag es sich um ein und dieselbe Person handeln (vgl. Koster, S. 183).

Hinter Drosos (vgl. ff. 53V, 73V) könnte man am ehesten den Aristoteliker aus dem 13. Jh. (2. H.?) vermuten, dessen Scholien zu Int. der mit unserer Hs. etwa zeitgenössische italo-griechische Par. Suppl. 599 bewahrt hat (σχόλια καὶ ἀποσημειώσεις εἰς τὸ περὶ ἑρμηνείας ἀπὸ φωνῆς δρόσου ἐμοῦ διδασκάλου).

f. 69V oben ein politischer Vers: ὦ κ(ύρι)ε γένοιτό μοι καλὸν τὸ μελάνιον.

Den Blattausfall hinter ff. 2V und 4V hat ein späterer Benutzer bemerkt; unten rechts f. 2V: λείπ(ει) δʹ φύλλ(α) ἐνταῦθα, f. 4V λείπ(ει) ἐνταῦθα φυλλ(α) ηʹ.

Reproduktionen und Digitalisate

  • Laur. 72, 14 (Vollständiges Digitalisat der Biblioteca Laurenziana)

Bibliographie

Kat.

  • A. M. Bandini, III, Sp. 33–34.

Kod.

  • W. J. W. Koster, De codice fragmentum scholiorum metricorum ad Pindarum continente, in: Mnemosyne ser. III, 1, 1934, S. 180–188.
  • J. Irigoin, L’Italie méridionale et la tradition des textes antiques, in: Jahrb. Österr. Byz. 18, 1969, S. 37–55, dort S. 52 (Datierung: 14. Jh. Anfang).
  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 60 Anm. 1, 147–148.

Text.

    Ammonios

    • ed. A. Busse, 1895 (CAG IV 4), S. XIX (Sigel Ld). Ioannes Damaskenos: B. Kotter, Überlieferung Pege gnoseos, S. 26.

    Pindar-Scholien

    • W. J. W. Koster, wie oben Kod. (Kollationen).
    • J. Irigoin, Histoire du texte de Pindare, Paris 1952 (Études et Commentaires 13), S. 437 und Anm. 2.
    • J. Irigoin, Les scholies métriques de Pindare, Paris 1958 (Bibl. de l’École des Hautes Études, Sciences Hist. et Philol. 310), S. 126 (benutzt; Sigel Laur.).

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 480-483 (Harlfinger, Autopsie Juli 1970).