Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Laur. 81,20

Nachweis: Italien, Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plutei, Laur. 81,20
Datierung:

15. Jh. 1. H.

Beschreibstoff: Pergament
Format: 277 × 189 mm
Folienzahl: ff. III, 132, III'

Inhalt

  • (ff. 199V) EE (einschließlich der kontroversen Bücher).
  • (ff. 103 bis 125V) Horapollon, Hieroglyphica (ed. F. Sbordone, Neapel 1940).
  • (ff. 126131) Ps.-Platon, Definitiones.
  • Leer

    ff. 100102V, 131V132V.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Pergament

Format

277 × 189 mm

Folienzahl

ff. III, 132, III'

Foliierung

Die Bandini-Numerierung berücksichtigt nicht die Leerfolien 100–102 und bezeichnet daher f. 103 als f. 100 und f. 126 als f. 123.

Lagen

FHHF.

4 × 8 (32), 10 × 10 (132).

Lagensignierung

Zuerst f. 32V unten links nicht identifizierbarer Rest einer griechischen Kustode; danach regelmäßig griechische Kustoden auf erstem Recto unten rechts vom Kopisten B: κβ (f. 33) bis λα (f. 123). Da die 5. Lage unserer Hs. als 22. bezeichnet ist, sind offensichtlich 17 Lagen vor f. 1 ausgefallen; vgl. dazu unten.

Anzahl der Linien

Lin. 26 (ff. 1125), 24 (ff. 126131)

Kopist

A. ff. 132V: 〈Georgios Dokeianos〉.

B. ff. 33125V: 〈Antonios Athenaios〉.

C. ff. 126131: 〈Theodoros Gazes〉.

Buchinitialen von italienischem Meister mehrfarbig (gold, blau, rot, grün) illuminiert, Titel in Rot.

Ergänzungen zum Textbestand

Zu EE, insbesondere Bücher I–IV, Marginalien (meist Lemmata, auch in Rot) wohl von verschiedenen Händen (vgl. unten Provenienz); zu Horapollon und Ps.-Platon rote Marginalien (Lemmata) vom jeweiligen Kopisten.

Einband

Der übliche Einband der Medici-Bibliiothek.

Geschichte

Datierung

15. Jh. 1. H.

Ursprünglicher Zustand

Wie die Lagensignierung zeigt (vgl. oben), war die Hs. ursprünglich umfangreicher. Bei der Suche nach einem vor die EE gehörenden Ms.(-teil) aus 17 Lagen mit passendem Text stößt man auf den Vat. 1689 (vgl. dort). Dieser enthält auf 17 Lagen die EN, stammt – wie auch unser Kodex, ff. 132V – vom Kopisten Georgios Dokeianos und weist folgende kodikologische Gemeinsamkeiten mit unserer Hs. auf: Pergament, Format (Vat.: 277 × 204; Laur.: 277 × 189, am seitlichen Rand stark beschnitten), Zeilenzahl (26), Liniierungsschema (bei Lake nicht belegt) sowie Auftraggeber bzw. Vorbesitzer, nämlich Francesco Filelfo. Wir können also aus Vat. 1689 plus Laur. 81, 20 eine einzige Hs. gewinnen, in welcher auf EN mindestens noch EE folgte. Daß Dokeianos bereits nach EN subskribierte, nämlich Vat. 1689, f. 140 (November 1422 in Konstantinopel für Filelfo) und, wie eine kurze Stichprobenkollation des Anfangs von EN V beweist, für EN kaum dieselbe Vorlage benutzte wie für EE, nämlich nicht den Cant. Ii. 5. 44, spricht nicht dagegen, sondern zeigt nur, daß er die beiden Teile nicht in einem einzigen Arbeitsgang, sondern sukzessiv anfertigte. – Die erschlossene Hs. war sicherlich nicht fest gebunden: so erklärt sich, daß sie jetzt in 2 Teilen vorliegt und daß die ursprünglichen Lagen im Laur. hinter f. 32 verlorengingen (später ersetzt).

Provenienz

Für Francesco Filelfo (1398–1481) – sein Wappen (Schild mit 3 Raubtierköpfen in Gold auf blauem Grund mit roter Umrahmung) f. 1 unten, Marginalien von seiner Hand, z. B. ff. 5, 32V, 35V –, wie aus der Subskription im Vat. 1689 (vgl. oben Ursprünglicher Zustand) zu schließen, in Konstantinopel Ende 1422 oder kurz danach geschrieben und 1427 nach Italien gebracht: „… Qui mihi nostri in Italiam libri gesti sunt, horum nomina ad te scribo: alios autem nonnullos per primas ex Byzantio Venetorum naves opperior. Hi autem sunt … Aristotelis Rhetorice … Ethica Aristotelis, eius Magna Moralia, et Eudemia, et Oeconomica, et Politica, …‟ (Ambrosii Traversarii Camaldulensis Latinae epistolae a Petro Canneto in libros XXV tributae … (edente L. Mehus), Florenz 1759, Ep. XXIV, 32 (vgl. auch A. Calderini, Ricerche … biblioteca greca di Francesco Filelfo, in: SIFC 20, 1913, S. 217 Anm. 2). Durch Verlust der Lagen hinter f. 32V (ab EE III 4, 1232 a 3) verstümmelt, wurde die Hs. in Italien von Antonios Athenaios, der auch die Laur. 69, 9 und 56, 7 Ende 1435 bzw. Anfang 1436 in Siena für Filelfo schrieb, supplementiert. Auch Theodoros Gazes, der die ps.-platonischen Definitiones auf die am Schluß verbliebenen Leerfolien schrieb, ist als Mitarbeiter des Filelfo anderweitig bezeugt (vgl. V.–G., S. 137).

Der Duktus vieler Marginalien (z. B. ff. 1 oben, 6V, 7V usw.) weist große Ähnlichkeit mit dem des Filelfo-Schülers Lapo da Castiglionchio il Giovane (Lapus Castellunculus) (1404–1436) im Urb. 131 auf. Eine Untersuchung zur Abgrenzung der anscheinend nicht unähnlichen Hände des Filelfo und des Lapo könnte hier vielleicht Klarheit schaffen.

Zu EN VII = EE VI 7, 1150 a 7/8 μυριοπλασία γὰρ ἂν κακὰ ποιήσειεν ἄνθρωπος κακὸς θηρίου (f. 68) hat ein unbekannter Leser (wohl 15. Jh. 2. Hälfte) einen interessanten Vermerk am Rand hinterlassen: ὥσπερ ὁ ἀσελγῆς φιλέλφος.

Die EE, so wie sie heute vorliegt, diente sowohl einem westlichen Schreiber im 2. Viertel des 15. Jh. für den Laur. 81, 4 als auch dem Konstantinos Laskaris in Mailand zwischen 1458 und 1465 für den Matr. 4627 als Vorlage. Auch Petrus Victorius (1499–1565) benutzte entweder unseren Kodex oder den Laur. 81, 4, um sein Leseexemplar der Aldina, das heute in München liegt, zu überarbeiten.

Alte Signaturen und Sonstiges: Sp. (Pergament) oben links: n° 499, darunter n° 11; oben Mitte: Aristotelis ethica ad Eudemum. Libri VIII/Apollinis nylei jerogliphica/Platonis deffinitiones. f. 1 unten, rechts neben dem Wappen: n° 177.

Reproduktionen und Digitalisate

  • Laur. 81, 20 (Vollständiges Digitalisat der Biblioteca Laurenziana)

Bibliographie

Kat.

  • A. M. Bandini, III, Sp. 234.

Kod.

  • K. K. Müller, Janos Laskaris, S. 375. Mostra Lorenzo, S. 59 Nr. 197.
  • D. Harlfinger, Überlieferungsgeschichte EE, S. 10–12, 23, 50.
  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 65, 290, 408, 411 (3mal).

Text.

  • W. Ashburner, Studies EN, I, S. 48, 52sqq. (Sigel B) und III, S. 76sqq., 86–87.
  • D. Harlfinger, Überlieferungsgeschichte EE, S. 10–12 (ff. 132V sind aus dem Cant. Ii. 5. 44, ff. 3399V aus dem Laur. 81, 15 abgeschrieben; Wechsel bei III 4, 1232 a 3. Die Hs. war selbst Vorlage für Laur. 81, 4, Matr. 4627, Senensis H IX 9 und einen deperditus.).
  • Horapollon

    • ed. F. Sbordone, Neapel 1940, S. LIV, LVII (Die Hs. wird auch für diesen Text ein Apographon des Laur. 81, 15 sein. Das Ergebnis Sbordones, der beide Hss. zwei verschiedenen Zweigen derselben Familie zuordnet, erscheint daher zweifelhaft.).

    Ps.-Platon

    • N. G. Wilson, Plato Mss., S. 387.
    • R. S. Brumbaugh–R. Wells, Plato Mss., S. 39.

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 273–275 (Harlfinger, Autopsie Juli 1970).