Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Lond. Lamb. 1204

Nachweis: Vereinigtes Königreich, London, Lambeth Palace, Archiepiscopal Library, Manners–Sutton Mss., Lond. Lamb. 1204
Datierung:

14. Jh. 1. H.

Beschreibstoff: Bombyzin
Format: 275 × 195 mm
Folienzahl: ff. 72 (+ 24 a)

Inhalt

  • (ff. 158V) Probl. ab II 11, 867 a 36 …] οὐ γὰρ τοὐτό (= Verlust von mehreren ff. am Beginn der Hs.). Die Bücher sind keineswegs meist vollständig (so der Katalog von Todd, vgl. unten Bibliographie), sondern es liegen vor: II 11–38. 40–42. III 1–18. 21. 23–25. 28–29. 31–32. 34–35. IV vollständig. V 1–22. 24–36. 38–42. VI 1–7. Nach 886 a 21: Διὰ τί αἱ καθέδραι bis ἠρεμοῦντες (vgl. Bekker, app. cr.). VII 1–4. 6–8. 5. 9. VIII 1–6. 9. 7. 10–17. 8. 18–22. IX 1–6. 8–14. X 1–28. 31–63. 65. 64. 66–67. XI 1–3. 5–43. 45–47. 49. 52. 55–60. 62. XII 1–8. 10. 12–13. XIII 1–11 (12 fehlt). XIV 1–8. 9 bis 909 b 26 οἰκοῦντες. 10, 909 b 34 ἢ ὅτι – b 36 φθορά. 9, 909 b 26 ἢ διὰ τό – b 33 θερμόν. 11–12. 14–15 (16 fehlt). XV 1–13 (Kap. 3 mit großen Fenstern. Kap. 5 sqq. laufen als Buch ιϛ unter dem Titel περὶ τὰ οὐράνια). XVI–XVIII (in der Hs.: ιζ, ιη, ιθ) vollständig. XIX 1–39. 41–44. 47–50. XX 1–27. 29–36. XXI 1–22. 24–26. XXII–XXIII vollständig. XXIV 1–14. 16–19. XXV vollständig. XXVI 1–3. 6–8. 4–5. 9–10. 11 ab 941 a 32 ὅτι καὶ τῆς. 12–28. 30–31. 35, 944 a 31 bis πνεῖ, dann 33, 944 a 10 πρωὶ δὲ οὔ. 35, 944 a 31 ἢ ἅπαντα bis a 35 ἀφικνεῖται. 33, 944 a 11 αἴτιος bis a 24 καλεῖται. 35, 944 a 36 καὶ ὁ βορέας bis b 3 ἀντικρύ. 36. 34. 37–40. 42–44. 46–54. 56–62. XXVII 1–6. 8–11. XXVIII 1–4. 5 bis 949 b 30 ζῶμεν. 7–8. XXIX 1–5. 7–14. 16. XXX 1–8. 10, 956 b 11–12 εἰσιν. 9, 956 b 7–10. 11–14. XXXI 1–12. 14. 16–25. 26 bis 960 a 10 διαστρέφεται. 27 ab 960 a 13 πότερον. 28–29. XXXII 1–11. 13. XXXIII 1–7. 9–18. XXXIV–XXXVII vollständig. XXXVIII 1–8. 9 teilweise (967 a 13 ἢ ὅτι bis a 16 γίνεται fehlt). 10 (11 fehlt).
  • (ff. 5963) Plutarch, Aetia physica (edd. C. Hubert–M. Pohlenz, Moralia V 3, Leipzig2 1960, S. 1–26). Am Beginn als κεφάλαιον α: Πῶς τὸ γάλα γίνεται, inc. πανταχοῦ ἡ φύσις ἀκριβὴς καὶ φιλότεκνος, des. ψαῦσαι καὶ περιλαβεῖν ἐνδίδωσι ταμεῖον. Dann als κεφάλαιον β κτλ. die Kapitel 1–31 Hubert–Pohlenz.
  • (ff. 6364V) Christliches, inc. πίστει πεποίηκε τὸ πάσχα καὶ τὴν πρόσχυσιν τοῦ αἵματος (Hebr. 11, 28). Dazwischen (f. 64) Περὶ δακρύων πῶς γίνονται, inc. πῶς τὸ δάκρυον γίνεται τοῦτο οἷον ἐκ πηγῆς τινος, des. μηδεμίας γινομένης ἐπὶ τὸ ἔξω διαπνοῆς.
  • (ff. 6572V) Mir., des. mutile 137, 844 b 1 θαυμαστόν τι [… Kapitelfolge: 1–32. 33 bis 832 b 27 ῥαδίως. 34–69. 72–75. 77. 76. 78–137.
  • Textgeschichtliches

    Für Probl. der gleichen Textgruppe zugehörig wie Lond. Add. 23927; gegenüber dieser Hs. stammt Lamb. jedoch aus einer weniger vollständigen Vorlage (vgl. dazu Add. 23927, Rubrik Textgeschichtliches).

    Im Mir.-Text gehört Lamb. nach der Kapitelfolge zu der Hss.-Gruppe, deren besten Vertreter neben ihm der Vat. 1302 darstellt. Kennzeichen dieser Gruppe ist die Abfolge der Kap. 114–137, wie sie in allen bisherigen Editionen vorliegt; die übrigen Hss. enthalten diesen Text in der Reihenfolge: … 114. 130–137. 115–129. 138 … Nun stellt man im Vat. 1302 und den deteriores derselben Gruppe folgende Unregelmäßigkeiten fest: (1) Am Schluß von Kap. 114 erscheinen statt 841 a 22–26 nach οὕτω die Schlußworte von Kap. 137, 844 b 6–8 καὶ τὸ δύολενκόν. (2) Am Schluß von Kap. 129 steht statt 842 b 34–35 λοιποῖςπλεῖον der Schluß von Kap. 114, 841 a 22–26 ψυχροῦπάντα τὸν χρόνον (sic statt χειμῶνα). (3) Am Schluß von Kap. 137, 844 b 6–8 folgen nach θαυμαστὸν δ᾿ ἐστί die Schlußworte von Kap. 129 λοιποῖςτέσσαρας χόας (die Worte ἐνίων δὲ καὶ πλεῖον der übrigen Hss. fehlen). Es folgen also aufeinander: … 114. Schluß von 137. 115–129. Schluß von 114. 130–137. Schluß von 129. 138 … Dieser Textzustand in der Vat.-Gruppe ist jedoch leicht als Entstellung aus der ursprünglichen Kapitelfolge … 114. 130–137. 115–129. 138 …, wie sie die übrigen Hss. bewahren, bei folgender Text- und Lagensituation erklärlich: (I) … 114. (II) Schluß von 114. 130–137. (III) Schluß von 137. 115–129. (IV) Schluß von 129. 138 … In der Vorlage der Vat.-Gruppe gelangte die Lage III (Schluß von 137. 115–129) hinter I; die so entstandene Abfolge I, III, II, IV entspricht inhaltlich exakt dem in der Vat.-Gruppe festgestellten Textablauf. Daß II und III jeweils eine Lage darstellten, wird dadurch bestätigt, daß es sich bei ihnen um etwa gleichlange Textstücke handelt (jeweils etwas über drei Bekkerspalten).

    Im Lamb., der auf ein Textexemplar derselben Art zurückgeht, ist eine der durch die Lagenvertauschung entstandenen Textstörungen beseitigt: in Kap. 129 hat der Kopist zunächst mit der Abschrift des Schlusses von 114 begonnen, bemerkt aber den Fehler, streicht das Ganze und schreibt 129 neu mit dem richtigen Schluß λοιποῖς ἔθνεσιν κτλ. (die letzten Worte lauten etwas abweichend: κέρατα αὐτῶν τέσσαρας χόας ἐν αὐτοῖς ἔχειν). Im Falle von Kap. 114 folgt der Schluß von 137 wie sonst in der Vat.-Gruppe.

    Gegenüber dem Vat. stammt Lamb. aus einem noch vollständigeren Exemplar: Er enthält die Kap. 8 und 33, 832 b 26–27, die im Vat.fehlen, und weist dessen Lücken nicht auf, z. B. in 78, 835 b 35; 82, 836 b 25; 100, 838 b 15; 105, 839 b 14 und 839 b 17–18 (vgl. für Vat. zu allem Bekker app. cr.). An einigen Stellen ist im Lamb. auch die bessere Lesart gewahrt. Im ganzen erlaubt es unsere Hs., in einem Zweig der Mir.-Hss. die etappenweise Herausbildung der Überlieferung zu verfolgen, die im Vat. und den deteriores eine stereotype Form in Kapitelfolge und Text erreicht.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Bombyzin

Format

275 × 195 mm

Folienzahl

ff. 72 (+ 24 a)

Foliierung

Da in der fortlaufenden Foliierung ein Bl. nach f. 24 übersprungen ist, findet sich am Beginn neuer Traktate eine nachträgliche, f. 24a einbeziehende Zählung: auf f. 59 auch „60‟, auf f. 65 die Zahl in „66‟ geändert.

Lagen

7 × 8 (55), 1 × 10 -1 ? (64, Band nach Bl. 4), 1 × 8 (72). Diese Angaben müssen angesichts der modernen Bindung und des Fehlens von Lagensignaturen mit Vorbehalt erfolgen.

Anzahl der Linien

Lin. 31–37

Liniierung

Einfacher Rahmen begrenzt Schriftfläche.

Kopist

A. ff. 163, 6572V: 14. Jh. 1. H., vielleicht schon 13. Jh. 2. H. In Rot die Initialen im Text und die marginale Paragraphenzählung.

Zwei spätere Hände:

B. ff. 63 Mitte–64V und die Marginaltexte in der ganzen Hs. Kursive Schrift des 14. Jh.

C. ff. 6572V, jeweils über und unter dem Mir.-Text. Schöne Schrift des 15. Jh.

Ergänzungen zum Textbestand

Zu Probl. einige spätere Korrekturen und Scholien. Kleinere Fenster in III 16, 873 a 24–25; XXIX 14, 952 a 36; XXXI 7, 958 a 17–18; XXXIII 7, 962 a 24.

Ab f. 65 ober- und unterhalb des Mir.-Textes meist wenige, später hinzugefügte Zeilen, zu Themen von Mir. und Verwandtem; zitiert werden unter anderem Ptolemaios (f. 67V), Eudemos (f. 68), Plutarch (f. 70), Antigonos (f. 72). Inc. auf f. 65 oben: ὅτι ἡ ἱερὰ νόσος ἢ δαίμων (dann abbrechend, auf f. 69V vollständig ausgeführt), auf f. 65 unten: ἱστοροῦμεν δὲ καὶ ζῷα […] περὶ τὸν πρότερον γινόμενα κτλ.

An den Rändern in der ganzen Hs. christliche Texte, durch Feuchtigkeit, Zerfetzung und Beschneiden der Folien vielfach verloren; als Namen erscheinen auf f. 2 Kyrillos (inc. νηφάλιον γὰρ ἔχειν χρὴ καὶ ἐγρηγορότατον νοῦν καὶ τῇ τῆς ἀληθείας γνώσει), auf ff. 3 und 8 Meletios Monachos, auf f. 11 Symeon usw.

Einband

Neu (1966). Im Vorsatz je zwei moderne fliegende Blätter.

Erhaltungszustand

Besonders am Anfang und Ende stark zerfressen und an den Rändern zerfetzt; die unteren Ränder und Ecken der ff. 115 mit modernem Papier ergänzt.

Geschichte

Datierung

14. Jh. 1. H.

Ursprünglicher Zustand

Die Hs. ist am Beginn und Schluß mutiliert. Legt man den durchschnittlichen Textumfang pro Folium (rund 120 Bekkerzeilen) zugrunde, gingen dem heutigen Beginn ursprünglich mindestens 5 ff. mit Probl. I–II 10 voraus. Entsprechend folgte nach f. 72 noch wenigstens 1 Bl. mit Mir. 138–151; denn diese Kapitel enthalten die Mss. derselben Textgruppe, zu der Lamb.für diesen Traktat gehört (Vat. 1302 und deteriores, vgl. die folgende Rubrik).

Provenienz

Die Hs. gehörte zur Sammlung von Joseph Dacre Carlyle, Professor für Arabisch in Cambridge († 1804); vgl. über ihn The Dictionary of National Biography, III, S. 1018–1019. Carlyle nahm 1799 an Elgins Mission nach Konstantinopel teil; von der dortigen Bibliothek des Patriarchen von Jerusalem sowie von Reisen zu den Inseln des Ägäischen und des Marmarameeres und nach Syrien brachte er vorwiegend griechische Bibelhss. für eine neue NT-Ausgabe mit. Nach seinem Tod wurde die Sammlung vom Erzbischof von Canterbury angekauft und gelangte am 24. 4. 1806 in die Lambeth Library (= Hss. Nr. 1175–1209). Die meisten Hss. waren je nach dem Herkunftsgebiet mit entsprechender Initiale auf dem ersten Folio markiert: 5 Hss. aus Syrien (S), 18 Hss. von den Inseln (I), 4 Hss. aus K/pel (C) (dazu H. J. Todd, A Catalogue [vgl. unten Bibliographie], S. IV). Lamb. 1204 gehörte zu den Hss. ohne Zeichen; es darf aber als fast sicher gelten, daß die Hs., wie auch die Schwester des Besitzers beim Verkauf angab (dazu H. J. Todd, The Carlyle Mss. [vgl. unten Bibliographie], S. 24), von Carlyle aus Syrien mitgebracht wurde, denn: (1) die Hs. kann nicht von den Inseln stammen, da dort nicht ein einziges klassisches Fragment vorgefunden wurde, wie der bei dieser Expedition beteiligte Philip Hunt, Erzbischof von Canterbury, berichtet (Brief Hunts in: Robert Walpole, Memoirs relating to European and Asiatic Turkey, 1817, S. 85, zitiert von Todd, The Carlyle Mss., S. 17). (2) Die Hs. stammt nicht aus K/pel, da die von dort mitgebrachten Hss. Leihgaben des Patriarchen von Jerusalem waren; sie wurden Ende des 19. Jh. sämtlich reklamiert und nach K/pel zurückgeschickt (neben den 4 Hss., die das Zeichen C trugen und nicht angekauft worden waren, noch weitere sechs von den 10 Mss. ohne Herkunftszeichen, darunter auch Lamb. 1206 = Simplikios, In Cat. comm. Vgl. Todd, The Carlyle Mss., S. 18–19, 41).

Bibliographie

Kat.

  • H. J. Todd, A Catalogue of the Archiepiscopal Mss. in the Library of Lambeth Palace, London 1812, S. 262.
  • Dieselbe Beschreibung auch in: H. J. Todd, The Carlyle Mss. in the Lambeth Library. An Account of Greek Mss., chiefly biblical, which had been in the possession of the late Professor Carlyle, London o. J., S. 55–56 (der Aufsatz muß nach 1818 erschienen sein, da S. 6 aus einer Zeitschrift dieses Jahres zitiert wird) .
  • H. Schenkl, Bibliotheca patrum latinorum Britannica, in: Sitz.-Ber. Akad. Wiss. Wien, phil.-hist. Kl., 150, 5, Wien 1905, S. 30 Nr. 4630 (nur summarisch erwähnt) .
  • C. Wright, M. Argyrou, C. Dendrinos, A Descriptive Catalogue of the Greek Manuscript Collection of Lambeth Palace Library, Lambeth Palace Library - Hellenic Institute, Royal Holloway, University of London, February 2016, S. 317-323 (detaillierte Beschreibung, Online-Version (PDF)).

Text.

    Mir.

    • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 210 (Repräsentiert mit Vat. 1302 einen der zwei unabhängigen Überlieferungsarme der 2. Familie) .
    • J. Wiesner, in: H. Flashar, Übers. Mir., S. 56–60 (Angaben nach dieser Beschreibung) .
    • D. Harlfinger, Verbreitung Mir., S. 64 (Die Hs., die aus der Mitte oder 2. Hälfte des 13. Jh. stammt, hat keine Nachkommen gehabt) .
    • J. Wiesner, Umstellungen Mir., in: Festschrift Richard (im Druck)

    Probl.

    • Maria Fernanda Ferrini, Nota al testo dei Problemata che fanno parte del Corpus Aristotelicum. La tradizione manoscritta, Annali dell'Istituto Universitario Orientale di Napoli, Dipartimento di Studi del Mondo Classico e del Mediterraneo Antico, Sezione Filologico-Letteraria 25, 2003, 113–136 (120, 126–132: Probl.-Text stammt von Par. 2036 ab mit Einflüssen von Lond. Add. 23927 und Oxford, CCC 113).

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 459-462 (Wiesner, Autopsie Dezember 1966).