Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Ambr. E 118 sup.

Nachweis: Italien, Mailand, Biblioteca Ambrosiana, Ambr. E 118 sup. (318 Martini-Bassi)
Datierung:

13. Jh. E.–14. Jh. A. (ff. 847V, 49106), 14. Jh. 2. H. (ff. 13V, 56V, lin. 12), 15. Jh. 1. H. (ff. 4, 6V, lin. 13–32, 48RV)

Beschreibstoff: Papier
Format: mm 290 × 210
Folienzahl: II, 106

Inhalt

  • (ff. 13) Kephalaia zu An.
  • (f. 3) Kurzes Scholion zum Inhalt von An., inc. ἰστέον ὅτι ἀριστοτέλης ἐν τρισὶ λόγοις τὸν περὶ ψυχῆς ἐξέθετο λόγον, des. οὕτω καὶ ἐνταῦθα πεποίηκε (vgl. Philoponos, In An. comm., CAG XV, S. 20, 23–34. Derselbe Text im Vat. 256, f. 421).
  • (ff. 3V6V) Simplikios, In An. comm. prooemium, bis ἐκπεφασμένα (CAG XI, S. 1–6, 16/17). Zum anschließenden Text vgl. unten f. 8.
  • (f. 6V) Notiz zum Prooemium von An., inc. τὸ προοίμιον ἐστὶν ἕως τοῦ ἀρχὴ δὲ τῆς ζητήσεως· τοῦτο διαιρεῖται εἰς τρία, des. τὴν μετὰ λόγου ἐπιστημονικὴν κατάληψιν.
  • (ff. 848V) An. ((f. 23) B. II , (f. 37) B. III) Mit Interlinearien und Randscholien, teilweise aus 〈Simplikios〉, In An. comm. (zuerst f. 8: τὸ προοίμιον τὸν σκοπὸν–γνῶσις ἡ ἀναγκαία = CAG XI, S. 6, 18–7, 13) und 〈Sophonias〉, In An. paraphrasis (zuerst f. 8v: οὐσίας δὲ ὑποτεθείσης–σῶμα ἁπλοῦν ἢ σωμάτων [sic] = CAG XXIII 1, S. 5, 10–14).
    Außer vom Kopisten auch einige Scholien von zweiter Hand (beide in zwei Kolumnen nebeneinander z.B. ff. 15V16), teilweise aus 〈Themistios〉, In An. paraphrasis (f. 15V: εἰ γὰρ κινεῖται καθὸ ψυχὴ–αὐτῆς τὸ κινεῖσθαι = CAG V 3, S. 18, 9–15 und darunter ὑπομνῄσκει γὰρ τῶν εἰρημένων–τὸ πᾶν φέρηται συμφώνους φοράς = CAG V 3, S. 20, 8/9–18).
    Ab f. 41V Scholien vom Kopisten in drei Kolumnen, laut Hayduck (vgl. unten Bibliographie) aus drei Kommentaren, nach den notierten Endscholien aber offenbar sämtlich aus 〈Philoponos〉, In An. comm. oder ihm sehr nahestehend: (1) f. 47V, Randkolumne: letztes Scholion (III 10, 433b 13) inc. ἀπορεὶ περὶ τῶν ζῳοφύτων ἅπερ εἶπεν ἀτελῆ ὅτι πως ταῦτα κινεῖται (vgl. CAG XV, S. 589, 28–29), des. ἀσύγχυτος τῶν ψιττακῶν ἢ διδακτή ἐστιν ἢ ἀδίδακτος ὡς τῶν μυρμήκων (op. cit., S. 590, 2–3). (2) f. 47V, Mittelkolumne letztes vollständig erhaltenes Scholion (zu III 9, 432b 14) inc. οὗτος ὁ συλλογισμὸς τολμητίας λέγεται καὶ παράβολος (vgl. CAG XV, S. 580, 1), des. τὴν παροῦσαν πληγὴν δεδιὼς ὥστε περὶ τὸ ἐνεστὼς μόνον ἐνεργεῖ (S. 581, 15–16). (3) f. 47V, innerste Kolumne: letztes Scholion (zu III 10, 433b 18) inc. ἐπειδὴ εἶπε τὴν ὄρεξιν κίνησιν βούλεται δὲ τὴν ψυχὴν ὀρέγεσθαι μὲν (sehr ähnlich CAG XV, S. 591, 14–15), des. ὡς ἐπὶ τῆς αἰσθήσεως ἐλέγομεν.
  • (ff. 49106) Sophonias, In An. paraphrasis (CAG XXIII 1), inc. mut. S. 20, 11 Hayduck ...] εἴ τις εἰς αὐτὸν ὅλον ἀπίδοι (= Verlust von ff. vor f. 49). f. 106 sind die Schlußworte von Sophonias (ab S. 151, 39 Hayduck μὴ εἶναι κρίσιν) gestrichen und von späterer Hand f. 105V unten ergänzt worden.
  • Leer

    ff. 4V, 7RV, 106V.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • f. I: Dreiberg mit Kreuz I, sehr ähnlich Br. 11702 (Pisa 1440, mit Varianten Valencia 1429, MSS. der J. 1451/1452, 1455), ähnlich Ha., monts 27 (J. 1442).
  • f. II: Dreiberg mit Kreuz II, ähnlich Br. 11726 (Savoyen 1428/29, mit Varianten Siena 1428–1440, Genua 1429, Florenz 1432–1433).
  • ff. 1–3, 5–6: Zwei Kreise mit Stange, ähnlich M.-T. 1952 (Krakau 1364, mit Variante Kranj 1372), entfernt ähnlich Ha., cercle 21 (Mistra 1363).
  • f. 4: Schere, ähnlich Br. 3681 (Siena 1419), ähnlich Ha., ciseaux 21 (J. 1432).
  • ff. 8–47, 49–106: Buchstabe G, ähnlich Br. 8176, M.-T. 5231 (Florenz 1293, mit Variante Pisa 1299).
  • ff. 7, 48: kein Wz.

Format

mm 290 × 210

Folienzahl

II, 106

Lagen

1 × 6 (6, wobei f. 4 nicht zur genuinen Lage gehört und später eingefügt ist, vgl. Rubrik ‘Ursprünglicher Zustand’), 1 × 1 (7), 5 × 8 (47), 1 × 1 (48), 1 × 8 (56), 1 × 10 (66), 5 × 8 (106).

Griechische Kustoden

1. Auf dem 1. Recto unten rechts von α (f. 8) bis ε (f. 40), vom Kopisten A.

2. Auf dem 1. Recto unten Mitte und dem letzten Verso unten rechts: β (f. 49) bis η (f. 106V), vom Kopisten B. Diese Separatzählung ist jedoch auf den Rectoseiten gestrichen und der Anschluß an die erste Signierung hergestellt worden: η (f. 49) bis ιδ (f. 99). Auf den Versoseiten ist die alte Signierung, ohnenhin bloß teilweise vorhanden, nur vereinzelt (f. 90V) gestrichen, aber nicht korrigiert.

Anzahl der Linien

Lin. um 29–34 (ff. 16), 16–24 (f. 847V, Grundtext), 25–26 (f. 48RV), 29–37 (ff. 49106)

Liniierung

ff. 147: nicht mehr deutlich erkennbar. ff. 49106: zwei Kolumnenrahmen, innerhalb deren keine Linien gezogen sind.

Kopist

A. ff. 847V.

B. ff. 49106.

A und B waren, nach der identischen Papiersorte zu urteilen, zwei nebeneinander arbeitende (vgl. die ursprünglich separaten Kustodenzählungen) Kopisten desselben Scriptoriums.

C. ff. 13V, 56V lin. 12

Restaurierungshände:

D. f. 4 (ergänzt Simplikios, In An. prooemium, S. 2,5 παραγραπτέον–3,6 διώρισται); f. 6V lin. 13–32: 〈Manuel〉, wie im Pal. 258.

E. f. 48RV: Anonymus 11 bei Harlfinger (ergänzt An. ab III 11, 434a 2 φαίνεται).

Im Bereich von Hand A Schmuckleisten, Titel, Initialen sowie ein Teil der Scholien in verblaßten Rot oder Rotviolett; bei der Hand C Schmuckleisten, Titel, Initialen und Kephalaia-Zählung in kräftigem Rot.

Einband

Dunkelbraunes Leder (eingerissen und teilweise fehlend) auf Holz. Deckelgröße mit der des Buchblocks identisch. Spitz zulaufende, bis in die Winkel gekehlte Kanten. An der Längsschnittkante des Hinterdeckels je drei Löcher von zwei Schließen, die an Stiften auf der Vorderdeckelkante befestigt waren. Fester glatter Rücken, restauriert, aber bereits wieder defekt. Echtes Kapital, den Buchblock überragend, nicht breiter als der Rücken. Vorsatz: zwei jetzt lose Papier-Bl.

Geschichte

Datierung

13. Jh. E.–14. Jh. A. (ff. 847V, 49106), 14. Jh. 2. H. (ff. 13V, 56V, lin. 12), 15. Jh. 1. H. (ff. 4, 6V, lin. 13–32, 48RV)

Ursprünglicher Zustand

Wie aus der Kustodenzählung für die alten Teile des Ms. (ff. 8–47, 49–106) ersichtlich, sind zwischen ff. 47V und 49 zwei Lagen verlorengegangen, die den Schluß von De anima und den Beginn der Sophonias-Paraphrase enthielten. Der Verlust ist nach dem Hinzukommen der heutigen ff. 13, 56 in der 2. Hälfte des 14. Jh., aber offenbar vor der Ergänzung von f. 4 erfolgt, also wahrscheinlich am Ende des 14. oder Beginn des 15. Jh. Denn Hand C (vgl. Rubrik Kopisten) notiert f. 3V unten: τὸ ἐπίλοιπον τούτου δεῖ ζητεῖν τὸν ἀναγινώσκοντα ἐν τῷ τέλει τῆς περὶ ψυχῆς πραγματείας τοῦ ἀριστοτέλους und meint damit offensichtlich den zwischen ff. 3V und ## fehlenden Teil des Simplikiosprooemiums (CAG XI, S. 2,5–3,6), der demnach am Schluß von An. folgte. Dieser Nachtrag wird zusammen mit dem Schluß von An. nach f. 47 bereits verloren gewesen sein, als Hand D den fehlenden Simplikiostext nun f. 4 ergänzte.

Die Hypothese Hayducks (CAG XI, S. VI), wonach zwischen ff. 3V und 5 ein Bl. verlorenging, also dort (vor der Ergänzung durch Hand D) ursprünglich der Text von Hand C gestanden hätte, scheint mir nicht ganz überzeugend: denn das fragliche Textstück, das bei dem kleineren Duktus von D nur einen Teil von f. 4 einnimmt, ist seinem Umfang nach auch weit geringer, als es dem üblichen Textvolumen von Hand C pro Folium entspricht. Die Ergänzung des Schlusses von An. durch Hand E (f. 48RV) ist, nach dem Duktus zu urteilen, etwas später als die Einfügung von f. 4 durch Hand D erfolgt.

Provenienz

Das Ms. kam über die Bibliothek Pinellis in die Ambrosiana.

F. IIV: J. V. Pinelli, darunter: Aristotelis de anima cum scholiis ex Simplicio / Anonymi (von anderer Hand daruntergesetzt: Sophoniae monachi) paraphrasis in eosdem libros sine principio. In der Mitte: N (durchgestrichen). f. I: J. no. 65 (durchgestrichen), in der Mitte: 9.

Bibliographie

Kat.

  • Ae. Martini - D. Bassi, I, S. 364–365.

Kod.

  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 418.

Text.

  • A. Förster, ed. An., 1912, S. XV (14. Jh.).
  • P. Siwek, ed. An., 1965 (S. 23, 25, 26: Sigel Jc. 14. Jh. Familie K Vater von Oc [Marc. 228]).
  • A. Jannone, ed. An., 1966, S. XXVII, XXX–XXXI (14. Jh. A l'exception de petites variantes attribuables au copiste ou à l'influance d'un autre codex, T ou U [= Vat. 256; Vat. 260]), ce manuscrit accuse la plus grande affinité avec le Vat. 266 [V] ... On en peut conclure à bon droit que V et l'Ambros. E 118 sup. ou bien dérivent l'un de l'autre ou bien, étant tous deux du XIVe siècle, se rattachent à un même prototype disparu. On trouve une recension identique dans le Laurent. 86, 19).
  • Simplikios

    • M. Hayduck, CAG XI (S. VI: Sigel Aa. Teilkollation. Für den kollationierten Beginn des Poömiums [bis S. 4,32] erweist sich Aa als Vater der Aldina-Vorlage Ambr. J. 4).

Quelle

  • Wiesner, Autopsie Juni 1970.