Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Ambr. R 119 sup.

Nachweis: Italien, Mailand, Biblioteca Ambrosiana, Ambr. R 119 sup. (725 Martini–Bassi)
Datierung:

15. Jh. E. – 16. Jh. A. (Aristoteles-Teil; sonst: 16. Jh.)

Beschreibstoff: Papier
Format: 325 × 216 mm (Aristoteles-Teil; sonst: 342 × 235)
Folienzahl: ff. II (ff. 251, 252), 151 (ff. 253–403) (Aristoteles-Teil; sonst: ff. II, 403, III')

Inhalt

  • Ein Konvolut aus heterogenen Bestandteilen in Griechisch, Lateinisch und Italienisch. Die griechischen nicht-aristotelischen Stücke stammen aus dem 16. Jh. und enthalten (zu den Einzelheiten vgl. Martini-Bassi 1906):
    (ff. 7r–30r) Theodoros Metochites, Capita philosophica, De vitis philosophorum, De rebus publicis etc.
    (ff. 34–37) Ptolemaios, Scholien und Auszüge aus seinen Schriften aus Wiener Hss. (z. B. Vind. Hist. 1); vgl. f. 33: Scholia in Almagestum ex libris Busbequij à Th. Sau. [= Thomas Savile] (nach Martini-Bassi 1906).
    (ff. 41v–90v) Homer, Ilias II 1–493 sowie mythologische und grammatische Schemata.
    (ff. 177–170) Titus Prosper Martinengus, Hymnus in Virginem (nach Martini-Bassi 1906 das Autographon; zum Autor [gest. 1594] vgl. M. E. Cosenza 1962, III, S. 2209; V, S. 290; VI, S. 174).
  • (ff. 253–261) 〈Phys.〉, inc. mut. IV 12, 221b 28 ...] ἐν τῷ ἠρεμεῖν, des. mut. VI 1, 231a 25 ἐκ στιγμῶν [... (Am Ende von Buch V hinter 6, 231a 17 ἀντίκειται unmittelbar angefügt noch einmal 230b 29 ὅταν – 231a 3/4 εἴρηται; vgl. zu Mon. 200).
  • (ff. 261–291) 〈Cael.〉, inc. mut. I 10, 279b 27 ...] ἔχειν καὶ μὴ ἀεὶ.
  • (ff. 291r–313V) 〈Gener. Corr.〉.
  • (ff. 313v–341r) 〈An.〉
  • (ff. 341r–351V) 〈Sens.〉 (Einteilung in 3 „Bücher“: bis 440b 28, bis 4, 442b 26 und bis Ende).
  • (ff. 351v–355r) 〈Mem.〉
  • (ff. 355r–359V) 〈Somn. Vig.〉
  • (ff. 359v–363r) 〈Insomn.〉
  • (ff. 363r–364V) 〈Div. Somn.〉, des. mut. 2, 464b 10 κίνησις [...
  • (ff. 365) 〈Long.〉, inc. mut. 6, 467a 20 ...] ἦλθεν.
  • (ff. 365r–367V) 〈Juv.〉
    (ff. 367v–376) 〈Respir.〉
    Juv. und Respir. unmittelbar ineinander übergehend.
  • (ff. 376v–383v) 〈Col.〉
  • (ff. 384–403) 〈Mete.〉, des mut. IV 7, 384b 21 τὸ ὕδωρ [...
    Lücke: I 6, 343a 15 ἐπὶ ταῖς θεριναῖς [...] II 8, 368a 33 τὸ δὲ πνεῦμα (= Verlust von 3 Lagen vor f. 389).
  • Textgeschichtliches

    Der Kodex ist hinsichtlich Zusammenstellung und Abfolge der enthaltenen Traktate ein Zwilling des Ricc. 14. Dieser überlieferungsgeschichtlichen Verwandtschaft entspricht die stemmatische: Nach Stichprobenkollationen aus Col. sind die beiden Hss. Brüder und gehen auf den Vind. phil. 64 zurück, der – abgesehen von zusätzlichen Schriften am Schluss – ebenfalls die gleiche Überlieferungsgemeinschaft aufweist.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • f. 252: Buchstaaben I S, ähnlich Gegenzeichen zu Br. 691 (Engel) (dort aber mit dreiblättriger Blume) (Udine 1570)
  • ff. 253–260: Waage im Kreis mit fünfblättriger Blume, Typ Br. 2588 (Treviso, Venedig 1483).
  • ff. 261–308, 309/315–316: Waage im Kreis mit sechszackigem Stern und Beizeichen A: entfernt ähnlich Br. 2595 (Wien 1528).
  • ff. 311–314, 317–332, 341–403: Anker im Kreis mit Gegenzeichen b, Typ Br. 578 (ohne Gegenzeichen) (Treviso 1509, mit Varianten 1509–1511), M.-T. ohne Beleg, abgebildet bei Harlfinger als ancre 58.
  • ff. 333–340: Kelch mit Oblate, Gegenzeichen Haken oder Buchstabe G (?): Br. ohne Beleg, = Harlfinger, coupe 3 (〈15. Jh. E.– 16. Jh. A.〉); vgl. AGr I, S. 111, 156.

Format

325 × 216 mm (Aristoteles-Teil; sonst: 342 × 235)

Folienzahl

ff. II (ff. 251, 252), 151 (ff. 253–403) (Aristoteles-Teil; sonst: ff. II, 403, III')

Foliierung

Im Aristoteles-Teil oben rechts eine durchlaufende Separatzählung 1 (f. 253) – 151 (f. 403); sie entspricht dem Zustand nach der Mutilierung.

Lagen

17 × 8 (253–388), 1 × 8-1 (395, Bl. 6 fehlt ohne Textverlust), 1 × 8 (403).

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden wohl vom Kopisten auf dem ersten Recto oben rechts und dem letzten Verso unten rechts: ε (ff. 253, 260v), ια (ff. 261, 268v) – κγ (ff. 357, 364v), κε (ff. 365, 372v) – κζ (ff. 381, 388v), λα (ff. 389, 395v), λβ (ff. 396, 403v).

Demnach sind die 4 Lagen α–δ vor f. 253, die 5 Lagen ς–ι vor f. 261, die Lage κδ vor f. 365, die 3 Lagen κη–λ vor f. 389 (mit Textausfall) verloren gegangen; des weiteren fehlt die Schlusslage hinter f. 403v (vgl. die Rubrik „Ursprünglicher Zustand“).

Auf jeder Seite oben Mitte ein kleines Kreuz.

Anzahl der Linien

30

Kopist

Ps.-Hieronymos. Er schrieb den Organon-Kodex Pal. 78, ff. 1–112v. Sein Name begegnet dort auf f. 52 oben in einer gänzlich unorthographischen Notiz einer späteren Hand, die nichts mit dem Kopisten zu tun hat; demnach ist das entsprechende Lemma bei V.–G., S. 162 zu tilgen. Es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen kretischen Schreiber.

Ohne alle Titel und Initialen; Platz dafür ausgespart, ebenfalls für nicht ausgeführte Diagramme zu Mete. auf ff. 386–387.

Am linken Rand von Phys., Cael., Gener. Corr. und An. (bis f. 315 Mitte) von einer späteren Hand eine fortlaufende Paragraphen-Zählung in griechischen Buchstaben (für Phys. z. B. von α bis ξε), die vor der Mutlilierung der Hs. angebracht worden ist; von dieser Hand auch kurze Marginalien auf ff. 255v (rechts), 281, 342v (oben links).

Einband

Bräunlich-gelbliche Pappe, Rücken verstärkt. Buchblock unbeschnitten.

Geschichte

Datierung

15. Jh. E. – 16. Jh. A. (Aristoteles-Teil; sonst: 16. Jh.)

Ursprünglicher Zustand

Die fünf vorhandenen Textlücken entsprechen umfangmäßig genau den oben (Rubrik „Lagen“) angegebenen Quaternionenverlusten. Dabei ist mit dem Ausfall der Lage κδ zwischen ff. 364 und 365 nicht nur das Ende von Div. Somn. und der Anfang von Long., sondern auch die Schrift Mot. An. abhanden gekommen, deren Position zwischen Div. Somn. und Long. in vielen Hss. (so auch in dem oben („Textgeschichtliches“) erwähnten Ricc. 14) bezeugt ist. Das am Schluss der Hs. fehlende Traktatende von Mete. entspricht ziemlich genau dem Umfang von 5 Blättern. Der Lagenverlust hängt offensichtlich damit zusammen, dass die Hs. ungebunden war, wie aus der Verschmutzung der äußeren Seiten der Lagen hervorgeht.

Provenienz

Die Hs. gelangte über die Bibliothek Pinellis in die Ambrosiana.

f. 2: J. ( oder F.) n.o 511; f. IIv: J. (oder F.) n.o 141 (kopfständig); f. II': J. (oder F.) n.o 111.

f. 252 ein Index für den Aristotelesteil mit den Zahlen der separaten Foliierung.

Bibliographie

Kat.

  • Martini-Bassi II, S. 839–841 Nr. 725 (Datierung der ganzen Hs. ins 16. Jh.) .
  • Harlfinger-Wiesner 1964, S. 253.

Kod.

  • Harlfinger, Textgeschichte Lin., 1971, S. 412.

Text.

  • W. D. Ross ed. Phys., 1936, S. 117 (nur erwähnt)
  • P. Moraux ed. Cael., 1965, S. CLXXXIII (nur erwähnt) .
  • Rashed, Überlieferungsgeschichte Gener. Corr., 2001, 304–306 (Ambr. ist unabhängig aus dem Vind. phil. 64 Kopist: Ioannes Rhosos) geflossen, dessen Text aus den Bessarion-Handschriften Marc. 211 und Vat. 258 synthetisiert wurde und der im Atelier des Michael Apostolis mehrfach abgeschrieben wurde: Harv. 17; Mon. 200; Laur. 87,11; Esc. Τ.II.13; Ricc. 14. S. 〈383〉: Stemma.
  • P. Siwek, Mss. An., S. 9 Anm. 1 (nicht herangezogen) .
  • A. Förster, ed. Sens. et Mem., 1942, S. XII, XIII (Geht innerhalb der Klasse b wie mehrere andere Hss. [Vat. 258; Pal. 163; Laur. 87, 11; Ricc. 14; Ambr. A 174 sup.; Mon. 200; Par. 2035 (?)] mit V [Vat. 266] zusammen) .
  • F. H. Fobes, Textual Problems Mete., S. 189 Anm. 3 (s. 190) (nicht eingesehen) .
  • F. H. Fobes, ed. Mete., 1919, S. XXXVII–XXXVIII (nicht eingesehen) .

Quelle

  • Harlfinger, Autopsie 1965; Ergänzungen nach der Literatur