Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Par. gr. 1846

Nachweis: Frankreich, Paris, Bibliothèque nationale de France, Ancien fonds grec, Par. gr. 1846
Datierung:

14. Jh. 2. Viertel

Beschreibstoff: Papier
Format: 278 × 205 mm
Folienzahl: ff. V, 185, III'

Inhalt

  • (ff. 14) Ioannes Philoponos, In Anal. Pr. prooemium (CAG XIII 2, S. 1–9,20). Am Rand einige Lemmata und Diagramme.
  • (ff. 46) Exzerpte aus Euklid, Elementa, alternierend mit Scholien, bisweilen als von 〈Michael〉 Psellos stammend bezeichnet. (Titel im Ms. f. 4V am Rand: ἐνταῦθα εἰσὶ τὰ ζητούμενα θεωρήματα τοῦ γεωμέτρου ὧν ὁ ἀριστοτέλης σποράδην μέμνηται ἐν τῆ πραγματεία τῆς λογικῆς αὐτοῦ ἀποδείξεως). Im einzelnen: Scholien zu II 10–13, Nr. 69, 67, 57, 81, 89 (I. L. Heiberg–E. S. Stamatis, edd. Euklid, Elementa, V 1, S. 184, 8–19; 183, 14–23; 180, 11–18; 187, 18–188, 4; 190, 23–191, 26). Euklid I 10 (Heiberg–Stamatis, I, S. 18, 1–16). Scholion Nr. 49 (Heiberg–Stamatis, V 1, S. 91, 7–18). Euklid I 5 (Heiberg–Stamatis, I, S. 12, 5–13, 21), I 8 (Heiberg–Stamatis, I, S. 15, 22–17,4), I 4 (Heiberg–Stamatis, I, S. 10, 11–12,3), VII 13 (Heiberg–Stamatis, II, S. 119, 17–120,7), V 16 (Heiberg–Stamatis, II, S. 24, 10–25, 14), I 7 (Heiberg–Stamatis, I, S. 14, 20–15, 21). Scholien Nr. 40,16 (Heiberg–Stamatis, V 1, S. 84, 14–85, 24; 167, 18–25). Euklid II 2 (Heiberg–Stamatis, I, S. 69, 2–22). Scholion Nr. 22 (Heiberg–Stamatis, V 1, S. 169, 17–23). Euklid II 3 (Heiberg–Stamatis, I, S. 70, 2–71,3). Scholien 27, 31, 39 (Heiberg–Stamatis, V 1, S. 171, 21–24; 172, 12–20; 175, 3–9). Am Rand einige weitere kurze Scholien und Diagramme.
  • (ff. 6V13) Exzerpte aus Nikomachos 〈von Gerasa〉, Introductio arithmetica (ed. R. Hoche, Leipzig 1866). (Titel im Ms.: ἐνταῦθα τὰ τοῦ ἀριθμητικοῦ νικομάχου θεωρήματα περὶ ἀριθμοῦ περιττοῦ καὶ ἀρτίου καὶ τετραγώνου καὶ κύβου ὧν μέμνηται ὁ ἀριστοτέλης ἐν τῶ πρώτω τῆς ἀποδεικτικῆς). Im einzelnen: I 7,4–13,9 (S. 14,4 περισσός – 34,4 ἀσυνθέτου), II 7,3–8,4 (S. 86,25 ἐπίπεδοι – 91, 22), II 15,1–17,7 (S. 105,5 ἑτέρα – 112,11).
    Am Rand die entsprechenden Auszüge aus 〈Ioannes〉 Philoponos, In Introd. arithm. comm. (ed. R. Hoche, Wesel 1864, 1865, Berlin 1867 mit Ergänzungen durch A. Delatte, Anecd. II, S. 133 sqq.).
  • (ff. 1314) Exzerpte aus Euklid, Elementa: X 114–115 (im Ms. als ιρς und ιρζ gezählt) (Heiberg–Stamatis, III, S. 208, 8–210,19), App. 27–28 (Heiberg–Stamatis, III, S. 231, 10–236, 14), X 5–6 (Heiberg–Stamatis, III, S. 8, 16–11, 15).
  • (f. 15) Michael Psellos, Ἔφοδος σύντομος καὶ σαφὴς τῆς εὑρέσεως τῶν συλλογισμῶν τῶν τριῶν σχημάτων usw., mit den bekannten Merkworten.
  • (ff. 15V185) Anal. Pr. Häufige Interlinearscholien und Diagramme.
    Am Rand und bisweilen alternierend mit dem Text von Anal. Pr. Ioannes Philoponos, In Anal. Pr. comm. (CAG XIII 2).
    Am äußersten Rand zunächst sporadisch (ff. 19, 26V), von f. 27V bis f. 44V kontinuierlich, danach mit Philoponos alternierend Leon Magentinos, In Anal. Pr. comm. Zu dieser Hauptgruppe von Scholien treten folgende weitere Auszüge aus Kommentaren bzw. Scholien: Anonym (mit σχόλιον, ἑτέρου σχόλιον, ἄλλως bezeichnet) z. B. ff. 1, 56, 82, 88, 91, 102, 107, 114 usw.; Ammonios ff. 49V, 69V; Ps.- Themistios f. 62, ausradiert ff. 63, 68; Alexander von Aphrodisias ff. 94118 passim; Michael Psellos ff. 97V118 passim, danach z. B. ff. 151V, 162, 167, 167V, 177V; Neophytos Prodromenos (bisweilen mit dem Monogramm Νεοφύτου μοναχοῦ) ff. 53V, 63, 68V, 101V, 104, 105, 121, 129, 130, 137V, 138, 175V, 177; Ioannes Chortasmenos (f. 151, weitere Scholien von seiner Hand, vgl. Rubrik Provenienz); Angelo Poliziano (f. 38 σημείωσαι· τὰ τοῦ πολιτιανοῦ, ἀγγέλου πολιτιανοῦ); Lateinisches (ff. 22, 38V, 122V, 123V, 125, 126V, 127, 127V, 128, 148V (Politianus erwähnt), 149V).
  • (f. 185V) Nikephoros Gregoras, Τὸ ἡρμοσμένον τοῦ ἁρμονικοῦ κανόνος τέλειον σύστημα. Großes Diagramm mit Erläuterung, inc. οἱ παλαιοὶ τοὺς ἁρμονικοὺς λόγους, des. τὸν τριπλασίονα λόγον καὶ οὕτως ἐφεξῆς.
  • Leer

    f. 14V.

  • Textgeschichtliches

    Unser Ms. ist die Vorlage für Vat. gr. 209 gewesen (vgl. auch unten Bibliographie). Der Kopist von Vat. gr. 209 (14. Jh. 4. Viertel) hat unser Ms. ab f. 15 ganz exakt reproduziert; selbst mise-en-page und Zierwerk stimmen bis in kleinste Einzelheiten überein. Im Vat. gr. 209 folgt nach Anal. Pr. noch Anal. Post. (nur bis I 10, 76a40 erhalten).

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • ff. 14, 1522, 3348, 4951/5456, 129136: Zwei Kreise mit Kreuz I, sehr ähnlich Br. 3165 (Bologna 1329, mit Varianten Pisa 1330–1331, Montpellier 1336), ähnlich M.–T. 2028 (Moskau 1339), = Wz. im Par. gr. 1928, ff. ω / 32 , 131 / 134 .
  • ff. .../56: Adler I, ähnlich Br. 76 (Pisa 1345, mit Varianten Montpellier 1346, Parma 1347, Grenoble 1349), Typ M.–T. 63–64 (belegt J. 1342).
  • ff. 714: Kanne, ähnlich Br. 12471 (Benevento 1345), ähnlich M.–T. 6845 (Italien 1334).
  • ff. 2326/2932, 5764, 73/80, 8188, 97112, 121128, 145152, 161176: Wurst, fast identisch Br. 13600, M.–T. 6956 (Draguignan 1338–1340, mit Varianten Pisa 1340, Grenoble 1342–1350), = Wz. im Par. gr. 1928, ff. 1724 usw.
  • ff. 27/28: Pfeil (Lanze), ähnlich Br. 6262, M.–T. 5067 (Treviso 1340, mit Varianten Italien 1340–1342), = Wz. im Par. gr. 1928, ff. 121 / 128 usw.
  • ff. 52/53, 8996, 114/119: Frucht I, Typ Br. 7372 (Siena 1331–1333), = M.–T. 4270 (Dubrovnik 1335), = Wz. im Par. gr. 1928, ff. 1 / 8 usw.
  • ff. 6572, 153160: Gewicht, ähnlich Br. 12401, M.–T. 6780 (Paris 1343), = Wz. im Par. gr. 1928, ff. 9 / 16 usw.
  • ff. 7479: Frucht II, Typ Br. 73467347 (Italien 1338–1341), Typ M.–T. 4274–4280 (belegt 1336–1348)
  • ff. 113/120, 115118: Adler II, sehr ähnlich Br. 74 (Montpellier 1323?, mit Varianten Italien 1333–1334), ähnlich M.–T. 63 (Spanien 1342).
  • ff. 137144: Osterlamm, Typ Br. 1 (Bologna 1327, mit Varianten vorwiegend Oberitalien 1328–1332), ähnlich M.–T. 4 (Genua 1332), = Wz. im Par. gr. 1928, ff. 9798 / 103104 .
  • ff. 177184: Zwei Kreise mit Kreuz II, sehr ähnlich Br. 3187, M.–T. 2022 (Siena 1328, mit Varianten Oberitalien und Montpellier 1329–1336).
  • Wz. im Vorsatz, ff. II, II': Wappen mit den Buchstaben PS, Typ Br. 96669669, in unserem Ms. ohne Krone (Frankreich 1539–1565), = Wz. im Vorsatz von Par. gr. 1928. f. I V : Hut, = Br. 3404 (Udine 1503, mit Varianten an verschiedenen Orten 1481–1519), fast identisch Ha., chapeau 41 (belegt J. 1506).

Format

278 × 205 mm

Folienzahl

ff. V, 185, III'

Foliierung

Unten rechts eine ältere Foliierung, meist abgeschnitten: 〈225〉 (f. 1)–238 (f. 14), 〈1〉 (f. 15)–171 (f. 185). Dieselbe Foliierung findet sich auch im Par. gr. 1928, der mit f. 224 endet.

Lagen

1 × 8 - 2 2 (IVV, VV, 16, Bl. 1 und 2 fehlen, durch die neueren ff. I VVV ersetzt), 2 × 8 (22), 1 × 10 (32), 14 × 8 (144), 1 × 8 1 (153), 4 × 8 (185) [ursprünglich ... (144), 5 × 8 (184), 1 × 1 (185)].

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden auf dem ersten Recto unten Mitte, vom Kopisten, zum größten Teil abgeschnitten: 〈λδ〉 (f. 7) ... λθ (f. 49) – νε (f. 177), 〈νς〉 (f. 185). Aus dieser Zählung geht hervor, daß unser Ms. ursprünglich am Anfang noch 32 weitere Lagen und Bl. 1–2 der 33. Lage enthalten hat. Dieser hier fehlende Teil ist bis auf 4 Lagen als (Par. gr. 1928) auf uns gekommen (vgl. unten Ursprünglicher Zustand); verlängert man dort die Reihe der ebenso wie hier meist abgeschnittenen Kustoden, so erhält die vorletzte Lage die Zahl λβ, die letzte Lage, die nur aus 2 Bl. besteht, die Zahl λγ, womit der Anschluß an unser Ms. erreicht ist. f. 185 ist das erste Bl. einer Lage, deren übrige Bl. nicht erhalten sind.

Lagensignierung

Lagensignierung mit lateinischen Buchstaben auf dem ersten Recto unten rechts A (F. I V) – Z (f. 178), mit Zählung der Folien, zuletzt Z8 (f. 185). Diese Zählung bezeichnet f. 153 (ursprünglich Bl. 1 der Lage νβ) als T9 und fährt dann mit V (f. 154) fort.

Anzahl der Linien

Lin. 37–50, am äußersten Rand (Scholien) bisweilen bis zu 60; bei Text mit Randkommentar Textzeilen maximal 29, meist jedoch 8–17.

Liniierung

Schema nicht erkennbar.

Kopist

Neophytos Prodromenos〉. Titel, Zierleisten, Lemmata der Kommentare, Kapitelinitialen, einige Scholien, Diagramme und die Kapitelzählung am Rand in kräftigem Hellrot.

Einband

Henri II. Oben auf dem Vorderdeckel: ΙΩΑΝΝΟΥ ΓΡΑΜΜΑ(ΤΙΚΟΥ) ΕΙΣ ΤΑ ΛΟΓΙΚΑ.

Geschichte

Datierung

14. Jh. 2. Viertel

Ursprünglicher Zustand

Unser Ms. bildete ursprünglich den zweiten Teil einer umfangreicheren Hs., die außer Anal. Pr. auch Porphyrios, Isagoge sowie Cat. und Int. enthielt, wie aus dem Pinax f. 185V (von späterer Hand) hervorgeht: εἰσαγωγὴ τοῦ πορφυρίου/ κατηγορίαι τοῦ ἀριστοτέλους/ περὶ ἑρμηνείας ἀριστοτέλους/ βίβλος τῶν προτέρων ἀναλυτικῶν. Aus einer ganzen Reihe von Indizien (vgl. insbesondere Lagenzählung, Wasserzeichen, Foliierung, Inhalt, Kopist mit der ganzen Anlage des Ms. und Provenienz) geht zweifelsfrei hervor, daß der Anfangsteil als Par. gr. 1928 auf uns gekommen ist. Es ist anzunehmen, daß es noch einen weiteren Teil mit Anal. Post., Top. und Soph. El. gegeben hat.

Provenienz

Kloster τοῦ Προδρόμου ἐν τῇ Πέτρᾳ in K/pel (vgl. zu Par. gr. 1928, Rubrik Kopisten und Provenienz). Das Gesamt-Ms. (Par. gr. 1928 und Par. gr. 1846) war in der 1.Hälfte des 15. Jh. noch in K/pel; das zeigen auch in unserem Teil Scholien von der Hand des 〈Ioannes Chortasmenos〉 (ff. 31V, 50V, 62V, 68V, 69, 70V, 93V, 151, 176V (= Exzerpt aus dem Kommentar des Leon Magentinos zu Anal. Pr.)); f. 31V zitiert er Demetrios Kydones, Λόγος περὶ τοῦ συλλογισμοῦ, f. 151 nennt er sich als Autor des Scholions: ἰω(άνν)ου τοῦ χορτ[ασμένου]/ καὶ καθολικοῦ διδασκάλ[ου]. Bis jetzt war dieser Titel für ihn nicht belegt (vgl. H. Hunger, Johannes Chortasmenos, S. 15 mit Anm. 20: Aus einer Notiz des Chortasmenos geht hervor, daß sein Lehrer Michael Balsamon dieses Amt innehatte). Zu Scholien von 〈Georgios Scholarios〉 vgl. Par. gr. 1928.

Das Ms. ist dann in Italien gewesen: ff. 38, 115V trug 〈Angelo Poliziano〉 (Harlfinger) einige Bemerkungen ein, und an mehreren Stellen finden sich lateinische Marginalien (vgl. oben Inhalt). Daß unser Ms.-Teil zusammen mit Par. gr. 1928 auch dem Giovanni Francesco Torresano d' Asola gehört hat, ist nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich; eine f. 1 unten ausradierte Besitzernotiz könnte seinen Namen genannt haben (es ist nur noch zu lesen L..... Fr.....). Zu ihm und seiner Bibliothek vgl. unten zu Par. gr. 1928.

Ältere Signaturen: f. V V oben: unter einem nicht sicher zu deutenden lateinischen Wort die Zahl XXV; f. 1 oben: MCXV (Rigault), 1215 (Dupuy), 2636 (Clément). Auf dem Spiegel mit Signatur 2636 Inhaltsverzeichnis von 〈Du Cange〉 mit Ergänzung durch 〈Sevin〉. f. 1 oben rechts folgende Zahlen: 234, 56, 95, 78.

Reproduktionen und Digitalisate

  • Par. gr. 1846 (vollständiges Digitalisat (vom Mikrofilm) der Bibliothèque nationale de France)

Bibliographie

Kat.

  • Catal. Codd. Mss. Bibl. Regiae, II, S. 410.
  • H. Omont, II, S. 152

Text.

  • Philoponos: ed. M. Wallies, CAG XIII 2, S. XXVI (Philopono aliorum scholia admista sunt eadem quae in cod. Y [= Vat. gr. 209] inveniuntur. Unser Ms. ist Y sehr ähnlich, sogar die Zählung der Scholien stimmt überein) .
  • Ammonios, Themistios: V. Rose, Über eine angebliche Paraphrase des Themistios, in: Hermes 2, 1876, S. 191–213, dort S. 208–109 (Zuschreibung des Scholions f. 62 an Themistios nur ein Versehen) .
  • M. Wallies, CAG IV 6, S. XII, XIV (durch Druckfehler hier versehentlich als Parisinus 209 bezeichnet. Enthält dieselbe scholiorum farrago wie Vat. gr. 209; für Ammonios ohne Wert, ebenso wie das Themistios-Scholion ex Alexandri commentario misere conflatum) .

Quelle

  • Reinsch, Autopsie Mai 1968