Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Par. gr. 1897 A

Nachweis: Frankreich, Paris, Bibliothèque nationale de France, Ancien fonds grec, Par. gr. 1897 A
Datierung:

13. Jh. 4. Viertel (außer ff. 8188V: 14. Jh. M.)

Beschreibstoff: Bombyzin (außer ff. 8188: Papier)
Format: mm 250/60 × 162 (ff. 120, 142 kleiner)
Folienzahl: ff. V, 251, IV'

Inhalt

  • (ff. 912V, 18V, 1329V) 〈Ammonios, In Porph. Isag. comm.〉 (CAG IV 3). Lücken: S. 15,21 φοβ[οῦ...] ποσὸν S. 19,18 (= Verlust von 1 Bl. nach f. 12V). S. 51,1 ἵνα [...] ἑπτὰ S. 59,13 (= Verlust von 2 Bl. nach f. 8V). Auslassung: S. 25,9 δεύτερον 1 [...] καὶ ἀναλυτικά S. 26,15 (Platz auf f. 2Vausgespart).
  • (ff. 3034V) 〈Porphyrios, Isagoge〉, inc. mut. ...] σαφὲς S. 4,14 (= Verlust von 3 Bl.), des. mut. S. 10,17 ἀναίσυητος [... (= Verlust von ca. 2 Quaternionen, der auch den Anfang von Cat. betrifft). Häufige Marginalscholien (z. T. in Form byzantinischer Zwölfsilber, wahrscheinlich aus dem Kommentar des Ioannes Tzetzes), inc. εἰς πίστιν αὐτοῦ τοῦ πραόφρονος πλέον | ὄντας [παράφρονος πλέον· ὄτνως Vind. phil. 300] ὁποίους ἡ θεοῦ δίκη βλέπει, und Diagramme.
  • (ff. 3552) 〈Cat.〉, inc. mut. ...] ἐν δὲ τῷ 6, 5b25 (Zum Verlust vgl. oben zu Porph.). Einige Interlinearglossen sowie sehr häufige Marginalscholien, teilweise aus Ammonios, In Cat. comm. (z. B. f. 35 aus Ammonios, CAG IV 4, S. 63,11 sqq.). f. 52V Scholien zu Cat. (inc. τὸ μέγα καὶ τὸ μικρὸν τῶν πρός τι λέγεται· καθ᾿ αὐτὸ δὲ μέγα καὶ μικρὸν λέγεται ἕκαστον κατὰ τὴν [ἰδ]ίαν μεγέθυνσιν καὶ σμίκρυνσιν) und Int. (inc. περὶ ἑρμηνείας ἡ παροῦσα πραγματεία ἐπιγέγραπται διότι περὶ ἀποφατικῶν λόγων περιλαμβάνει).
  • (ff. 5372V) Int., des. mut. 14, 24a3 φανερὸν δὲ [... (= Verlust von 1 Bl.). Häufige Interlinearglossen sowie sehr häufige Marginalscholien, u.a. Michael Psellos, In Int. paraphr. (Titel f. 53: σύνοψις καὶ μετάφρασις σαφεστάτ(η) τῆς διδασκαλίας τοῦ περὶ ἑρμηνείας τοῦ σοφωτάτου ψελλ(οῦ), inc. οὐχ ὅτι ὁ σκοπὸς τοῦ περὶ ἑρμηνείας διαλαμβάνει περὶ προτάσεων.
  • (ff. 73136) Anal. Pr., des. imperf. II 15, 64a33/34 ἀντικείμενα [... Lücken: I 26, 43a3 μηδενὶ [...] κατ᾿ ἄλλων 27, 43a29 (= Verlust von 1 Bl. nach f. 104V). II 3, 55b26 οἷον [...] ἡ δ᾿ ἐν μέρει 56a31 (= Verlust von 2 Bl. nach f. 126V). Einige Interlinearglossen, häufige Marginalscholien (ff. 8188V nur selten) und einige Diagramme (ff. 8188V häufig). f. 120V (kleineres Blatt) nur Scholien. Erstes Scholion (f. 73) inc. δʹ ταῦτα εἰσὶ δι᾿ ὧν πεῖσαι τὶς δύναται· συλλογισμός, ἐπαγωγή, ἐνθύμημα καὶ παράδειγμα. ἀντιστροφὴ ὅρου ὡς τὸ πατὴρ υἱοῦ πατὴρ καὶ υἱὸς πατρὸς υἱός, ἀντιστροφὴ προτάσεως ὡς τὸ οὐδεὶς ψωμὸς μάχαιραν τέμνει καὶ οὐδὲν μάχαιραν τέμνον ψωμός. Erstes Scholion des Kopisten a (f. 84) inc. περὶ τῶν τεσσάρων συζυγιῶν λέγει τῶν ἐξ ἀμφοτέρων καθόλου προτάσεων.
  • (ff. 137156V, 160166V, 157159V) Anal. Post. Lücke: I 33, 89b4 ζῷον [...] οἱ δ᾿ οὐ καθόλου II 3, 90b5 (= Verlust von 1 Bl. vor f. 160). Häufige Interlinearglossen, Marginalscholien sowie einige Diagramme. f. 142V (kleineres Blatt nur Scholien. Erstes Scholion (f. 137) inc. τί ἐστιν ἀπόδειξις; συλλογισμὸς ἐπιστημονικὸς δι᾿ αὐτοπίστων καὶ ὁμολογουμένων λόγων λαμβανόμενος. Danach abgesetzt: ἀριστοτέλης θέλων διδάξαι περὶ ἀποδείξεως οὐκ ἀμέσως ἐπὶ τὴν τούτου διδασκαλίαν ἐχώρησεν.
  • (ff. 167235V) Top. Nur selten kurze Interlinear- und Marginalscholien.
  • (ff. 236251V) 〈Ps.-Alexander von Aphrodisias (= Michael Ephesios), In Soph. El. comm.〉 (CAG II 3) (Titel im Ms.: ἐξήγησις ἐφεσίου τοὺς σοφιστικοὺς ἐλέγχους), des. S. 100,12 ὁ βούλεται. Darunter (rot): τέλος σὺν θεῶ τῶν σοφιστικῶν ἐλέγχων, danach wohl von anderer Hand (ebenfalls rot): ἡμίσεως. Danach (11 Zeilen) ein Scholien-Fragment.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Bombyzin (außer ff. 8188: Papier)

Wasserzeichen

  • ff. 8188: Zwei Kreise mit Kreuz, ähnlich Br. 3190 (Siena 1349–1351), ähnlich M.–T. 2042 (belegt um J. 1350).

Format

mm 250/60 × 162 (ff. 120, 142 kleiner)

Folienzahl

ff. V, 251, IV'

Lagen

Das Ms. ist restauriert und neu gebunden, wobei die Blätter z. T. auf Onglets geklebt wurden. Dabei wurde die ursprüngliche Lagenanordnung nicht beachtet. Die hier angegebene Verteilung ist mit Hilfe der alten Lagensignierung erschlossen worden. 1 × 8 - 1 (912, 13, Bl. 5 fehlt mit Textverlust), 1 × 8 - 2 (48, 13, Bl. 6–7 fehlen mit Textverlust), 1 × 6 (19), 1 × 10 (29), 1 × 8 - 3 (34, Bl. 1–3 fehlen mit Textverlust), 3 × 8 (58), 1 × 10 - 1 (67, Heftfaden nach Bl. 4, kein Textverlust), 1 × 6 - 1 (72, Bl. 6 fehlt mit Textverlust), 3 × 8 (96), 1 × 10 - 1 (105, Bl. 9 fehlt mit Textverlust), 1 × 8 (113), 1 × 8 + 1 (122, Bl. 7 dazugebunden), 1 × 8 - 2 (128, Bl. 5–6 fehlen mit Textverlust), 1 × 6 (134), 1 × 2 (136), 1 × 8 + 1 (145, Bl. 6 dazugebunden), 1 × 12 - 1 (156, Heftfaden nach Bl. 5, kein Textverlust), 1 × 8 - 1 (160166, Bl. 1 fehlt mit Textverlust), 1 × 4 - 1 (157159, Bl. 4 fehlt ohne Textverlust), 1 × 8 (167174), 1 × 4 (178), 4 × 8 (210), 1 × 10 (220), 1 × 8 (228), 1 × 8 - 1 (235, Bl. 8 fehlt ohne Textverlust), 2 × 8 (251).

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden

(1) auf dem ersten Recto unten links und auf dem letzten Verso unten rechts wohl vom Kopisten A: 〈α〉 (f. 9), 〈β〉 (f. 4), 〈γ〉 (f. 14), δ (f. 20, f. 29V).

(2) Auf dem ersten Recto unten Mitte, vom Kopisten B: ς (f. 35), ζ (f. 43) ... θ (f. 59) ...ια (f. 73) ... ιγ (f. 89), ιδ (f. 97), ιε (f. 106)... ιθ (f. 135), κ (f. 137) ... κγ (f. 157), κδ (f. 167), κε (f. 175), κς (f. 179) – λβ (f. 229). Diese Reihe setzt nicht die des Kopisten A fort, da vor f. 35, wie aus dem Umfang des dort verlorenen Textes zu schließen ist, ca. zwei Quaternionen abhanden gekommen sind.

(3) Auf dem ersten Recto und auf dem letzten Verso unten Mitte, von späterer Hand: β (f. 51) – κη (f. 244). Diese Zählung stimmt in der Abgrenzung der Lagen mit Zählung (2) nicht immer überein; sie ist auf jeden Fall nach der mechanischen Umstellung der ff. 160166 angebracht worden, da sich in diesem Bereich folgende Kustoden finden: ις (f. 157), ις (f. 160), ιη (f. 167).

(4) Eine einzelne Kustode, offenbar vom Kopisten A: ιβ (f. 123 unten Mitte); nach Zählung (2) wäre dort die Kustode ιζ zu erwarten.

(5) Auf dem ersten Recto unten rechts und auf dem letzten Verso unten links, nicht vom Kopisten: ς (f. 19V), ζ (f. 20, f. 29V).

(6) Auf dem ersten Recto unten Mitte, nicht von Kopisten: Rest (f. 35), δ (f. 43)

.

(7) Auf dem ersten Recto unten links und dem letzten Verso unten rechts, nicht vom Kopisten: α (f. 50V), β (f. 51).

Lagensignierung

Lagensignierung mit westlichen Ziffern auf dem ersten Recto unten links: 1 (f. 1), 2 (f. 14), 3 (f. 20) – 33 (f. 236), Rest (f. 244). Diese Signierung stimmt in der Lagenabgrenzung meistens mit Zählung (3) überein; sie zählt entsprechend 21 (f. 157), 22 (f. 160), 23 (f. 167).

Anzahl der Linien

Lin. 32–43 (ff. 129); 13–29 Grundtext, 45–50 Scholien (ff. 30235); 42 (ff. 236251)

Liniierung

ff. 129: Schriftrahmen, dessen einfache obere und untere Begrenzungen von Blattrand zu Blattrand reichen, die senkrechten Begrenzungslinien dazwischen doppelt. ff. 3080: Doppelter Schriftrahmen (für Grundtext und Scholien); senkrechte Begrenzungen für den Grundtext doppelt. ff. 8188: Oben einfache Begrenzungen über das ganze Blatt; davon ausgehend senkrecht bis zum unteren Blattrand je eine einfache Begrenzung für den Grundtext und die Scholien. ff. 89251 Schema nicht erkennbar.

Kopist

A. ff. 129V. Lemmata, Initialen sowie einige Diagramme in verblasstem Blaurot.

B. ff. 30166V (außer f. 92), 171V207 (außer f. 183). Duktus sehr ähnlich dem des Paulos (vgl. A. Turyn, Dated Greek Mss., Taf. 39 = f. 354V des Ambros. F 104 sup. vom J. 1286/7, wahrscheinlich in Makedonien geschrieben). Scholien zu Porphyrios am oberen und unteren Rand in 4 Kolumnen geschrieben. Zwischentitel und einige Interlinearglossen sowie die Psellos-Paraphrase zu Int. in verblasstem bläulichen Rot. Zierinitialen.

C. f. 92.

D. ff. 167171, 216235V. Zierinitialen an den Buchanfängen.

E. f. 183.

F. ff. 207V215V.

G. ff. 236251V. Lemmata z. T. rot.

Alle diese Kopisten sind Zeitgenossen, und zumindest B–F gehören sicher in dasselbe Skriptorium.

H. ff. 8188V, von I 8, 29b29 bis 15 33b34 ὑπάρχειν.

Mitarbeiter des Nikephoros Gregoras (Bianconi).

a. ff. 8188V Marginalscholien.

Nikephoros Gregoras (Bianconi)

b. ff. 8188V Marginalscholien und Diagramme, teilweise in hellem, kräftigem Rot.

Einband

Braunes Leder auf Pappe, hohler Rücken, echte Bünde. Auf beiden Deckeln umlaufende Goldranke. Rücken rotes Leder mit goldenen Zierranken, Lilien usw. Im obersten Feld Monogramm von Charles X; unten: R.é P.r Lefebvre.

Erhaltungszustand

Der Codex ist insgesamt stark restauriert und neu gebunden; insbesondere ff. 118 an den Rändern stark beschädigt, ff. 236251 zerfressen, ff. 245251 fehlt im unteren Bereich jeweils bis zu einem Drittel des Blattes.

Geschichte

Datierung

13. Jh. 4. Viertel (außer ff. 8188V: 14. Jh. M.)

Provenienz

Von einer mit den Kopisten B–F gleichzeitigen Hand (höchstwahrscheinlich identisch mit Kopist C) stammen f. 186V unten zwei Zwölfsilber, die einen Panaretos preisen: ὠφθεὶς καθαρώτατος ἡλίου δίκην / πανάρετε θρύλλημα τῶν ὁμηλίκων. Weiterhin der Anfang eines Freundschaftsbriefes f. 179 unten: ἤρκει μὲν ἡμῖν καὶ πρότερον ἑκατέρους, τὸ πρὸς ἀλλήλους παραστῆσαι φιλίας ἐμπύρευμα· τὸ τοῖς αὐτοῖς ἀμφοτέρους χαίρειν καὶ μὴ θάτερον ἡμῶν εἶναι θατέρῳ λογίζεσθαι. οὐχ ἥκιστα δὲ νῦν ὅτε (bricht hier ab). Vielleicht ist zu lesen: ... μὴ θάτερον ἡμῶν ἐναν〈τία〉 θατέρῳ λογίζεσθαι … Die Zwölfsilber sind die Fortsetzung der Freundschaftsadresse; sie werden mit einem Kreuz abgeschlossen, das dem auf f. 179 vorangehenden entspricht. Der Text befindet sich auf der Außenseite des äußeren Bifoliums des 26. Heftes; er wurde vielleicht beim (Neu-)Binden eingefügt.

Das Ms. wies offenbar schon im 14. Jh. Lücken auf und ist daher an einer Stelle vom Kopisten H ergänzt worden. Von der Hand b, die auf diesen ergänzten Blättern Diagramme und Scholien eintrug, stammt wohl auch die Notiz auf f. 136, die auf einen heute im Ms. nicht mehr vorhandenen Nachtrag von 9 Blättern mit dem fehlenden Rest von Anal. Pr. II aufmerksam macht: ζ(ή)τει τὸ λεῖπον μέχρι τῆ ἀποδεκτικῆς φύλλ(α) θ νεόγραφα ἐν ἀρχῆ τοῦ βιβλίου.

An verschiedenen Stellen des Ms. unorthographische Eintragungen (Rechnungen, fromme Sprüche etc.) von späteren Händen besonders ff. 88, 120, 136V, 142, 235V. Am Ende des 15. Jh. befand sich das Ms. wahrscheinlich in Florenz; es diente zu dieser Zeit als Vorlage für Par. 2020 (Kopist 〈Michael Souliardos〉). Vgl. unten S. ##.

Reproduktionen und Digitalisate

  • Par. gr. 1897 A (Vollständiges Digitalisat der Bibliothèque nationale de France)

Bibliographie

Kat.

  • Catal. Codd. Mss. Bibl. Regiae, II, S. 623.
  • H. Omont, II, S. 160.

Kod.

  • M. Rashed, Die Überlieferungsgeschichte der aristotelischen Schrift De generatione et corruptione, Wiesbaden 2001 (Serta Graeca 12), 234–236 (Par. 1897A bildet mit Par. 1859 eine „Aristoteles-Edition aus den ersten Jahren des 14. Jhs.“. Der auf f. 186v angesprochene Panaretos ist vielleicht mit einem Briefpartner des Planudes identisch; auch der gleichnamige Subskribent des Laur. 81,1 könnte gemeint sein).
  • D. Bianconi, Le pietre e il ponte ovvero identificazioni di mani e storia della cultura, Byzantinistica, 2006, 135–181 (Par. 1897A ist das bisher einzige mit Nikephoros Gregoras in Verbindung zu bringende Organon-Manuskript; G. hat einige Annotationen hinterlassen [149-150, Tafel X = f. 82v]. Das 12. Heft wurde durch einen Mitarbeiter des G. restauriert´, den B. in diversen philosophischen, astronomisch-astrologischen und patristisch-theologischen Manuskripten identifiziert [147–151]).
  • P. Golitsis, Copistes, élèves et érudits: la production de manuscrits philosophiques autour de Georges Pachymère, A. Bravo García, I. Pérez Martín, J. Signes Codoñer (Hgg.), The Legacy of Bernard de Montfaucon: Three Hundred Years of Studies on Greek Handwriting. Proceedings of the seventh International Colloquium of Greek Palaeography (Madrid-Salamanca, 15-20 september 2008), Turnhout, 2010, 157–170, 757–768 (G. bezieht „πανάρετε“ in dem Zwölfsilbler f. 186v als Epitheton auf Georgios Pachymeres; auch die Freundschaftsadresse f. 179v sei an ihn gerichtet.)

Text.

  • Ps.-Alexander: ed. M. Wallies, CAG II 3 (Sigel R. S. XXII: gehört zusammen mit K [= Par. 1843], La [= Par. 2019], Q [= Par. 1918], N [= Esc. Φ.III.10] und V [= Vat. 1770] zur 2. Hss.-Klasse. Endet mit denselben Worten (S. 100,12) wie N und Q. Kollationiert von C. Kalbfleisch. S. XVIII–XXI: Specimina von Lesarten) .

Quelle

  • Reinsch, Autopsie Juni 1968.
  • CAGB (Ergänzungen)