Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Par. gr. 1921

Nachweis: Frankreich, Paris, Bibliothèque nationale de France, Ancien fonds grec, Par. gr. 1921
Datierung:

um 1360

Beschreibstoff: Papier
Format:
Folienzahl: ff. 288

Inhalt

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • Keine Wz. auf den Textseiten. Einige Leerseiten, die vermutlich aus anderer Papiercharge ergänzt wurden, enthalten Wz., z. B. f. 201: Sirene (vgl. M.-Tr. 7001, Siena 1361). Dieses Zeichen findet sich auch auf den Leerseiten in Coisl. 166 (ff. 454, 456, 458, 460, 461, 472, 475, 476).

Format

Folienzahl

ff. 288

Kopist

A. Malachias (sog. Anonymus Aristotelicus). Mikrographische Schrift: Buchstabenhöhe im Haupttext 2-3 mm, im Scholienbereich 1-2 mm, in der 2. Scholienschicht (äußerer Rand) sowie bei den Interlinearien max. 1 mm. M. verwendet verschiedene Tinten: a. braun für den Haupttext und eine erste Schicht von Glossen und Scholien b. rot für Titel, Initialen (auch Zitationen im umlaufenden Kommentar), Zitationszeichen am Rand des Kommentartextes, Schlussformeln, Verweiszeichen sowie für eine weitere Schicht interlinearer Glossen und einzelne Scholienblöcke (ggf. zwischen Text und Kommentar) c. schwarz für zusätzliche Anmerkungen.

B. f. 34 Zeitgenössischer Kopist, Schrift etwas kleiner, runder und geneigter als A.

Zahlreiche Marginalien (Korrekturen, Exzerpte), v. a. im Bereich von Hist. An. von Johannes Argyropulos. Einzelne Marginalien (Korrekturen, Lesarten) von Ioannes Chortasmenos (f. 12v, marg. inf.: Variante zu Hist. An. 493a 12–14), Matthaios Kamariotes (f. 25r).

Ergänzungen zum Textbestand

Logische Schemata zur Theorie der Wahrnehmung; Stichpunkte zu verlorenen und erhaltenen Büchern zur Seelenlehre des Aristoteles (f. 141v).

Diagramme zum Aristotelestext bzw. den Kommentaren, z. B. f. 100v (Inc. An., separat zwischen Kommentar und Haupttext); ff. 101v-102r (Inc. An., im Kommentar Michaels); f. 102r (im Text, wie Marc. 237); f. 173v, f. 174rv (Mem.); … f. 191r (Juv.; cf. CAG XXII 1, 104, 31–32); f. 199r (Respir.: Lage der Kiemen zum Herzen).

Geschichte

Datierung

um 1360

Entstehung

Zum Aufbau des Par. 1921 aus der schrittweisen Integration heterogener Elemente vgl. Wiesner 1981, 234–236. Zwischen Inc. An. und die von Michael kommentierten Parva naturalia (Mem., PN II) wurden An. und Sens. eingeschaltet; die auf f. 105v an Inc. An. anschließende Einleitung zu Michaels Kommentar von Mem. blieb dabei stehen.

Eine komplette Lage (ff. 186–201: Schluss von Mot. An. ab 702b 27, Long., Iuv.) wurde im Par. durch den Kopisten ersetzt; die ausgesonderte Lage ist in dem Malachias-Kodex Parisinus Coisl. 166 als ff. 485–492 eingebunden. Äusserer Anlass der Ersetzung war wohl ein Feuchtigkeitsschaden, der die ursprünglichen Blätter partiell unlesbar gemacht hatte. Die Ersetzung steht aber auch im Zusammenhang mit der fortgesetzten Bemühung des gelehrten Schreibers um eine verbesserte Textform auf erweiterter Quellenbasis: Die Dublette von Sens (ff. 144–169) stammen nach Ausweis des Papiers, des mise-en-page und der Tinte ebenfalls aus der Phase des Coisl. Auch die Scholien stammen aus unterschiedlichen Quellen (vgl. Wiesner 1981, 235-236).

Par. 1921, Coisl. 161 und Hieros. St. Sepul. 150 bildeten eine „Gesamtausgabe“ des Corpus Aristotelicum, die im Umfeld der Patriarchatsschule in Konstantinopel entstanden ist. Die zahlreichen interlinearen Glossen, die Koordination von Kommentar und Haupttext durch Verweiszeichen etc. sowie auch der unsaubere, von Abkürzungen durchsetzte Charakter der Schrift zeigen, dass es sich um Arbeitsexemplare eines Gelehrten oder eher eines Lehrers an einer hauptstädtischen Schule handelt (vgl. Cacouros 1998, 195–198 zum Erscheinungsbild des Par. 1921). Malachias lässt sich auch die Reihenfolge der Texte in einem Curriculum angelegen sein, wie der Hinweis im Anschluss an Mot. An. und vor Long. (f. 187v) zeigt: τοῦτο ἀναγινώσκειν χρῆ μετὰ τὸ Περὶ ζῴων γενέσεως.

Provenienz

Pinax von der Hand des Malachias für den Grundstock des Bandes auf f. 66, Überschrift + ὁ πίναξ τῆς βίβλου τῆςδε: +.

Die Manuskripte des Malachias befanden sich nachmals im Besitz des Johannes Chortasmenos (ca. 1370 – ca. 1436/37), der sie wiederum seinem Schüler Georgios Scholarios zur Verfügung stellte; auch dessen Schüler Matthaios Kamariotes nahm Eintragungen (Korrekturen, Lesarten) im Par. 1921 vor. Später wurde Par. (durch Bessarion?) nach Italien überführt und dort sowohl von Johannes Argyropulos (Korrekturen, Exzerpte zu Hist. An.) als auch von Bessarion selbst benutzt (Berger 2005, 82; 143–144: Par. war für Hist. An. eine der Korrekturvorlagen des Marc. 200).

Reproduktionen und Digitalisate

  • Par. gr. 1921 (vollständiges Digitalisat der Bibliothèque nationale de France)

Bibliographie

Kod.

  • D. Bianconi, La biblioteca di Cora tra Massimo Planude e Niceforo Gregora. Una questione di mani, Segno e testo 3, 2005, 391-438 (401–402 Anm. 28)
  • M. Cacouros, Néophytos Prodromènos copiste et responsable (?) de l’édition quadrivium – corpus aristotelicum du 14e siècle, Revue des études byzantines 56, 1998, 193-212
  • B. Mondrain, La constitution de corpus d'Aristote et de ses commentateurs aux XIIIe-XIVe siècles, Codices manuscripti 29, 2000, 11-33
  • B. Mondrain, A. Rigo, L'ancien empereur Jean VI Cantacuzène et ses copistes, in: Gregorio Palamas e oltre. Studi e documenti sulle controversie teologiche del XIV secolo bizantino, Florenz 2004, 249-295, pl. V-XII (Identifikation des Anonymus Aristotelicus als Ἱερομόναχος Malachias).
  • J. Wiesner, Zu den Scholien der Parva Naturalia des Aristoteles, Praktika Pankosmiu Synedriu „Aristotelēs“ Thessalonikē 7–14 Augustu 1978/ Proceedings of the World Congress on Aristotle Thessaloniki August 7–14, 1978, Bd. I, Athen 1981, 233–237.

Text.

  • Sigle m in den modernen Aristoteles-Editionen.
  • A. Escobar, Die Textgeschichte der aristotelischen Schrift Peri enypnion, Diss. Berlin, Freie Universität 1990.
  • F. Berger, Bemerkungen zur Überlieferungsgeschichte der aristotelischen Schrift De Incessu Animalium, F. Berger, C. Brockmann, G. De Gregorio, M. I. Ghisu, S. Kotzabassi, B. Noack (Hgg.), Symbolae Berolinenses. Für Dieter Harlfinger, Amsterdam 1993, 23–42 (m bietet für Inc. An. einen kontaminierten Text, wobei sich das Verhältnis der beiden Familien vom Anfang zum Ende der Schrift umkehrt. Einige gemeinsame Lesarten mit Laur. 87,4 (Ca) weisen in die stemmatische Region, in der auch der Text des Michael von Ephesos situiert ist).
  • A. Roselli ed. Aristotele, De spiritu, Pisa 1992 (m ist für Spir. aus dem gleichen Stammvater wie Marc. 214 (Ha) und Vat. 253 (L) geflossen).
  • F. Berger, Die Textgeschichte der 'Historia Animalium' des Aristoteles, Serta Graeca 21, Wiesbaden 2005 (201 Stemma: m stammt indirekt aus dem Stammvater γ der kontaminierenden „Vulgata“; 133-134: Beispiele für Korrekturen im Mosq. 240 aufgrund von Par. 1921; umgekehrt wurden auch Lesarten aus Mosq. in Par. 1921 übernommen; 144 Anm. 533: Für Mot. An. war die Vorlage von m entweder Ambr. H 50 sup. selbst oder eine verwandte Handschrift, die der Gruppe von Marc. 214 (Ha) und Vat. 253 (L) vorausliegt).
  • D. Bloch, The text of Aristotle' De sensu and De memoria, Revue d'histoire des textes 3, 2008, 1-58 (Vorlage von m für Sens. und Mem. war ein kontaminierter Bruder von Ambr. H 50 sup. (X), der mit der Vorlage von Vat. 253 (L) und Marc. 214 (Ha) einen Zweig der Familie β bildet).
  • Alexander

    • Alexandre d’Aphrodisias, Commentaire sur le traité d’Aristote De sensu et sensibili, édité avec la vieille traduction latine par Charles Thurot, Paris 1875 (Notices et extraits des manuscrits de la Bibliothèque nationale et autres bibliothèques 25, 2)
    • Alexandri in librum De sensu commentarium ed. P. Wendland, Berlin 1901 (Commentaria in Aristotelem Graeca III, 1), VII, IX–X, XIV (Die Exzerpte am Anfang des Kodex gehören, bei leichter Kontamination, der Handschriftenklasse α an, der hauptsächlich auf einer mittelalterlichen lateinischen Übersetzung und Annotationen aus dem 17. Jh. in einem Pariser Exempar der Aldina [BnF, R 109.1] basiert; der vollständige Text auf ff. 146–169v gehört zur zweiten, durch zahlreiche Textlücken verderbten Klasse β. W. verkennt die Zusammengehörigkeit der Exzerpte auf ff. 142–145v mit denen am Anfang des Buches).

Quelle

  • CAGB (nach der Literatur, tw. am Digitalisat kontrolliert).