Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Par. gr. 2507

Nachweis: Frankreich, Paris, Bibliothèque nationale de France, Ancien fonds grec, Par. gr. 2507
Datierung:

14. Jh., etwa 8. Jahrzehnt

Beschreibstoff: Papier
Format: 216 × 144 mm
Folienzahl: ff. VI, 206, VI'

Inhalt

  • (ff. 124V, 3339) Ps.-Heliodoros, In Paulum Alexandrinum commentarium (ed. Ae. Boer, Leipzig 1962).
  • (ff. 2531V) Astrologisches (vgl. Codd. astrol. VIII 4, S. 47).
  • (ff. 4178) Auszüge aus Hephaistion, 〈Paulos Alexandrinos, Porphyrios, Theophilos von Edessa, Maximos〉 und anderes Astrologisches (vgl. Codd. astrol. VIII 4, S. 47–61; Hephaistion Theb., ed. D. Pingree, II, Leipzig 1974, S. XIII; Paulos Alexandrinos, ed. Ae. Boer, Leipzig 1958, S. IX, 46–47).
  • (ff. 79101V), 113V134) 〈Albumasar, De revolutionibus nativatatum〉 (ed. D. Pingree, Leipzig 1968), mit zahlreichen Umstellungen und Vertauschungen (auch vorlagenbedingt) (vgl. Pingree S. XI–XII, mit kleinen Unkorrektheiten); zu mechanischen Lücken vgl. oben ‚Lagen'.
  • (ff. 101V113V) 〈Rhetorios〉 und anderes Astrologisches (vgl. Codd. astrol. VIII 4, S. 62–63).
  • (ff. 135139V) Mech. in einer überarbeiteten Fassung (Titel im Ms.: αἰτιολογία τῆς τῶν μηχανικῶν ἐνεργίας, ὥς τιωεσ λέγουσιν ἀριστοτέλους), des. imperf. 23, 855a28; absichtliche Auslassung: 1, 849b7 μείζονα ἄρα περιφέρειαν διελήλυθε τὴν ΒΓ τῆς ΧΞ [...] 9, 852a14 διὰ τί τὰ ... αἱρόμενα. Geometrische Zeichnungen im Schriftspiegelraum ff. 135V136V, 138; nicht ausgeführt ff. 138V, 139. Mit οἶμαι eingeleitete Randnotiz f. 137 zu 11, 852a29.
  • (ff. 140141) Ps.-Ptolemaios, Fructus (ed. Ae. Boer, Opera omnia, III 2), des. imperf. nach § 72 (Boer, S. 53,19).
  • (ff. 144206V) In Claudii Ptolemaei Quadripartitum Exegesis (ed. H. Wolf, Basel 1559, S. 1 sqq.), des. mut. S. 155 λαμβάνει δὲ τὰς τοιαύτας τῶν σκέψεων [... (= Lagenverlust hinter f. 206).
  • Leer

    ff. 32 RV, 39V40V, 76 RV, 104 RV, 134 RV, 141V143V, 201V202V.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • ff. 124, 3339, 35/38, 42/47: Horn, Br. und M.–T. ohne Beleg. ff. 41/48 dasselbe Papier ohne Wz.
  • ff. 2531, 176206: Bogen mit Pfeil, Br. ohne Beleg, entfernt ähnlich M.–T. 367 (belegt J. 1370/80) und 368 (Split 1370, mit Variante 1372), ähnlich Ha., arc ## (belegt für J. 1370).
  • ff. 43/46, 49133: Basilisk in zwei Varianten, (A) sehr ähnlich Br. 2629 (Florenz 1375–1377, mit Variante Siena 1376), ähnlich M.–T. 1021 (Siena 1376, mit Variante Dubrovnik 1380) und 1022 (Dubrovnik 1377, mit Varianten Florenz 1377–1378, Dubrovnik 1364, 1371), (B) (z. B. ff. 85/88) Br. ohne Beleg, entfernt ähnlich M.–T. 1026 (belegt J. 1375/85), ff. 134/143 dasselbe Papier ohne Wz.
  • ff. 135142, 144175: Dreiberg, Br. und M.T. ohne Beleg.

Format

216 × 144 mm

Folienzahl

ff. VI, 206, VI'

Lagen

3 × 8 (24), 1 × 8 - 1 1 (32, Bl. 8 ersetzt), 1 × 8 - 1 1 (40, Bl. 8 ersetzt), 4 × 8 (72), 1 × 6 (78), 1 × 8 (ß) – 5 (81; 3 aufeinander folgende Bl. wahrscheinlich einer einzigen Lage, mit Textverlust davor und dahinter), 1 × 8 (?) – 7 (82); letztes Bl. einer [weiteren?] Lage), 1 × 8 (90), 1 × 8 - 1 (97, Bl. 7 fehlt ohne Textverlust), 1 × 8 - 1 1 (105, Bl. 7 ersetzt, vielleicht Textverlust), 2 × 8 (121), 1 × 8 - 4 (125, Bl. 3–6 fehlen mit Textverlust), 1 × 8 (133), 1 × 10 (143), 6 × 8 (191), 1 × 8 - 1 (198, Bl. 2 fehlt wohl ohne Textverlust), 1 × 8 (206).

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden auf dem letzten Verso unten links, wohl vom Kopisten: Reste 〈β〉 (f. 82V), ιε (f. 183V) – ιζ (f. 198V); diese Kustoden gehören zu einer Separatsignierung (α–ιζ) des hinter f. 78V befindlichen Teils der Hs. Im ersten Teil der Hs. sind die meisten Innenränder der letzten Versoseiten mit Falzstreifen überklebt, so dass – außer auf f. 48V: Rest – keine Kustoden auszumachen sind.

Lagensignierung

Zwei jüngere Lagensignierungen mit westlichen Ziffern auf dem ersten Recto:

(1) oben rechts mit brauner Tinte, mit Zählung jeweils des zweiten Bifoliums (nicht überall erhalten): 〈1〉 (f.1), 2 (f.9) – 11 (f.79), 12 (f. 81), 13 (f. 83) – 23 (f. 160).

(2) Unten links mit Bleistift: 1 (f. 1) – 22 (f. 79), 12 (f. 81), 13 (f. 83) – 28 (f. 199). Sie spiegeln – mit einer Unsicherheit bei ff. 79 sqq. – den heutigen Zustand wider.

Anzahl der Linien

Lin. 36 (außer ff. 135136, 144149: 37; f. 140: 39; f. 140V: 41; f. 193: 35)

Liniierung

Schwer zu erkennen; wohl Lake I, 1a = Leroy 00D1

Kopist

Der von D. Pingree (ed. Albumasar, Leipzig 1968, S. XI, und ed. Hephaistion, II, Leipzig 1974, S. XIII) vorgenommenen Identifizierung unseres Schreibers mit Kardinal Isidor von Kiev (etwa 1385–1463) widerspricht schon das Datum der Hs.; darüber hinaus gestattet nicht einmal der Duktus eine solche Annäherung. Damit lässt sich auch die sich "correctioribus politioribusque ... syntaxi sermoneque" auszeichnende ‚recensio Isidori' des Albumasar-Textes (Pingree, ibid.), deren Lesarten Pingree in einem eigenen Apparat durchgängig notiert hat und deren Zuweisung inzwischen Handbuchgut geworden ist (H. Hunger, Hochsprachl. prof. Lit. der Byzantiner, II, S. 256), nicht mehr für Isidor von Kiev in Anspruch nehmen. Die recensio dürfte vielmehr auf den von Pingree selbst profilierten byzantinischen Astrologen Ioannes Abramios (bezeugt 1371–1390) (zu ihm vgl. D. Pingree, The Astrological School of John Abramius, in: DOP 25, 1971, S. 189–215; ders., The Horoscope of Constantinople, in: Festschrift Willy Hartner, ##; Prosop. Lex. Palaiol., Fasz. 1, Wien 1976, S. 5 Nr. 57; Hunger, op. cit., S. 254–255) zurückgehen. Denn seiner aus dem Marc. V,13 (J. 1376) und dem Laur. 28,16 (J. 1381/1382) bekannten Hand (vgl. A. Turyn, Dated Greek Mss., Taf. 201, 203, 261) kommt der Duktus unserer Hs. äußerst nahe. Ob einige leichtere Abweichungen in der Schrift des Par. gegenüber den von Turyn publizierten Schriftproben des Abramios, die sich punktuell in Richtung auf den Duktus des von Turyn wohl zu Recht im Laur. abgegrenzten anonymen Mitarbeiters des Abramios (Taf. 204) bewegen (z. B. vor allem unsere Hs. ff. 135139V [Mech.], 144 sqq.), innerhalb der Bandbreite der Schrift des Abramios liegen, müsste ein Vergleich mit mehr Schriftmaterial aus Marc. und Laur. zeigen. Unsere Hs. weist zwar in sich gewisse Duktusschwankungen auf, ist aber insgesamt – dies entgegen Codd. astrol., VIII 4, S. 45 und 47, wo für ff. 2531 und die in engerer Schrift vorliegenden ff. 140141 andere Hände angenommen werden – sehr wahrscheinlich von einer einzigen Hand geschrieben.

Was die Überarbeitung des Mech.-Textes betrifft (Näheres bei M. E. Bottecchia, Mech. nel Par. 2507, passim), dürfte diese demselben Redaktor zuzuschreiben sein wie die der astrologischen Traktate, also höchstwahrscheinlich Ioannes Abramios. (Nach Mondrain 2007, 167 ist die Bearbeitung des Mech.-Textes auf Isaak Argyros zurückzuführen.)

Die von Bottecchia, op. cit., S. 48–49, 52, behauptete Abhängigkeit unserer Hs. von dem für Bessarion († 1472) hergestellten Marc. 215 ist aus chronologischem Grund natürlich nicht haltbar.

Die Hs. scheint trotz teilweise durchgängiger identischer Papiersorte nicht in einer einzigen Arbeitsphase geschrieben worden zu sein. Das geht – abgesehen von einer neu einsetzenden, separaten Lagensignierung im hinteren Teil der Hs. – daraus hervor, dass auf ff. 178V die insgesamt schwarz-braune Texttinte der Hs. eine etwas andere Tönung aufweist und dass die dortigen Rubrika viel stärker auf die jeweils gegenüberliegende Seite abgefärbt haben als im zweiten Teil der Hs.

(Zwischen-) Titel und Initialen in Rot.

Ergänzungen zum Textbestand

Zu dem bis auf Mech. ausschließlich astrologischen Inhalt und zu den ursprünglichen Lagenverhältnissen der bisher immer falsch ins 15. Jh. datierten Hs. lässt sich (trotz sehr ausführlicher inhaltlicher Angaben in Codd. astrol. VIII 4, S. 45–65) nicht überall Endgültiges sagen. Angesichts des Umstandes, dass einige Texte der Hs. noch unediert zu sein scheinen und dass ein Vergleich mit streckenweise inhaltlich (und stemmatisch) verwandten Textzeugen, wie Vat. 191 und Laur. 28,14, in diesem Rahmen nicht vorgenommen werden kann, muss diese Beschreibung auch wegen des teilweise exzerptartigen und kompilierenden Charakters der Hs., wegen der Blattverluste, -vertauschungen und vorlagenbedingten Textumstellungen ein Provisorium bleiben.

Einige Materialien (meist Lemmata), selten Zeichnungen (im Schriftraum).

Einband

Kolorierter fester Pappdeckel, roter Lederrücken. Rücken durch Doppelfileten in 5 übereinanderliegende Felder unterteilt; im 1., 3. und 4. Feld die verschlungenen Initialen von Louis–Philippe in Gold, im 2. Feld in Goldgravierung: ARISTOTELES.

Wz. in. Vorsatz- und Ersatzblättern: IIIVIV, I'IV'V: Engel mit Harfe und Stern (?), Fabelwesen (?) m Br. ohne Beleg.

ff. 32: Tier (Lamm ?) im Kreis (Unterteil): Br. ohne Beleg. f. 40 und vielleicht f. 104 dasselbe Papier ohne Wz.

Geschichte

Datierung

14. Jh., etwa 8. Jahrzehnt

Provenienz

Die Hs. befand sich im Jahre 1542 in Rom im Besitz des französischen Botschafters beim Papst Georges d'Armagnac (1501–1585), der ab 1530 Bischof von Rodez (Ruthenorum civitas) und ab 1544 Kardinal war; vgl. die Eintragung auf einem gegen den unteren Rand von f. 1 geklebten Papierstreifen: δώρῳ καὶ τῷ εὐεργετεῖν τῆν πατρίδα πόθω τοῦ σεβασμιωτάτου / τῶν ### πουθένων ἐπισκόπου. γεωργίου. ἀρμενιαλοὺ τότε ἐν ῥώμῃ / πρὸς παῦλον τὸν τρίτον πρεσβεύτου· ἔτει α.φ.μ.β. ## (Zahlstrich über μ.β.) ## Über die bekannten Stationen (de Montchal und Le Tellier) gelangt sie in die Bibliothek von Louis XIV. Ältere Signaturen (f. III): Codex Telleriano Remensis, 77, darunter: Reg. 3214/2. Auf f. VIV (im Ms. gezählt als A) ein Pinax (ἅπαν τοῦτο τὸ σύγγραμμα περιέχει / τὰ ἀκόλουθα) von einer Hand des 16. Jh., darunter ein lateinischer Index von 〈Sevin〉.

Reproduktionen und Digitalisate

  • Par. gr. 2507 (vollständiges Digitalisat (vom Mikrofilm) der Bibliothèque nationale de France)

Bibliographie

Kat.

  • Catal. Codd. Mss. Bibl. Regiae, II, S. 512–513.
  • H. Omont, II, S. 274.
  • P. Boudreaux, Codd. astrol. VIII 4, Brüssel 1921, S. 45–65 Nr. 86.

Text.

  • J.P. van Capelle, ed. Mech., 1812, S. XIII (Sigel [Par.] B. gehört zu den 3 kollationierten Hss.) .
  • M.E. Bottecchia, Fonte dell' Aldina Mech., S. 384. (Es wird aus der listenmäßigen Zusammenstellung der Hss. nach Familien nicht klar, ob der Par. (Sigel Pt) mit anderen 4 Mss. einen Zweig der famiglia d bildet oder außerhalb der 4 erschlossenen Familien steht) .
  • M.E. Bottecchia, Mech. nel Par. 2507, passim (Sigel Pt. Gehört zur Famiglie a und ist innerhalb dieser vom Marc. 215 [Na] abhängig; Belege dafür. Si tratta die un testo formalmente corretto, ma sostanzialmente corrotto ed alterato, pieno di variazioni, spostamenti die parole, lacune, aggiunte, noché di larghe spiegazioni ... lo scriba intervenne largamente sul testo, onde facilitare la comprensione dei problemi trattati; [Beispiele. ... ] scritto evidentemente in pieno secolo XV ... il codice fu composto in piena epoca umanistica) .
  • M.E. Bottecchia, ed. Mech., 197##, S. ##
  • Ps.-Heliodoros

    • ed. Ae. Boer, Leipzig 1962, S. IX, XI, XIII (Sigel Q. gehört zur Klasse β, den codices recentiores ex antigrapho Byzantino derivati) .

    Hephaistion

    • ed. A. Engelbrecht, Wien 1887, S. 11
    • ed. D. Pingree, II, Leipzig 1974, S. XIII (Sigel G. Hephaestionea ex O [= Leod. 8] et W [= Vind. Phil. 115] contracta habet) .

    Paulos Alexandrinos

    • ed. Ae. Boer, Leipzig 1958, S. VIII, IX (Sigel q).

    Albumasar

    • ed. D. Pingree, Leipzig 1968, S. XI–XII (Sigel p bzw. Bildet zusammen mit Vat. 1968 [Fragment] die "recensio Isidori"###. folia 79–134 e ff. 239286V codicis V [= Vat. 191] dependunt ... ordo autem foliorum hodie turbatus est, et aliquae eorum sunt perdita) .

    Ps.-Ptolemaios

    • ed. Ae. Boer, Opera omnia, III 2, Leipzig 1952, 21961, S. XXV, XXVII, XXXII (Sigel q. gehört zur Famiglie λ) .

Faks.:

  • M. E. Bottecchia, Mech. nel Par. 2507, S. 50, 51 (= ff. 138V, 139 ) .

Quelle

  • Harlfinger, Autopsie Dezember 1966