Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Bas. Ο III 6

Nachweis: Schweiz, Basel, Öffentliche Bibliothek der Universität, Bas. Ο III 6 (olim 57)
Datierung:

16. Jh. Mitte der 2. H.

Beschreibstoff: Papier
Format: 210 × 161/165 mm
Folienzahl: pp. 176

Inhalt

  • (pp. 2–169) Mir., cap. 1–7, 9–32, 34–75, 77, 76, 78–178, 33. Griechischer Text auf den linken (geraden) Seiten. Lateinische Übersetzung auf den rechten (ungeraden) Seiten, inc. In Hesaeno Paeoniae montes, qui huius et Medicae regionis fines terminant, des. nascitur in metallis lapis spinus, ex quo etiam ignem accendi ferunt.
    (pp. 170–173) Locorum quorundam emendatio (Korrekturen mit Belegen zum gr. Text von Mir.).
  • Leer

    pp. 1, 174–176.

  • Textgeschichtliches

    Der Text basiert auf der Ausgabe des H. Stephanus (1557). Reihenfolge der Kapitel fast identisch; nur die Kapitel 4, 9, 5, die Stephanus aufgrund seiner handschriftlichen Quelle für die Appendix (cap. 152sqq.) zwischen 163 und 164 wiederholte, sind in unserem Ms. dort offenbar als Dubletten ausgelassen worden. In den Emendationen (pp. 170–173) werden mehrere Vorschläge des namentlich zitierten Stephanus erörtert. Der Passus 137, 844 b 6 καὶ τοὺς (sic) δύο κόρακας – 8 λευκόν, der in der Aldina hinter 114, 841 a 22 οὕτω stand und den Stephanus hinter 137, 844 b 6 ἐστι versetzt hatte, wird allerdings hinter 126, 842 b 13 ἀπολείπονσι eingeschoben. Hinter 137, 844 b 6 θαυμαστὸν δὲ liest man τοῖς λοιποςῖ ἔθνεσι γίνεται καὶ τα κέρατα αὐτῆς χωρεῖν τέσσαρας χόας, ἐνίων δὲ καὶ πλεῖον (vgl. Bekker 129, 842 b 34–35), wie in der Aldina, wo allerdings ἐνίων δὲ καὶ πλεῖον fehlt. Der vorliegende Text war offenbar für eine Edition mit kritischen Anmerkungen bestimmt; zu eigenen Konjekturen und kritischen Entscheidungen kündigt der Herausgeber ausführlichere Angaben in seinen (uns nicht erhaltenen) Annotationes an. Die geplante Ausgabe scheint niemals erschienen zu sein. Da in den Emendationen keine nach 1557 erschienene Ausgabe zitiert wird, darf man vermuten, daß die geplante Edition ziemlich bald nach dem Erscheinen von Stephanus’ Ausgabe vorbereitet wurde. Nun wissen wir, daß Conrad Gessner (1516–1565), der bereits an der Revision der 3. Aristoteles-Ausgabe von Erasmus (Basel 1550) beteiligt gewesen war, sich mit dem Text von Mir. beschäftigt hatte (vgl. I. Beckmann, ed. Mir., Göttingen 1786, S. XII–XIII: quam vellem, potuisse me etiam eas adducere opes, quas quondam Conr. Gesnerus, magnus ille vir, in hunc librum paratas reliquit, de quibus ipse in epistola de libris a se editis et inchoatis [= Conradi Gesneri … De libris a se editis epistola ad Guilielmum Turnerum …, Zürich 1562] ita: „Admirandas Aristotelis narrationes emendavi, et meliore ordine digessi, graece.‟ Verum ignoro, an istae adhuc supersint; certe nunquam eas editas esse credo.). Die Möglichkeit ist nicht auszuschließen, daß wir es in unserem Ms. wenigstens teilweise mit einer Abschrift von Gessners Text, Übersetzung und Emendationen zu tun haben. Dafür sprechen folgende Indizien: 1. In dem soeben zitierten Brief bezeichnet Gessner die pseudo-aristotelische Schrift als admirandae narrationes; im Baseler Ms. lautet der Titel der lat. Übersetzung De rebus admirandis. 2. Mehrere Konjekturen und Vorschläge aus der locorum quorundam emendatio werden anderweitig (bei Sylburg, Casaubonus und Beckmann, die sich auf Gessners Emendationen zu Hist. An. stützen, vgl. Beckmann, S. XIII und Anm. 9) auf Gessner zurückgeführt, so z. B. 1, 830 a 15 λελπτασμένα; 28, 832 b 3 ἐχῖνος; 60, 834 b 35 ἐκγόνων. Andere im Ms. vorgeschlagene Änderungen am Stephanus-Text werden allerdings gewöhnlich anderen, jüngeren Gelehrten, z. B. Marsilius Cagnetus, Casaubonus, Camotius, Salmasius und Sylburg zugeschrieben. Insbesondere wird die im Ms. vollzogene Transposition der Zeilen 137, 844 b 6–8 hinter 126, 842 b 13 von F. Sylburg (ed. Arist. IV, 1587, S. 314) als zumindest möglich in Erwägung gezogen. Daraus geht aber nicht unbedingt hervor, daß der Text unseres Ms. nach Sylburg entstanden ist und daher nicht von Gessner stammt, denn a) die oben genannten Gelehrten können Gessners Korrekturen stillschweigend übernommen oder unabhängig von ihm die gleichen Vorschläge gemacht haben, b) auch Sylburg kann Gessners Umstellung von 137, 844 b 6–8 gekannt und als erwägenswert zitiert haben, ohne sie selbst zu übernehmen. –

    Die lateinische Übersetzung ist mit keiner der bisher bekannten (1. Bartholomaeus von Messina, vgl. Arist. Lat. Codd. descr. G. Lacombe I, 1939, S. 87. Arist. Lat. Codd., Suppl. altera, ed. L. Minio-Paluello, 1961, S. 37.

    2. Translationis anonymae fragmentum, vgl. Arist. Lat. Codd., Suppl. altera, S. 37.

    3. Incerti auctoris, mehrmals hrsg., z. B. in Casaubonus’ Ausgabe, bei Beckmann, in der Akademie-Ausgabe III, S. 403–409, in der Didotiana IV, S. 75 sqq.

    4. Natalis de Comitibus, ed. Beckmann.

    5. Montesaurus, ed. Beckmann) identisch.

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • pp. 3/13, 19/29, 45/47: Wappenschild mit Rautenkränzlein (Wappen von Sachsen), ähnlich Br. 1210 (Eisenach 1576).
  • pp. 5/11, 17/31, 21/27, 33–39, 69–99, 161/163: Wappenschild mit Hirschkopf, fast identisch Br. 2247 (Dresden 1562, mit Varianten 1564–1576. Wahrscheinlich Papiermühle Obergurig bei Bautzen).
  • pp. 53–67: Nicht feststellbar,
  • pp. 101–155, 157/167: Wappenschild, entfernt ähnlich Br. 2025, ausgezackte Linie jedoch nicht feststellbar (Niederlausitz 1553. Wahrscheinlich Papiermühle Bautzen).
  • pp. 169–175: Wappenschild (ausgezackte Mauer) im Kreis mit dem Namen Bvdissin, ähnlich Br. 2031 (Prag 1559?–1573; Varianten Norddeutschland 1565–1588. Papiermühle Bautzen).

Format

210 × 161/165 mm

Folienzahl

pp. 176

Lagen

2 × 8 (32), 1 × 4 (40), 1 × 6 (52), 4 × 8 (116), 1 × 6 (128), 1 × 8 (144), 2 × 6 (168), 1 × 4 (176). Letzte Lage lose. Paginierung bis 169 vom Kopisten.

Anzahl der Linien

Lin. 14–18

Kopist

Griechischer Text und lateinische Übersetzung wahrscheinlich von ein und derselben westlichen Hand (sicher nicht Gessner). Einige Korrekturen im griechischen Text und in der Übersetzung sowie Ergänzungen in der Übersetzung (pp. 135 und 159) von der Hand des Hiob Magdeburg (Hinweis von Max Burckhardt in einem Brief vom 8. 2. 1965 an H. J. Drossaart Lulofs: in der Baseler Hs. O III 12 kommt diese Hand ebenfalls mit ergänzenden Eintragungen vor, wobei sich dieser Schreiber als „Hiobus Madeburus‟ mit dem Datum „Misenae ex Schola Elect. Sax. Anno LXVIII. Mensis Martij die XXV‟ in einem Vorwort an den Basler Staatsschreiber und Juristen Adam Henric-Petri vorstellt.). Über H. Magdeburg (1518–1595), der 1543–1570 als Schulmann in Meißen (Sachsen) tätig war, vgl. Chr. G. Jöcher, Allg. Gel. Lex., III, Sp. 30–31.

Einband

Ein Pergamentblatt mit lateinischem Text in zwei Kolumnen.

Geschichte

Datierung

16. Jh. Mitte der 2. H.

Provenienz

Das Papier (vgl. oben Wasserzeichen) und die Eintragungen des H. Magdeburg (vgl. oben Kopisten) weisen darauf hin, daß das Ms. in Sachsen entstanden ist. Sind Gessners Aufzeichnungen wenigstens teilweise herangezogen worden, so wissen wir nicht, wie der Kopist Zugang zu ihnen hatte. In den von Kaspar Wolf aus dem Nachlaß Gessners herausgegebenen Anmerkungen zu Aristoteles-Traktaten (Conradi Gesneri … Physicarum meditationum, annotationum et scholiorum lib. V … collecti … per Casparum Vuolfium, Zürich 1586) findet sich nichts über den Text von Mir. (Brieflicher Hinweis von Josef Delz). Wie das erwähnte Baseler Ms. O III 12 gelangte unser Ms. in den Besitz des Professors der Rechte an der Universität Basel Remigius Faesch (1595–1667). Auf dem Rücken: Ex libris R. Faesch; p. 3 ovaler Stempel: Museum Rem. Faesch Basil. Über R. Faesch vgl. A. Heusler, Gesch. Bibl. Basel, S. 53 sqq. Hist.biogr. Lexikon d. Schweiz, III, 1926, S. 101. A. Staehelin, Professoren der Univ. Basel aus fünf Jahrhunderten, Basel 1960, S. 66. In seinem Testament vom 24. 2. 1667 bestimmte Faesch, unter welchen Bedingungen seine kostbaren Sammlungen nach seinem Tod im Besitz seiner Familie bleiben sollten; würden diese Bedingungen nicht erfüllt, so sollten sie „einer löblichen Universität allhier zu deren getreuen Verwaltung… heimfallen‟. 1772 erhob die Universität Basel Anspruch auf die Sammlungen von Faesch. Es kam zu Prozessen mit der Familie. Erst am 20. 3. 1823 wurde durch Appellationsgericht das Museum Faesch der getreuen Verwaltung der Universität übergeben. Frühere Signatur (kleiner Aufkleber am Rücken) Graec. 57.

Bibliographie

Kat.

  • H. Omont, Mss. Suisse, S. 411, Nr. 57.

Kod.

  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 74.
  • D. Harlfinger, Verbreitung Mir., S. 65.

Text.

  • H. Flashar, Übers. Mir., S. 60–61.
  • J. Wiesner, Umstellungen Mir. (im Druck) .

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 30-33 (Moraux, Autopsie November 1967).