Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Beschreibung Bern. 402

Nachweis: Schweiz, Bern, Burgerbibliothek, Bern. 402
Datierung:

15. Jh., letztes Viertel

Beschreibstoff: Papier
Format: 233 × 153 mm
Folienzahl: ff. I, 142 (+ 138 a = fliegendes Bl., 139 a = Spiegel)

Inhalt

Physische Beschaffenheit

Beschreibstoff

Papier

Wasserzeichen

  • ff. 1142, 138 a, 139 a: Einköpfiger Adler, Typ Br. 8191 (Papier italienischer, wohl toskanischer Herkunft, verbreitet 1475–1507).

Format

233 × 153 mm

Folienzahl

ff. I, 142 (+ 138 a = fliegendes Bl., 139 a = Spiegel)

Lagen

12 × 12 (letzte Lage = ff. 133142, 138 a, 139 a).

Griechische Kustoden

Griechische Kustoden (α–ιβ) auf dem 1. Recto unten rechts.

Reklamanten

Auf dem letzten Verso der einzelnen Lagen vertikale Reklamanten unten rechts.

Anzahl der Linien

Lin. 28

Kopist

Derselbe Anonymus (Nr. 5) wie im Par. 2043 (Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 418), möglicherweise Alphonsos Athenaios (Harlfinger, Verbreitung Mir., S. 64). Niccolò Leonico Tomeo (Andrist)

Ergänzungen zum Textbestand

Zahlreiche Fenster in den Theophrast-Opuscula sowie in MXG, Mir., Spir. Seltene spätere Marginalia zu MXG und Mir. Marginalia und Figuren zu Mech.

Einband

Original. Überstehende Holzdeckel mit schräg geschnittenen Kanten, wobei der spitze Winkel an den drei Schnittseiten nach außen, an der Rückseite zum Buchblock zeigt. Überzug rotes Kalbsleder mit reicher Ornamentik. Vier konzentrische Rahmen von je drei Fileten; zwischen dem äußeren und dem nächsten inneren Rahmen Rosetten; zwischen dem 2. und dem 3. Rahmen Blumengeflecht und Rosetten; zwischen dem 3. und dem innersten kleine Kreise; Fischschuppenmotiv im inneren Viereck. An der Längsschnittseite des Vorderdeckels zwei Schließen (Lederriemen mit Messinghäkchen) mit je drei Nägeln befestigt; am Hinterdeckel zwei feste trapezförmige Beschläge zur Aufnahme der Schließenhäkchen. Echte Kapitale. Drei flache, breite Bünde. Der Rücken ist mit hellem Pergament repariert worden. Wasserzeichen im fliegenden Bl. (f. I): Waage im Kreis, = Br. 2497 (Venedig 1484).

Geschichte

Datierung

15. Jh., letztes Viertel

Provenienz

Unbekannt. Das Ms. ist wahrscheinlich in Venedig zu lokalisieren, wo es „offenbar … in den 80er und 90er Jahren des 15. Jh. … die einzige greifbare Handschrift mit dem Theophrastkorpus war‟ (W. Burnikel, Textgesch. Unters. Opusc. Theophrast, S. 25). f. 1V griechischer Pinax in Rot, links davon spätere Übersetzung der Theophrasttitel. Auf dem Spiegel und den ff. I, 1, 138 aRV und 139 a verschiedene Auszüge aus Athenaios. f. IVAbschnitt einer heute verschollenen megarischen Athleteninschrift (= IG VII 49) und einer ebenfalls verschollenen athenischen Grabinschrift (= IG II2 13209). Die beiden Inschriften begegnen auch mit geringfügigen Varianten in der kleinen epigraphischen Sammlung des Konstantinos Laskaris (= Matr. 4635 [N 114], ff. 133135V, vgl. K. Hanell in: Bulletin de la Société Royale des Lettres de Lund 1934–1935, IV, S. 133 bis 142, Nr. 6 und 10), die allerdings keine Originalkopien, sondern nur Abschriften aus Cyriacus von Ancona und anderen enthält (Hinweis von Louis Robert). Eine sonstige Beziehung des Bern. 402 zu Laskaris konnte ich nicht feststellen. f. 138 a Angaben über die Härtung des Eisens (ed. W. Burnikel, op. cit., S. 156–169 mit Übersetzung und Erläuterungen; Burnikel versucht, diesen Text Theophrast zuzuweisen.). Die persönlichen Eintragungen eines Vorbesitzers auf den ff. I und 1 wurden sorgfältig ausradiert. Auf f. I kann gerade noch … et amicorum gelesen werden; Endung des Namens auf -aeus noch erkennbar (vgl. oben Kopist). Die Athenaios-Auszüge, die Inschriften und das Fragment über das Eisen stammen von mindestens 2 Händen. Ob einige Korrekturen in den Haupttexten des Ms. auf eine dieser Hände zurückgehen, bleibt fraglich (darüber Burnikel, S. 156 Anm. 2).

Reproduktionen und Digitalisate

  • Bern. 402 (vollständiges Digitalisat der Burgerbibliothek)

Bibliographie

Kat.

  • H. Hagen, Catal. Codd. Bernensium, 1875, S. 365.
  • H. Omont, Mss. Suisse, S. 423–424.
  • P. Andrist, Les manuscrits grecs conservés à la Bibliothèque de la Bourgeoisie de Berne–Burgerbibliothek Bern. Catalogue et histoire de la collection, Dietikon–Zürich, 2007, 188–196 (ausführliche analytische Beschreibung; mit Digitalisat verknüpfte Online-Version).

Kod.

  • W. Burnikel, Textgesch. Unters. Opusc. Theophrast, S. XXXII bis XXXIII.

Text.

  • H. Diels, ed. MXG, 1900, S. 14 (benutzt eine Kollation von A. Gercke. Is liber, qui imaginem patris A [Ambr. P 80] accuratissime reddit, etiam in minutis consentit cum R [Vat. 1302] et sicubi dissentit, quod rarissime factum, nihil praeter L [Lips. 16] salutis affert) .
  • J. Wiesner, Ps.-Aristoteles MXG, besonders S. 377–383 ( Leid. Voss. Q 25 ist ein wohl direktes Apographon vom Bern.; er wurde vor dem Eingreifen einer zweiten Hand im Bern. abgeschrieben. Die Aldina steht in großer Nähe des Bern., ist von ihm durch ein Zwischenglied getrennt; viele Fehler und fast alle nachgetragenen Korrekturen des Bern, kehren in der Aldina wieder.) .
  • J. Wiesner, Umstellungen Mir. (im Druck) (MXG-Varianten des Bern. in der Aldina mißverstanden. Aldina läßt einige Varianten unberücksichtigt und hat neue Fehler. Ausgeschlossen, daß der Bern. aus der Aldina stammt) .
  • D. Harlfinger, Textgeschichte Lin., S. 210 (hängt für Mir. vom Vat. 1302 ab, ist direkte Vorlage für den Leid. Voss. Q 25 ) .
  • D. Harlfinger, Verbreitung Mir., S. 64 (gemeinsame Vorlage von Pal. 162, Urb. 108 und Bern. 402 ist ein verschollenes Apographon des Vat. 1302. Druckvorlage der Aldina eng verwandt mit Bern. 402 und dessen Apographon Leid. Voss. Q 25.) .
  • J. Wiesner, Umstellungen Mir. (Untergruppe II B1, bestehend aus Vat. 1302 und dessen Abkömmlingen Urb. 108, Pal. 162, Bern. 402, Leid. Voss. Q 25, hat die Mir.-Kapitel in der Reihenfolge 1–7. 9–32. 34–69. 72–75. 77. 76. 78–151; die Aldina enthält für Mir. wie für MXG Besonderheiten, die der Bern. 402 gegenüber den anderen Vertretern von II B allein aufweist; sie geht auf ein mit dem Bern. verwandtes, verschollenes Ms. zurück.) .
  • W. L. Lorimer, ed. Mu., 1933, S. 2 und 13 (Sigel Bern., Classis III) .
  • Theophrast

    • W. D. Ross–F. H. Fobes, ed. Theophr. Metaph., 1929, S. XXVI bis XXXIII (Sigel B. Eng verwandt mit Leid. Voss. Q 25 = H, Lond. Add. 5113 = S, Reg. 124 = u. – Wurde nach Photographien kollationiert.) .
    • N. G. Wilson, Some Mss. of Theophrastus, in: Class. Philol., 56, 1961, S. 109 (nur erwähnt) .
    • N. G. Wilson, Mss. Theophr. S. 99 (nur erwähnt) .
    • J. F. C. Richards, Mss. Theophr. On Stones, S. 34–36 (Sigel K. – Reg. 123 = F, Leid. Voss. Q. 25 = L, Lond. Add. 5113 = M und K „form one group, and there is a very close relationship between F and Aldus‟) .
    • D. E. Eichholz, ed. Theophr. De lapid., 1965, S. 47–51 (Sigel K. Gehört zu derselben Untergruppe wie Reg. 123 = F und Lond. Add. 5113 = M. „K and M each have some correct readings not found in other Mss.‟) .
    • V. Coutant, ed. Theophr. De igne, 1971, S. XXI bis XXVI (Sigel X, Familie ψ. Eng verwandt mit Leid. Voss. Q 25 = D) .
    • W. Burnikel, Textgesch. Unters. Opusc. Theophrast, S. 15–34 (Nr. 19. Um 1480 anzusetzen, Hyparchetypus der Gruppe δ. Die Korrekturen – drei Schichten – sind Emendationen, keine Kontaminationen. Aus dem Bern. stammt über ein wohl einziges Zwischenglied der Leid. Voss. Q 25, der vor jedem Eingriff eines Korrektors abgeschrieben wurde; ohne Zwischenglied ferner der Lond. Add. 5113, der nach der ersten diorthotischen Bearbeitung entstand, und die Aldina, in der die zweite Korrekturschicht berücksichtigt wurde.) .

    Alexander

    • I. Bruns, ed. Alex. Aphrod., Suppl. Ar. II 2, S. XXX–XXXII (Sigel T. Geminus von Leid. Voss. Q 25. Bis auf wenige geringfügige Abweichungen stimmen diese beiden Mss. mit Par. 1868 [= A], Par. 2049 [= C] und Trincavellis Edition aus dem J. 1534 [= a1] überein.) .

Quelle

  • Aristoteles Graecus, S. 53–55 (Moraux, Autopsie November 1967).