Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina

Vorstufe

Förster, Aurél

Gruppe: Moderne Aristotelesphilologen

Autor: Peter Isépy (München)

Vita

Budapest, 9. Juli 1876 – Budapest, 7. Juli 1962. Ungarischer Klassischer Philologe, Universitätsdozent und Ordentliches Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (1938).

F. wurde in Budapest als Sohn von János Förster und Anna Csernák geboren. Er studierte von 1894–1898 Klassische Philologie an der Universität der Wissenschaften in Budapest (heute: Eötvös‐Loránd‐Universität Budapest) und 1902 an der Universität zu Berlin. Seine Lehrer waren u.a. Emil Ponori Thewrewk (1838–1917), gleichsam der Begründer der modernen ungarischen Klassischen Philologie, Ulrich von Wilamowitz‐Moellendorff und Hermann Diels. 1900 wurde er in Budapest mit einer Arbeit zum „Ursprung des Hexameters“ zum Dr. phil. promoviert, 1902 erlangte er die Lehrerlaubnis für die Fächer Latein und Griechisch an Gymnasien.

Nachdem er 1902–1903 als Gymnasiallehrer in Budapest tätig war, hält er sich von 1903 bis 1915 vorwiegend in Deutschland auf und widmet sich ganz der Forschung. In die Zeit zwischen 1908 und 1912 fällt gemäß den Flurkarten von Budapest auch der Bau einer Sommervilla in der Baron Eötvös-Straße 48 im Budaer Bergland, die bis zum Jahre 1944 in Försters Besitz war; sie fungierte später als Gefängnis der kommunistischen Geheimpolizei ÁVH.

1915 habilitierte sich F. an der Universität Budapest im Bereich der Griechischen Philosophie und lehrte ebendort von 1915 bis 1928 als Privatdozent. Daneben war er Mitherausgeber der sprach‐ und literaturwissenschaftlichen Zeitschrift „Egyetemes Philologiai Közlöny“ (1915–1925), Dozent am „Institut für die Ausbildung von Gymnasiallehrern“ (Középiskolai Tanárképző Intézet; 1920–1928) und Rat im „Nationalrat für öffentliche Bildung“ (Országos Közoktatási Tanács, 1925–1928).

Am 1. Januar 1928 wurde F. auf den Lehrstuhl für Klassische Philologie an der Franz Joseph Universität der Wissenschaften Szeged (= Ferenc József Tudományegyetem) berufen, wo er die Acta Sectio Philologica herausgab. Nach dem Zweiten Wiener Schiedsspruch (30. August 1940), durch den auch Klausenburg (ung. Kolozsvár, rum. Cluj‐Napoca) wieder unter ungarische Oberhoheit fiel, zog die Franz Joseph Universität von Szeged erneut eben dorthin zurück, wo sie 1872 als „Universität Klausenburg“ gegründet worden war. (Sie kam nach dem Vertrag von Trianon 1919–1921 zunächst nach Budapest und 1921–1940 nach Szeged, wo sie seit 1945 unter verschiedenen Namen besteht). Damit verließ auch F. Szeged und wurde Lehrstuhlinhaber der Klassischen Philologie in Klausenburg – nicht ohne den Großteil der Institutsbibliothek aus Szeged mit sich genommen zu haben.

Von 1942 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1947 war F. Ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität der Wissenschaften in Budapest. 1952 wurde ihm für seine Verdienste der Doktortitel in Literaturwissenschaften verliehen. F. war Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (korrespondierend: 8. Mai 1921., ordentlich: 6. Mai 1938, Ehrenmitglied: 24. Juli 1946., aufgrund der politischen Umwälzungen zum „beratenden Mitglied“ herabgestuft: 31. Oktober 1949, posthume Rehabilitation: 9. Mai 1989).

F. publizierte zwar verhältnismäßig wenig, doch war, was er aus seinen Händen gab, von hoher Präzision, Gründlichkeit, sicherem Urteil und Verantwortungsbewusstsein gekennzeichnet. Sein Hauptinteresse galt der (antiken wie modernen) Metrik und der Textkritik. Nach F.s Überzeugung war die verlässliche Rekonstruktion und kritische Edition der Texte die Grundlage jeglicher philologischer Arbeit. Dabei lehnte er eine Trennung von ‘Wort‐’ und ‘Realphilologie’ ab: ohne ein profundes Textverständnis sei auch die Textkonstitution unmöglich. F. stand der ’divinatorischen’ Methode sehr zurückhaltend gegenüber und gab, wo immer dies inhaltlich und sprachlich möglich erschien, der Überlieferung den Vorrang.

Aus einem zu Berliner Studienzeiten bei Hermann Diels besuchten Seminar stammte die Anregung zu der später verwirklichten Neuausgabe der psychologischen Schriften des Aristoteles (De anima (1912), De sensu / De memoria (1942)), in denen F. erstmals konsequent die Textzeugnisse der durch die Editionen der „Commentaria in Aristotelem Graeca“ (1892–1908) zugänglich gewordenenden Kommentare berücksichtigte. Die internationale Wertschätzung F.s im Bereich der Textkritik und ‐edition wird auch daran deutlich, dass für die Erstellung verbindlicher Regeln für das Edieren griechischer und lateinischer Texte durch die Union Académique Internationale in den 1930er Jahren auch seine Ratschläge eingeholt wurden (Union Académique Internationale, Emploi des signes critiques. Disposition de lʹApparat dans les éditions savantes de textes grecs et latins, Bruxelles 1932 [19382], 3).

Beiträge zur Aristotelesforschung

[Résumés s. unten ‘Einzelnes’]

Symbolae criticae in librum Aristotelis De anima primum, Egyetemes Philologiai Közlöny 30 (1906), 293–299.

Aristoteles, De anima libri III, Recensuit Aurelius Förster, Budapest 1912. XVIII, 217 p.

Aristoteles, A lélekről. Fordította s bevezetéssel és jegyzetekkel ellátta Förster Aurél, Budapest 1915. 110 p. [‘Aristoteles, Über die Seele. Übersetzt und mit Einführung sowie Anmerkungen versehen von A.F.’].

Herakleitos kosmológiája. Kivonat Förster Aurél l. tagnak f. évi márczius hó 27=én felolvasott székfoglaló értekezéséből, Akadémiai értesítő 33 (1922), 217–218 [‘Heraklits Kosmologie’. (Auszug aus der am 27. März dieses Jahres vorgetragenen Antrittsrede des korrespondierenden Mitglieds Aurél Förster)].

Coniecturákról, Egyetemes Philologiai Közlöny 50 (1926), 280–282 [‘Über Konjekturen’].

Az aristotelesi u.n. Parva Naturalia szerkezete és keletkezése, Budapest 1932. 15 p. [‘Die Struktur und Entstehung der sog. Parva Naturalia des Aristoteles’].

Textkritische Betrachtungen zur Aristotelischen Schrift De sensu, Hermes 73 (1938), 459–473.

Empedocleum, Hermes 74 (1939), 102–104.

Aristotelis De sensu et de memoria libri, Budapest 1942. XV, 149 p.

Eine von Förster 1954 beim Verlag der Ungarischen Akademie der Wissenschaften eingereichte ungarische Übersetzung der Aristotelischen Physik mit Einführung zum Werk und (textkritischen) Anmerkungen auf Grundlage der Ausgabe von W.D. Ross wurde nicht gedruckt.

weitere Werke

A hexameter eredete, Budapest 1899. 58 p. [Diss., „Der Ursprung des Hexameters“].

Euhemereum, Egyetemes Philologiai Közlöny 50 (1926), 41–45.

A Magyar Tudományos Akadémia és a klasszikus ókor az Akadémia alapitásától 1883‐ig, Budapest, 1927. 56 p. [„Die Ungarische Akademie der Wissenschaften und die Klassische Antike von der Gründung der Akademie bis zum Jahre 1883“].

Wilamowitz‐Moellendorff Ulrik báró emlékezete, Budapest 1933, 15p. [„Erinnerungen an Baron Ulrich Wilamowitz‐Moellendorff“].

A filológia fogalma, Budapest 1940. 19 p. [„Der Begriff der Philologie“].

A Roma quadrata kérdéséhez, Egyetemes Philologiai Közlöny 71 (1948), 1–10 [„Zur Roma quadrata‐Frage“].

A magyar vers ritmikai alapjai, Irodalomtörténet 4 (1951), 439–452. [„Die rhythmischen Grundlagen des ungarischen Verses“].

Prolegomena metrica (Die rhythmischen Grundlagen des antiken Verses), Acta Antiqua Academiae Scientiarum Hungaricae 4 (1956), 171–194.

Quellen

Ungedruckte Quellen

Staatlicher Erhebungsbogen zu den Eigentumsverhältnissen der Förster-Villa (1944) (Hungaricana. Hungarian Cultural Heritage Portal; aufgerufen: 29.07.2019).

Lektorats-Unterlagen des ungarischen Akademie-Verlags zur Physik-Übersetzung Försters (1954/1955) (Szabó Miklós archívum, aufgerufen: 05.08.2019).

Sekundärliteratur

Gézané Fekete, A Magyar Tudományos Akadémia tagjai: 1825–1973, Budapest 1975, 79.

Ágnes Kenyeres, Magyar életrajzi lexikon, I. köt. A–K, Budapest 1967, 534–535.

Péter Kozák, „Förster Aurél“ (Névpont 2013; aufgerufen: 12.04.2019).

Rezső Mészáros, Szegedi egyetemi almanach: 1921–1995, I. köt., Szeged 1996, S. 119–120.

Samu Szádeczky‐Kardos, Ókortudomány, latin‐görög filológia, in: A Szegedi Tudományegyetem múltja és jelene: 1921–1998, szerk. László Szentirmai, Szeged 1999, 199–214, hier: 200–201 u. 206.

Imre Trencsényi‐Waldapfel, Förster Aurél (1876–1962), Antik Tanulmányok (9) 1962, 232–233.

Krisztián Ungváry / Gábor Tabajdi, Budapest a diktatúrák árnyékában: titkos helyszínek, szimbolikus terek és emlékhelyek a fővárosban, Budapest 2012 (S. 119–120, mit Abbildung der Villa Försters).

Förster Aurél“ (Wikipedia [ungarisch]; aufgerufen: 11.04.2019).

Bildnisse

Porträtphotographie Aurél Försters aus der Sammlung der Universitätsbibliothek Szeged (Ungarn); Digitalisat (Wikimedia Commons; aufgerufen: 15.04.2019).

Einzelnes

Résumés zu einigen der auf Ungarisch verfassten Arbeiten Försters:

Förster 1922 [Heraklits Kosmologie]:

Unter Verweis auf Heraklit‐Fragmente und die Doxographische Tradition übt F. Kritik an der von K. Reinhardt (Parmenides u. die Geschichte d. griech. Philosophie, Bonn 1916) erneut vorgebrachten Ansicht, nach welcher Heraklit nicht das periodische Zu‐Feuer‐Werden der Welt gelehrt habe. Aristoteles, Phys. 279b 15 φθειρόμενον emendiert F. zu φθειρόμενον καὶ γιγνόμενον (Ausfall durch Haplographie von zweimaligem OMENONKAI).

Förster 1926 [Euhemereum]:

Verteidigung des überlieferten ψύχει im Euhemeros‐Fragment 1A Winiarczyk, Z. 3 gegen Konjektur.

Förster 1926 [Über Konjekturen]:

Konjekturen dürften nicht vorgenommen werden, wenn 1. der überlieferte Wortlaut sprachlich und inhaltlich haltbar ist oder 2. die vorgeschlagene ‘Emendierung’ in einer der beiden Weisen problematisch bleibt. Verteidigung der überlieferten Lesarten φράζοντας in Aristoteles, Pol. VII, 6 1327a 38 und δουλεύοντες in Pol. V, 11 1313b 6. Bei Aristoteles habe die Konjekturalkritik nie große Ernte gehalten, da die Textprobleme in aller Regel anderer Natur seien und nicht durch Emendierung eines einzelnen Wortes behoben werden könnten.

Förster 1927 [Struktur und Entstehung der Parva Naturalia]:

F. geht der Frage nach, ob die uns unter der im Mittelalter eingeführten Bezeichnung Parva naturalia (= PN) bekannten, einerseits psychologischen und stark mit De anima verbundenen (Sens., Mem.), andererseits physiologischen (Somn. Vig., Insomn., Div. Somn., Long., Juv., VM, Respir.) Traktate eine planmäßige Einheit bilden. Es bestehe genug Grund, dies anzuzweifeln, da diese Schriftenreihe ohne antike Corpus‐Bezeichnung und keineswegs in einer geschlossenen Einheit überliefert worden sei. Zwar sei sie Alexander v. Aphr. in der uns bekannten Vulgat‐Zusammensetzung bekannt gewesen, doch würden sowohl in der Werkliste des Ptolemaios als auch ähnlich in vielen unserer Hss. nach Sens., Mem. und Somn. Vig. zunächst andere Werke, wie De motu animalium, die ἀνατομαί oder die zoologischen Werke folgen, bevor die übrigen Schriften der P. N. anschlössen.

Die zweite Gruppe der PN folge in den Hss. Vat. 253, Abr. H. 50 sup., Laur. 81.1, Paris. 1861, 1921, 2035, Vind. phil. 64, 134, 157 erst nach zoologischen Schriften und fehle gänzlich in den Hss. Paris. 1853, 1859, Vat. 260, 261, Palat. 87. Die Forschung habe an der Reihenfolge der Vulgatfassung festgehalten: F. widerspricht der auch zu diesem Zwecke vorgenommenen Trennung von Aristotelischer Psychologie (vertreten durch An.) und Psychophysiologie (vertreten durch PN) durch W. Jaeger. Diese Trennung sei unaristotelisch: Jede Psychologie sei bei Aristoteles (mit Ausnahme der νοῦς‐Theorie) gleichzeitig Psychophysiologie. An. einerseits und Sens. andererseits ließen sich nicht als Untersuchung ein und desselben Gegenstandes aus zweifacher, psychologischer bzw. physiologischer Sicht betrachten. Sens., aber auch Mem. würden inhaltlich vielmehr ein Supplement zu An. darstellen, die übrigen PN hingegen seien eindeutig physiologischer Natur.

Eine genaue Analyse des gemeinsamen Prooimions der PN (= Sens. 1, 436a 1–18) zeige, dass dieses selbst Ergebnis einer Überarbeitung sei, die dem Zweck gedient habe, die inhaltlich An. zuzuordnenden Traktate Sens. und Mem. zwischen An. und Somn. Vig. einzuschieben. Laut F. schließen sich die Passagen (I) 436a6 φαίνεται δὲ τὰ μέγιστα–11 ὑπάρχει πᾶσι τοῖς ζῴοις und (II) 436a 12ff. τυγχάνουσι δὲ τούτων τὰ μέγιστα κτλ. völlig aus, und zwar in einer Weise, die den Autor der ersten Passage als unter Eindruck der letzteren, ursprünglichen stehend zeigen. Im Besonderen führe Abschnitt (I) in auffälliger Weise ausschließlich Psychologisches als zur folgenden Untersuchung gehörig ein, das aber gerade durch die ‘psychologische’ Einleitung (436a 1–6) als in An. abgehandelt genannt worden sei. Die dort erweckten Erwartungen hinsichtlich der nun folgenden Behandlung der allen Lebewesen gemeinsamen πράξεις werde nur durch (II) beantwortet, während (I) diesen völlig widersprüchlich entgegenstehe. (I) stamme von jemandem, der – aus inhaltlicher Sicht verständlich – in einen ursprünglich physiologischen Zyklus zwei kleinere psychologische Traktate, Sens. und Mem., hineinzwingen wollte und dafür das τὰ μέγιστα aus dem ursprünglichen (II) am Anfang von (I) mechanisch wiederholt habe.

Das ursprüngliche Prooimion bestehe aus der Einleitung 436a 1–6 + der Passage (II), d.h. 436a 12ff., die jedoch nur bis 436b 10 ψυχῆς reiche, um zu Somn. Vig. und nicht zu Sens. überzuleiten. 436b 10 τοῖς δὲ ζῴοις gehöre nämlich bereits zum eigentlichen Beginn der Schrift Sens. Zweifelhaft bleibe nur, ob die ungeschickt wirkende Überleitung zwischen (I) und (I), 436a 11–12 πρὸς δὲ τούτοις τὰ μὲν πάντων ἐστὶ τῶν μετεχόντων ζωῆς κοινά͵ τὰ δὲ τῶν ζῴων ἐνίοις dem Überarbeiter als verbindendes Element zuzuschreiben oder, wahrscheinlicher, bei der Überarbeitung etwas durch Einfügung von (I) ausgefallen sei, dessen direkte Fortsetzung 436a 11–12 darstellte. Der Überarbeiter des Prooimions scheine nicht später als Andronikos v. Rhodos gelebt zu haben, doch ließen sich über die Zeit bzw. Person erst nach Klärung der Entstehung und Methodik der Ausgabe des Andronikos genaue Angaben machen.

Förster 1939 [Empedocleum]

In dem bei Aristoteles (Sens. 437b 2 6–438a 3) überlieferten Empedokles‐Fragment (‘Entstehung des Auges’, DK 31 B 84) nimmt F. in Z. 8 eine Konjektur von überliefertem λοχάζετο („lag/legte sich in den/im Hinterhalt“; der älteren epischen Sprache fremd) bzw. ἐχεύατο („übergoß“; gramm. bedenklich, sachlich falsch) zu λοχεύσατο („brachte zur Welt“) vor, das (ΛΟΧΕΥCΑΤΟ) die Entstehung beider in den Hss. / bei Alexander von Aphrodisias zu findenden Lesarten erklärbar macht.

Förster 1940 [Begriff der Philologie]:

F. definiert (p. 5) die ‘philologia classica’ in einem paradoxen Verhältnis zur ‘historia’ als jene Form der historischen Forschung, die sich auf die Zeugnisse für die Kenntnis von der Vergangenheit als solche [i.e. die Zeugnisse] bezieht bzw. als jenen Zweig der Geschichtswissenschaft, für den die Zeugnisse für die Erkenntnis der Vergangenheit Gegenstand der Erforschung sind. Philologia und historia sind zwei unterschiedliche Aspekte ein und derselben Wissenschaft mit durchlässiger Trennwand. Ablehnung der Trennung von ‘Wort‐’ und ‘Realphilologie’: Textverständnis und Textbestimmung, d. h. Hermeneutik und Kritik, dienen in unzertrennlicher Einheit als das inhaltliche und formale Verstehen. Angelehnt an Aristoteles’ Diktum, die Poesie sei φιλοσοφώτερον ἱστορίας, ist die Philologie laut F. ἱστορικώτερον ἱστορίας, da sie in exponentiellem Maße einen idiographischen Charakter besitze.

Förster 1948 [Roma quadrata]:

Gestützt auf griechische und römische Testimonien schließt F. aus, dass die Bezeichnung des ersten Roms als Roma quadrata sich auf einen in vier Teile geteilten, doch runden Grundriss des ersten Roms beziehen könne.

Förster 1956 [Prolegomena metrica]:

Kritik an F. Nietzsches und P. Maas’ Annahme, der antike Vers habe keinen auf Ictus beruhenden Rhythmus gekannt. Es müsse der dynamische Ictus hinzutreten, um aus einer Silbenfolge einen Vers zu machen. F. unterscheidet drei Dimensionen des Rhythmus: 1. (horizontal) Wechsel von sich in gleichen Zeitabständen wiederholenden Schlägen (vgl. Herz), den ‘Hebungen’, und dazwischen eingegliederten ‘leeren Zeiten’, den ‘Senkungen’. 2. (vertikal) Betonung in unterschiedlicher Intensität. 3. Quantitäten. F. unterscheidet drei Arten der Versbildung: indifferente (Ignorierung der phonetischen Eigenschaften der Sprache), quantitierende und akzentuierende. Die Tatsache, dass im quantitierenden Versbau (im Griechischen) der Wortakzent keine organische Rolle spielt, bedeute keineswegs, dass damit auch der dynamische Ictus aus dem Vers verschwinden müsse. „Der ... ‘undynamische’ Vers ist ein blutleeres Hirngespinst“ (191).